Ludwig Holtz als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Botanischen Gartens der Universität Greifswald
Das Steppenhuhn, aus: Brehms Thierleben
Nach Struck und seinem Schwiegersohn Friedrich Oom, trat Ludwig Holtz das Erbe des Papenhofes in dritter Generation an. Er war schon 1845 mit der Tochter des Barther Bürgermeisters verlobt, lebte aber noch auf dem Gut Neu-Elmenhorst bei Stralsund. Geboren wurde Ludwig Holtz am 20. Mai 1824 zu Hermannshagen bei Barth, ein Gut, das sein Vater als Landwirt und Jäger gepachtet hatte. Seine schulische Bildung erhielt er durch einen Hauslehrer bis er 14 war, wobei sich bereits seine Hingabe zur Natur entwickelte. Danach besuchte er das Pädagogium (Gymnasium) in Putbus und absolvierte die Tertia und Secunda. Die Botanik war seine auserkorene Wissenschaft, die er auch als Wirtschaftslehrling auf Wittow nicht vernachlässigte. Ein Studium blieb ihm versagt, da er nach dem Tod seines Vaters und gemäß dem Wunsch seiner Mutter Landwirt wurde. 1846 absolvierte er sein Artillerie-Offizier-Examen, nachdem er ein Jahr als Freiwilliger in Stralsund gedient hatte. Im Jahr darauf heiratete er Maria Franziska Oom und kaufte das Gut Neu-Elmenhorst, welches er 5 Jahre bewirtschaftete. 1852 verkaufte er das Gut seinem Bruder und zog nach Barth in den Papenhof.
Von hier aus betrieb er die Botanik, erforschte ganz Neu-Vorpommern und Rügen, wodurch er eine ansehnliche Sammlung heimischer Pflanzen zusammentrug, und korrespondierte mit anderen Botanikern aus fernen Ländern. Seine Leidenschaft führte ihn zunächst auf Reisen nach Schlesien, dem Riesengebirge, Dänemark, Baden und weiteren angrenzenden Ländern. Nach jeder Reise bekam sein Herbarium Zuwachs. Aus seiner journalistischen Tätigkeit als Redakteur beim Barther Wochenblatt entwickelten sich bald wissenschaftliche Aufsätze, durch die er sich einen Namen machte. Auch dichterische Erzeugnisse in Form von Novellen und Dramen entstanden. 1863 war er Mitbegründer und Direktor des Vorschuß-Vereins zu Barth, der um 1870 schon über 400 Mitglieder hatte. Holtz wurde während seines Aufenthalts in Barth in das bürgerschaftliche Kollegium und bei der Einführung der neuen Gemeinde-Kirchenordnung in den Kirchenrat gewählt. Unterdessen verlegte sich sein Hauptaugenmerk von der Botanik zur Ornithologie, nachdem er in Barth Major Alexander von Homeyer kennenlernte, dem es nie Müde wurde, neue Vogelkundler anzuwerben. Durch sein neuerwähltes Interesse gelangte Holtz auf Reisen nach Jütland mit umliegenden Inseln, Süd-Russland oder Ober-Italien. Die Ergebnisse seiner Expeditionen veröffentlichte er in den Journalen für Ornithologie. Auch in Barth konnte er seinen Naturforscherdrang ausleben und erforschte u.a. zusammen mit dem Prähistoriker Georg Christian Friedrich Lisch, auch „Pommerns Humbold“ genannt, das Gebiet der „Alten Burg“.
1863 bekam der Papenhof einen asiatischen Mitbewohner. Ein lebend in seinen Besitz gekommener Vogel, ein Steppenhuhn. Gefangen wurde der verirrte Gast bei Barth Vogelsang, als dieser dort mit seinen Artgenossen zwischen Roggenfeldern campierte. Ein paar Barther erzählten davon, sie hätten ein paar „komische Vögel“ gesichtet, was bei Holtz im gleichen Maße Neugier wie auch Hoffnung weckte. Es wurde zwar geschossen, doch der Vogel überlebte, woraufhin Holtz ihn in den Papenhof brachte, um diese Vogelart eingehend zu studieren. In seinem Bericht bezeichnete er das Steppenhuhn als „kleinen Stubengenossen“, den er mit Liebe gepflegt hatte. Es stellte sich die Frage ob dieser Vogel eher zu den Hühnern oder doch zu den Tauben gezählt werden sollte. Weiter berichtete Holtz: „Er trippelte ganz ungenirt im Zimmer umher, pickte sein Futter auf, hockte sich an beliebigen Stellen nieder und war zuweilen auch sehr ärgerlich. Besonders aber konnte er die Crinolinen (Reifröcke) nicht leiden; denn wurde eine solche yon ihrer Besitzerin ihm zu nahe geführt, so stiess er (…) Töne des Unwillens aus, lief mit vorgehaltenem Kopfe und Halse ärgerlich darauf zu und biss darnach (…). Wurde das Wohnzimmer nun zu einem Hühnerstall oder zu einem Taubenschlag? Um das herauszufinden machte der Forscher es seinem Gast so gemütlich wie möglich: „Ich setzte in der Nähe des Ofens einen ziemlich langen und breiten, niedrigen, mit Kiessand gefüllten Kasten und drückte eine mit Wasser gefüllte Schale dem Kiessande ein, während daraufgestreuete Waizenkörner ihm reichliche Nahrung darboten. (…) Meine Frau hatte oft ihren Spass mit dem Vogel. Wenn sie sich ihm etwas näherte, richtete er zornig den Kopf gegen sie, liess ein tiefes Guck hören, welches sich auch zuweilen verdoppelte; näherte sie sich ihm mehr, so stiess er das Guck ärgerlicher, helltönender 4-5 Mal aus, welches sich zu einem Gurrrrrrr, im Tone höher steigend, verstärkte und richtete den Hals unwillig noch höher empor. (…) Was nun die Frage anbelangt: ob Huhn oder Taube? so muss ich bemerken, dass der Schnabel an das Rebhuhn erinnert, der Schwanz an eine Fasanenhenne, dass aber die Art und Weise des Trinkens, die Laute, die ganze Form des Körpers, sowie die Bewegungen zu der Annahme berechtigen, dass die Gattung eher den Tauben als den Hühnern zugezählt werden könne, wenigstens jenen nähersteht.“
Durch den Konkurs seines Bruders verlor Holtz sein ganzes Vermögen, doch konnte er durch seinen wissenschaftlichen Freund Julius Münter eine Stellung als Assistent im botanischen Museum der Greifswalder Universität erhalten. Er musste Barth verlassen und blieb bis zum Lebensende in Greifswald, wo er zuletzt die Stellung des Konservators innehatte. Dort hatte er auch entscheidenden Anteil an der Erweiterung des Herbariums. Seine Forschungsarbeit brachte ihm viel Aufmerksamkeit und 1879 begab er sich zusammen mit dem Naturforscher Dr. Alfred Brehm auf eine Expedition nach Spanien. Nicht aus eigener Initiative nahm er daran teil, tatsächlich wurde er vom Kronprinzen Rudolph von Österreich, selbst auch ein Naturforscher und Sohn von „Kaiserin Sisi“, für die Unternehmung als Präparator für die erzielte Ausbeute angeworben. Trotz Anerkennung und vielen Reisen, aktiver Teilnahme im naturwissenschaftlichen Verein und im Zentralverein für Tierzucht und Tierschutz, führte er in Greifswald ein eher stilles „Gelehrtendasein“. Die Verleihung des Königlichen Kronen-Ordens zu seinem 80. Geburtstag mag ihm noch einmal Freude im Leben beschert haben, bevor er am 28. Dezember 1907 nach kurzer Krankheit verstarb. Seine Tochter Anna Holtz wurde die nächste Besitzerin des Papenhofes.