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Anklam StadtZeitung
Ausgabe 8/2026
Regionales/Aktuelles
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Er kwam een andere man terug – Er kam als anderer Mann zurück

Am 13. August 2026 wurde in der Hansestadt Anklam ein besonderes Kapitel deutsch-niederländischer Erinnerungsgeschichte lebendig. Fokko Wolthuis, Sohn des ehemaligen niederländischen Zwangsarbeiters Swier Wolthuis, besuchte Anklam und übergab im Rahmen eines Gesprächstermins mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Beatrix Wittmann-Stifft und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Sabine Görner die Biografie seines Vaters.

Der Besuch war für alle Beteiligten ein bewegender Moment. Mit der Übergabe des Buches kehrte die Geschichte eines Menschen an den Ort zurück, an dem sein Vater während des Zweiten Weltkrieges mehr als zweieinhalb Jahre unter Zwang leben und arbeiten musste. Es war nicht nur die Übergabe einer Biografie, sondern auch die Übergabe eines persönlichen Erinnerungsstücks und eines Stücks Familiengeschichte an die Stadt, die untrennbar mit dem Schicksal von Swier Wolthuis verbunden ist.

Swier Wolthuis, geboren am 1. Dezember 1915 in Wildervank, wurde im Rahmen des nationalsozialistischen Arbeitseinsatzes nach Deutschland verpflichtet. Am 3. Oktober 1942 erhielt er seine Einberufung, am 5. Oktober folgte die ärztliche Untersuchung. Nur zwei Tage später heiratete er Hilje Knapper. Die Hochzeit wurde bewusst schnell vollzogen, verbunden mit der Hoffnung, dass er als verheirateter Mann später einen Urlaub in der Heimat erhalten könnte.

Tatsächlich durfte er im April 1943 für zwei Wochen nach Hause zurückkehren.

Am 8. Oktober 1942 trat Swier Wolthuis seine Reise nach Deutschland an. Am 10. Oktober kam er in Anklam an. Hier musste er in der Möbelfabrik Oldenburg in der Demminer Straße arbeiten. Das Unternehmen stellte während des Krieges Holzpropeller für die Flugzeugindustrie, unter anderem für Arado, her. Insgesamt waren in der Möbelfabrik 74 Zwangsarbeiter eingesetzt: 65 aus den Niederlanden, sechs aus Polen, zwei aus Frankreich und eine Person aus Belgien.

Für Swier Wolthuis endete die Zwangsarbeit erst mit der Befreiung durch die Rote Armee am 29. April 1945. Doch auch danach war sein Weg zurück in die Heimat noch nicht beendet. Gemeinsam mit anderen ehemaligen Zwangsarbeitern machte er sich auf den Weg nach Westen. Erst am 23. Mai 1945 konnte er schließlich zu seiner Frau und seiner Familie nach Groningen zurückkehren.

Der Titel „Er kwam een andere man terug – Er kam als anderer Mann zurück“ beschreibt dabei weit mehr als die körperliche Rückkehr eines jungen Mannes aus Deutschland. Er verweist auf die tiefgreifenden Veränderungen, die Zwang, Krieg, Angst und Entmenschlichung in einem Menschen hinterlassen. Swier Wolthuis kehrte zu seiner Familie zurück – doch er war nicht mehr derselbe Mann, der seine Heimat im Oktober 1942 verlassen hatte. Die Erfahrungen der Jahre 1942 bis 1945 blieben Teil seines Lebens und wirkten über die Generationen hinweg.

Für seinen Sohn Fokko Wolthuis wurde die Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit zu einer persönlichen Lebensaufgabe. 2015 begann er mit der biografischen Aufarbeitung der Geschichte seines Vaters und mit seinen Besuchen in Anklam. Im Laufe der Jahre lernte er die Stadt immer besser kennen und setzte sich intensiv mit den historischen Spuren des Aufenthalts seines Vaters auseinander.Dabei entstand eine enge Verbindung zu Anklam und zum Museum im Steintor. Fokko Wolthuis sammelte über viele Jahre Erinnerungen, Dokumente und persönliche Gegenstände und stellte wichtige Materialien dem Archiv des Museums zur Verfügung. Dazu gehört unter anderem das Modell eines Holzpropellers, das sein Vater seiner Frau Hilje Wolthuis zu ihrem Geburtstag im Jahr 1943 schenkte.

2015 begann damit eine persönliche Spurensuche, die elf Jahre später in der Fertigstellung der Biografie im Jahr 2026 ihren bisherigen Höhepunkt findet. Die Übergabe des Buches am 13. August 2026 war deshalb nicht nur ein historischer, sondern vor allem ein zutiefst persönlicher Moment.

Besonders berührend war die Aussage von Fokko Wolthuis, dass „Anklam auch zu seiner Stadt geworden ist.“ In diesen Worten wird deutlich, wie sehr sich das Verhältnis zu dem Ort verändert hat. Anklam steht für ihn nicht mehr ausschließlich für die Geschichte des Leids und derZwangsarbeit seines Vaters. Durch seine jahrelange Beschäftigung mit der Vergangenheit, seine

Besuche und die Begegnungen mit Menschen in der Stadt ist Anklam selbst zu einem Teil seiner eigenen Lebens- und Familiengeschichte geworden.

Die Übergabe der Biografie am 13. August 2026 steht zugleich am Anfang einer neuen Entwicklung. Aus der persönlichen Spurensuche von Fokko Wolthuis entstand die Idee für ein weiterführendes Projekt: eine Ausstellung zum Thema Zwangsarbeit im ehemaligen Wehrmachtgefängnis in Anklam.

Die Hansestadt Anklam und das Museum im Steintor bedanken sich herzlich bei Fokko Wolthuis für seinen wichtigen Besuch, für sein Vertrauen und für seinen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeit in Anklam. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit, den gemeinsamen Austausch und auf viele weitere Besuche.