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Barther Boddenblick
Ausgabe 1/2026
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Barth rückt in den Fokus: Sonderausstellung im Papenhof beleuchtet das Fürstentum Rügen neu

Barth – Mit der Sonderausstellung „Das Fürstentum Rügen – ein Zankapfel am baltischen Meer“ rückt das frisch eröffnete Museum Papenhof in Barth die regionale Geschichte in ein neues Licht. Die Schau widmet sich einer Epoche, die für Vorpommern und die südliche Ostseeküste prägend war und zeigt dabei, welche Rolle Barth und sein Umland im mittelalterlichen Machtgefüge wirklich spielten.

Im Mittelpunkt steht das Fürstentum Rügen, das zwischen dem 12. und frühen 14. Jahrhundert eine politisch wie kulturell bedeutende Stellung einnahm. Die Ausstellung spannt den Bogen von der Christianisierung der slawischen Ranen über die dänische Oberhoheit bis zum Aussterben der Herrscherdynastie unter Wizlaw III. im Jahr 1325. Besucher erhalten einen vielschichtigen Einblick in eine Zeit, in der sich an der pommerschen Küste Macht, Religion und Handel neu ordneten.

Der Papenhof nutzt seine historische Stellung, um die damalige Entwicklung anschaulich zu vermitteln. Archäologische Funde, reproduzierte Kostbarkeiten und multimediale Installationen verdeutlichen, wie eng Barth und seine Umgebung mit den Fürsten von Rügen verbunden waren. Als einstiger Verwaltungs- und Wirtschaftsraum des Fürstentums kommt der Stadt heute neue Aufmerksamkeit zu: Sie erscheint als wichtiger Knotenpunkt zwischen Insel und Festland, an dem sich Veränderungen besonders deutlich ablesen lassen.

Unter den zentralen Ausstellungsstücken findet sich eine Replik des Bergener Abendmahlskelchs aus dem 13. Jahrhundert, ein herausragendes Beispiel mittelalterlicher Goldschmiedekunst. Der reich verzierte Pokal, dessen Original in der Marienkirche von Bergen aufbewahrt wird, gilt vielen Besuchern als eines der eindrucksvollsten Objekte. Er verdeutlicht den kunsthandwerklichen Anspruch der damaligen Zeit ebenso wie die religiöse Bedeutung der Region.

Die Ausstellung zeigt darüber hinaus Objekte aus Alltagskultur, Handel und kirchlichem Leben. Karten und Grafiken veranschaulichen die territorialen Verschiebungen zwischen Dänemark, Pommern und der Hanse. Ergänzend erläutern Texttafeln die politischen Konflikte der Epoche, etwa die Spannung zwischen aufstrebenden Städten wie Stralsund und der fürstlichen Herrschaft.

Mit der Sonderausstellung stellt Barth einen neuen Zugang zur eigenen Vergangenheit her. Der Papenhof, eines der ältesten Gebäude der Stadt, bietet dafür einen passenden Rahmen. Die historische Atmosphäre des Hauses und die wechselvolle Geschichte Barths verbinden sich mit der Ausstellung zu einem lebendigen Gesamterlebnis.

Für die Stadt bedeutet die Schau mehr als eine museale Bereicherung. Sie stärkt das Bewusstsein für die regionale Identität und eröffnet sowohl Einheimischen als auch Gästen einen Blick auf einen Teil der Geschichte, der lange Zeit wenig Beachtung fand. Durch die wissenschaftliche Aufbereitung und die Vielfalt der Exponate erhält Barth einen neuen Platz auf der kulturellen Landkarte Vorpommerns.