Barth war auch einmal eine Stadt der Mühlen. Wer heute durch die Straßen geht, findet davon kaum noch Spuren. Umso bemerkenswerter ist ein Buch, das sich dieser nahezu verschwundenen Kulturlandschaft mit wissenschaftlicher Akribie und erzählerischer Ruhe widmet. Mit „Wind und Wandel. Die Geschichte der Mühlen und Müller von Barth“ ist nun Band 7 der Veröffentlichungen des Stadtarchivs Barth erschienen – und schließt eine Lücke der städtischen Geschichtsschreibung.
Der Autor Christian Schumacher, langjähriger Mitarbeiter des Vineta-Museums und des Museums im Papenhof, rekonstruiert auf der Grundlage umfangreicher Archiv- und Literaturrecherchen mehr als 750 Jahre Mühlengeschichte. Bereits 1242 sind erste Mühlen im Raum Barth nachweisbar. Ihren Höhepunkt erlebte die Stadt im späten 19. Jahrhundert, als zeitweise 18 Windmühlen das Stadtbild prägten. Was heute vollständig verschwunden ist, war einst infrastrukturelles Rückgrat und wirtschaftlicher Motor.
Schumachers Arbeit geht dabei weit über eine bloße Aufzählung technischer Bauwerke hinaus. Jede einzelne Mühle der Stadt und ihres Umlandes wird detailliert behandelt: ihre Entstehung, Bauform, Besitzer, Betreiber und ihr wirtschaftliches Umfeld. Hinzu kommen Kapitel zur Ausbildung der Müller, zu ihrer Berufsorganisation und zum tiefgreifenden Wandel des Mühlenwesens im Zuge von Industrialisierung und Elektrifizierung – bis hin zum endgültigen Niedergang. Dass die letzten Windmühlenruinen erst in den 1960er Jahren abgetragen wurden, verleiht der Studie eine unerwartete zeitliche Nähe.
Besonders hervorzuheben ist die Quellenbasis. Schumacher hat sich die Fähigkeit angeeignet, Kurrent- und Sütterlinschriften zu lesen, und konnte dadurch bislang kaum erschlossene Aktenbestände des Stadtarchivs auswerten. Viele frühere Annäherungen an das Thema waren genau daran gescheitert.
So ist „Wind und Wandel“ nicht nur eine lokale Spezialstudie, sondern ein präzises Beispiel dafür, wie Stadtgeschichte aus Archiven heraus erzählt werden kann. Das Buch ist ab sofort im Vineta Bürgerhaus sowie im Museum Papenhof erhältlich (19,80 Euro).