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Barther Boddenblick
Ausgabe 12/2024
Nichtamtlicher Teil
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100 Jahre und kein bisschen leiser …

Magdalena Scholz, Sommer 1940

Der 20. November des Jahres 1924 war ein Donnerstag. In diesem Jahr wurden Persönlichkeiten wie Peter Scholl-Latour, Marlon Brando, Charles Aznavour, Gisela May, Georg H. W. Bush, Marcello Mastroianni, Jimmi Carten, Günter Pfitzmann, Rosamunde Pilcher oder Heinz Schenk geboren.

Der 20. November 1924 war aber auch das Geburtsdatum von Magdalena Scholz geb. Tauchmann. Geboren wurde Magdalena im Örtchen Josefshöhe im heutigen Tschechien. Die Sudeten sind ein Gebirge, das heute an der Grenze zwischen Polen und Tschechien liegt. Wenn man Sudetenland sagt, meint man ein viel größeres Gebiet in Tschechien. In diesem Gebiet lebten früher vor allem Menschen, die Deutsch sprachen. In den Jahren nach 1945 wurden sie aus ihrer Heimat vertrieben.

Auch die Familie von Magdalena gehörte 1945 zu den Vertriebenen. Aus Liberec (Reichenberg) in Tschechien ging die nicht einfache Reise von Magdalena mit ihrer Mutter nach Stralsund und dann weiter nach Barth. Ihr Vater versuchte mit ihrem drei Jahre jüngeren Bruder Alfred nach München zu kommen, um dort Arbeit zu finden. Man wollte dann Mutter und Tochter nachholen. Dazu kam es nicht mehr. Der Vater erkrankte auf der Flucht und verstarb. Alfred blieb allein und lebt heute mit 96 Jahren im Süden Deutschlands. Die Mutter und Schwester Magdalena blieben in Barth.

Magdalena besuchte erst die tschechische Schule, dann die deutsche Schule. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass Magdalena bis heute der tschechischen Sprache mächtig ist und Sie mit Verwandten noch spricht.

In ihrer Jugend absolvierte Sie das Abitur.

Nun in Barth ansässig geworden waren gerade nach dem Krieg Lehrerinnen und Lehrer „Mangelware“, fast so wie heute. So kam es, dass die 24-jährige Magdalena am 1.2.1948 ihren Dienst an der Grundschule I, der damaligen Mädchenschule am Fangelturm ihren Dienst begann.

Mädchenschule in der Turmstraße 1

Grundschule I, Ernst-Moritz-Arndt-Schule, Freie evangelische Grundschule heute

Die Anfänge waren nicht einfach. Es gab sehr viele Flüchtlinge in der Stadt, die Lernbedingungen waren gerade nach dem 2. Weltkrieg nicht immer einfach.

Die junge Magdalena kämpfte sich durch, aufgeben gab es für Sie nie, egal wie schwer es manchmal war. Waren es in den ersten Jahren reine Mädchenklassen, kamen etwas später auch die Jungen dazu.

Im Jahre 1955 heiratete Sie ihren Mann Manfred, der ebenfalls als Flüchtling aus Ostpreußen nach Barth kam. Ihr gemeinsamer Sohn Jörg wurde 1957 geboren.

Besonders stolz ist Magdalena auf ihre beiden Enkel Mathias und Christian sowie den dazugehörigen Familien mit Urenkel.

Der Traum als Lehrerin ging in Erfüllung und dann noch mit den Fächern Deutsch und Mathe machte Sie glücklich.

Mädchenklasse 5a von Magdalena Scholz im Schuljahr 1952/53

Bis 1970 hatte es Magdalena Scholz dann bis zur stellvertretenden Direktorin an ihrer Schule gebracht. Sie sagt selber, dass die Kinder auf Sie gehört haben. Sie sich den nötigen Respekt verschafft, selbst wenn Sie das Klassenzimmer verließ um aus dem Sekretariat etwas zu holen, war es mucks Mäuschen still.

Magdalena Scholz war und ist ein Familienmensch, dass zeigt sich daran, dass ihre Mutter bis ins hohe Alter zusammen mit der Tochter gewohnt hat. Sie kümmerte sich um Haushalt und alles was so anfiel. Sie ergänzten sich einfach.

Sohn Jörg, Magdalena, Schwiegertochter Petra am 20. November 2024

Seit vier Jahren wohnt nun Magdalena Scholz bei ihren Sohn Jörg und Schwiegertochter Petra in der gemeinsamen Wohnung. Ihr liebevoll eingerichtetes Zimmer im 2. Stock lässt keinen Wunsch offen. Sie liebt es fern zu sehen, am liebsten Musiksendungen oder alte Filme mit Johannes Hesters und anderer Filmlegenden.

Schwiegertochter Petra und Sohn Jörg kümmern sich liebevoll um ihre Mutter und lesen ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Dreimal die Woche geht es für Magdalena Scholz in die Tagesbetreuung, wo Sie mit gleichgesinnten Menschen aus Barth zusammen kommt, so ist Sie auch immer am Geschehen der Stadt beteiligt. Unter Menschen sein, war und ist ihr immer wichtig gewesen.

Am 20. November, feierte Frau Scholz nun ihren stolzen 100. Geburtstag. Ein Geburtstag, den nicht viele Menschen erreichen. Gefeiert wurde mit Freunden, ehem. Kollegen und Wegbegleitern und natürlich mit der Familie bei Moppi am Hafen.

Da Sie immer eine bescheidene Frau war, waren auch ihre Wünsche bescheiden.

Statt Blumen und Geschenke waren die Gäste angehalten eine Spende für den Barther Heimatverein zu übergeben. Denn auch Magdalena Scholz unterstütze in ihrer aktiven Zeit als Lehrerin das Barther Kinderfest und zog mit ihrer Klasse zum Festplatz.

Magdalena Scholz & Mario Galepp

Ich kenne Frau Scholz seit vielen Jahren und war sehr erfreut, ihr am 20. November persönlich die Glückwünsche zum 100. Geburtstag überbringen zu können. Als Geschenk gab es den 14. Band unserer Buchreihe Lande Barth - Barther Geschichte(n).

Wir sagen an dieser Stelle noch einmal alles Gute zum 100. Geburtstag, wünschen weiterhin viel Gesundheit und danke für die tolle Idee mit der Spende für den Barther Heimatverein.

Mario Galepp
Vors. Barther Heimatverein e. V.