Titel Logo
Barther Boddenblick
Ausgabe 2/2026
Nichtamtlicher Teil
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Museum Papenhof Barth: Ein Ort, der es wert ist, erneut entdeckt zu werden

Barth – Seit fast einem halben Jahr ist das Museum Papenhof nun geöffnet und doch lohnt sich ein genauerer Blick auf diesen besonderen Ort der Barther Kultur. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass der Papenhof nicht nur ein neues Museum ist, sondern ein Haus, das mit neuen Ausstellungsstück und jedem Besuch weiter an Profil gewinnt.

Der spätmittelalterliche Profanbau (weltliches Gebäude, welches keinem religiösen Zweck dient) im Herzen der Stadt Barth ist längst als architektonisches Schmuckstück bekannt. Doch wer den Papenhof bislang nur als historisches Gebäude wahrgenommen hat, verpasst seine eigentliche Stärke. Die Verbindung von Baugeschichte, regionaler Identität und moderner Geschichtsvermittlung. Originale Bauelemente aus mehreren Jahrhunderten, freigelegte Strukturen und klug gesetzte Erläuterungen machen das Haus selbst zum zentralen Exponat.

Einen neuen inhaltlichen Akzent setzt derzeit die große Sonderausstellung „Das Fürstentum Rügen – ein Zankapfel am baltischen Meer“, die anlässlich des 700. Jahrestags der Eingliederung des Fürstentums Rügen in den pommerschen Herrschaftsbereich zu sehen ist. Sie führt die Besucherinnen und Besucher in eine Zeit, in der der südliche Ostseeraum politisch wie kulturell von überregionaler Bedeutung war.

Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen von Macht, Herrschaft und gesellschaftlicher Ordnung. Stadtgründungen, Kirchen- und Klosterbauten sowie das Spannungsfeld zwischen Dänemark, Pommern und Mecklenburg werden anschaulich dargestellt. Ergänzt wird dieser politische Blick durch einen kulturgeschichtlichen Schwerpunkt, die literarischen und musikalischen Zeugnisse des letzten Rügenfürsten Wizlaw III., der als Minnesänger und Komponist die höfische Kultur des Nordens prägte.

Zu den bemerkenswerten Ausstellungsstücken zählen der romanische Abendmahlskelch aus der Zeit um 1240 (als Replik des Originals aus Bergen auf Rügen), die sogenannte „Bergener Decke“ aus der Marienkirche Bergen sowie zahlreiche archäologische Funde, darunter eine fein gearbeitete Greifenschnalle aus der Zeit um 1300. Großformatige Wandtafeln und Audioinstallationen sorgen dafür, dass Geschichte nicht nur gelesen, sondern auch erlebt werden kann.

Gerade diese Verbindung aus fundierter Forschung und anschaulicher Präsentation macht den Papenhof zu einem Ort, der auch für einen zweiten oder dritten Besuch interessant ist. Das Museum versteht sich nicht als klassisches Heimatmuseum, sondern als Raum für Einordnung, Austausch und neue Perspektiven auf die Geschichte der Region.

Nach einem halben Jahr im Betrieb zeigt sich: Der Papenhof ist gekommen, um zu bleiben. Wer ihn bislang noch nicht besucht hat – oder glaubt, ihn bereits zu kennen –, sollte die aktuelle Ausstellung zum Anlass nehmen, dieses besondere Haus erneut in den Blick zu nehmen.