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Barther Boddenblick
Ausgabe 3/2026
Nichtamtlicher Teil
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Exponat des Monats im Museum Papenhof

Bartmannskrug mit Medaillon-Auflagen und Umschrift, salzgebrannt, Köln-Frechen, um 1540

Ein Bart(h)mannskrug aus dem 16. Jahrhundert

„Der Sammler und Heimatforscher Erik von Schmiterlöw (1882–1964) hat bereits im Alter von zehn Jahren 1892 in seiner Vaterstadt Franzburg eine Sammlung begründet und sie über die Wirren des folgenden Jahrhunderts bewahrt. Diese Sammlung sucht heute in Vorpommern ihresgleichen.“ (Dr. Norbert Buske) Er legte den Grundstein dieser Sammlung von Gegenständen und Urkunden, die überwiegend aus dem Gebiet Franzburg-Barth stammen, aber auch Dokumente aus dem Raum Rügen umfasst. Bereits in den 1930er Jahren zählte sie über 2.000 Stücke sämtliche Räume der beiden Familienhäuser in Franzburg. Aus diesem wissenschaftlich und regional bedeutsamen Fundus stammt u.a. dieser imposante Bartmannskrug, welcher mit zahlreichen weiteren Exponaten aus der Franzburger Sammlung ihren Weg in die dauerhafte Ausstellung unseres Museums gefunden hat. Für Öffentlichkeit und Forschung zugänglich.

Die dickbauchigen, mit einem bärtigen Gesicht verzierten Steinzeug-Krüge mit der typisch gesprenkelten Salzglasur erfreuten sich vom 16. bis ins 18. Jhd. großer Beliebtheit. Der Ursprung liegt in Köln, etwas später in Frechen, Siegburg und Raeren, von wo aus sie bis nach Großbritannien und Nordamerika ihren Weg in die heimischen Küchen fanden. Ein noch früherer Fund eines solchen Kruges stammt aus dem 13./14. Jhd. und wurde in Bardowick bei Lüneburg entdeckt. Dieser besteht aus grauer Irdenware und ist in der Ausführung noch etwas schlichter. Obwohl in großen Mengen hergestellt, findet man kaum Bartmannskrüge, die identisch sind. Das liegt u.a. daran, dass die Gesichts-Reliefs durch eine separate Backform erzeugt wurden, die sich relativ schnell abnutzten, weswegen nicht viele „Bartmänner“ mit ein und demselben Gesicht hergestellt werden konnten.

Wie bei den meisten Gebrauchsgegenständen gab es diese Krüge in einfacher bis aufwendiger Ausführung, von günstig bis unerschwinglich und in verschiedenen Größen. Sie fanden sich bei einfachen Leuten als auch bei „edlen Herren“, die mitunter gerne ihr Wappen auf dieses Trinkgefäß einarbeiten ließen. Dem Relief mit dem beinahe rechteckig gestutzten Vollbart könnte man einen gewissen Symbolgehalt zugestehen, wahrscheinlicher ist die reine Eigenschaft als Zierelement.

„DRINK VND EST / GOT NIT VERGESSE“ teilt uns eine Umschrift auf dem Krug zweimal mit. Der Spruch zeugt von der Verbindung von Essen und Religion, welche für die damaligen Menschen selbstverständlich war und sich uns heute nicht mehr in Gänze erschließt. Vor 500 Jahren waren die Essgewohnheiten noch rituell und kulturell geprägter, man nahm sich viel Zeit für Zubereitung und Verzehr. Das tägliche Leben war in vielerlei Hinsicht stark von religiösen Vorstellungen begleitet. Kirche und Bibel spielten eine zentrale Rolle, da Normen und Werte aus der Bibel und ihrer Auslegung abgeleitet wurden. Zudem bestand eine enge Verbindung zwischen Kirche, Politik und Justiz. Biblische Szenen fanden sich häufig auf Wandgemälden, Herdsteinen, Kaminziegeln, Ziegeln und Keramik. Auch Darstellungen biblischer Szenen und von Heiligen auf Steinzeug waren im 16. Jahrhundert weit verbreitet.

Ähnliches hatten schon die alten Römer viele Jahrhunderte zuvor, die sogenannten Gesichtskrüge, welche nicht nur im Alltag, sondern auch bei Bestattungsriten verwendet wurden. Bereits zu mittelalterlichen Zeiten war die Töpferei soweit entwickelt, dass man etwa durch eine Bleiglasur den Gefäßen Haltbarkeit als auch Glanz verleihen konnte. Keramikgefäße mit anthropomorphen Charakter waren also schon immer sehr beliebt. Von dem Maler Georg Flegel, der ein Zeitzeuge der bartmännischen Krüge im 16. Jhd. war, stammt ein Gemälde, ein Stillleben mit Hering, Zinnteller und Bartmannskrug, das die damalige Verwendung als repräsentatives Trink- und Schankgeschirr sehr schön veranschaulicht.

Christian Schumacher
Museum Papenhof Barth