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Barther Boddenblick
Ausgabe 4/2026
Nichtamtlicher Teil
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Exponat des Monats im Museum Papenhof

Abb. 01: Bildnis Bürgermeister Kümmelberg, Dauerleihgabe aus der St. Marien Kirche

Abb. 02: Gemälde Bogislaw XIII., ehemals St. Marienkirche, Kriegsverlust

Abb. 03: Silbernes Weingefäß, Stiftung Kümmelbergs an die Kirche

Bürgermeister Kümmelberg und sein Taufpate Bogislaw XIII.

 

In Zusammenarbeit zwischen der Stadt Barth (Kulturforum am Papenhof) und der St. Marienkirche Barth wurden im vergangenen Jahr historisch bedeutsame Kunst- und Kulturgüter aus dem Besitz der Marienkirche fachgerecht konserviert und restauriert. Ein Teil der restaurierten Objekte werden als Dauerleihgabe im Papenhof präsentiert, darunter auch unser Exponat des Monats. Es ist das Bildnis eines Barther Bürgermeisters, der Barth noch als herzogliche Residenzstadt miterlebte.

Kaspar Kümmelberg trat sein Amt als Bürgermeister 1632 an, in einer Epoche, in der über Barth die dunklen Schatten des Dreißigjähriges Krieges fielen. Hunger, Zerstörung und Verzweiflung prägten das Leben der Menschen. Die Stadt wurde von den Wirren jener Jahre schwer gezeichnet. Inmitten dieser Not stand Kümmelberg unbeirrt in seinem Dienst. Und setzte dabei ein bemerkenswertes Zeichen: Trotz der trostlosen Umstände ließ er das Bildnis seines Paten, Bogislaw XIII., sowie sein eigenes Porträt, beide (vermutlich) von demselben Künstler, anfertigen. Zwei Gemälde als stille Zeugnisse von vergangener Verbundenheit, Würde und Standhaftigkeit in stürmischen Zeiten. Beide waren früher in der Taufkapelle der Kirche aufbewahrt. Das Bildnis des Herzogs (Abb.02) ist in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verlustig geworden. Es heißt, es sei 1945 in Semlow vernichtet worden.

Die Inschrift unter Kümmelbergs Porträt (Abb.01) wirkt dabei wie ein in Farbe gefasstes Vermächtnis. Sie zählt die prägenden Stationen seines Lebens auf:

Ao. 1577 den 22. Sept.: Bin ich Caspar Kummelberch von Meinen Seligen Eltern als H. Michel Kummelberch weiland Ratsverwandter dieser Stadt und Ao. vites auff die Weldt geboren:

Ao. 1603 Bin ich zu der Ersten Ehe geschritten den 29. Aug.

Ao. 1622 hat mich der liebe Gott gewürdiget und aus Gnaden in die underschedtlichen Eheren stande der Obrigkeit verordnet Zuletzt Ao. 1632 zum Bürgermeister dieser Stadt gewürdiget.

Ao. 1626 den 13. Aug. bin ich zu der andern Ehe geschritten midt der gelebt ihm Ehestande 16 Jar bin also mit beiden ihm Ehestande Friedlichen gelebt 39 Jar. Erwarte Samptlichen auf Gnaden die fröhliche Auferstehung der Toten."

 

 

Im Jahr 1650 ließ Kümmelberg als Vorsteher der St.-Marien-Kirche bei der Erneuerung des Turmknopfes ein Schriftstück beifügen, das inhaltlich der oben genannten Inschrift entsprach. Darin brachte er zugleich seine frommen Wünsche für Wohlergehen und Gedeihen der Kirche zum Ausdruck. Ein weiteres Andenken an ihn bewahrte die Kirche unter ihren Altargeräten: ein stabförmiges, silbernes Weingefäß. Es trägt den Namen des Stifters, den seiner Ehefrau Katharina Range sowie die Jahreszahl 1632. Dieses silberne Weingefäß, das dem „Tische des Herrn" geschenkt wurde, befindet sich ebenfalls als Dauerleihgabe in der Papenhof-Ausstellung (Abb. 03).

Auch in der Barther Schützengilde war Bürgermeister Kümmelberg aktiv, wie Friedrich Oom berichtete: „Die beiden Urkunden aus der lade der Schützenzunft zeigen, daß Bogislaf XIII. ihr eine verbesserte Verfassung geben wollte, und daß dessen Sohn, Bogislaf dem XIV., welcher darin den Bürgermeister Caspar Kümmelberg als Schützenkönig bestätigt, von seinem Vater die Aufsicht oder das Patronat der Compagnie übertragen war." Darüber hinaus hat er zahlreiche bedeutende Legate für fromme Zwecke hinterlassen, u.a. ein Stipendium für Studierende der Universität Greifswald.

 

 

Eine weitere Hinterlassenschaft dieses Barther Bürgermeisters ist der mittlere von den drei Kronleuchtern im Hauptschiff der Kirche, vermutlich als Spende. Die beiden anderen Leuchter fertigte der Stralsunder Gelbgießer Dominicus Slodt in den Jahren 1589 und 1590 an. Wahrscheinlich wurden sie von Bogislaw XIII. gestiftet. Für ihre Herstellung schmolz man den Deckel des Tauffasses ein, um das Metall wiederzuverwenden.

Doch auch die frommsten Menschen geraten mal in Zwist und Hader, besonders bei Barthern und auch die Ratsherren untereinander. Am 12. Juli 1615 kam es zu einem Rechtsstreit zwischen Kümmelberg und Johann Burkhardt, dem Stadtvogt. Kümmelberg und andere berichteten: Vor drei oder vier Monaten habe Johann Burkhardt, der Stadtvogt, auf der Orgel in Richtung Niclas Nothbrecht (war 1623 Bürgermeister) geäußert, dieser sei nicht würdig, mit einem ehrbaren Mann aus demselben Topf zu „saufen". Daraufhin baten sie darum, den Grund für diese Worte zu erfahren. Stadtvoigt Burkhardt habe mit Verwunderung gehört, worüber die Gegenseite aus ihrer Sicht und ohne triftigen Anlass Klage führe. Er wisse nämlich, so Burkhardt, dass ein Kläger stichhaltige Gründe für so seine Beschwerde vorbringen müsse. Die tägliche Erfahrung zeige schließlich, dass jemand seine Klage ausreichend begründen müsse. Da er von der vorgebrachten Beschuldigung keine Kenntnis habe, hoffe er auch nicht, dass man sie beweisen könne, zumal er sich an die angeblichen Worte nicht erinnere. Daher bitte er entweder, ihn von der Klage freizusprechen, oder aber Kümmelberg zum Beweis anzuhalten. Zudem bat er zu berücksichtigen, dass die angebliche Äußerung bereits vor drei oder vier Monaten gefallen sein soll. Kümmelberg berief sich auf Jochen Kort, denn dieser habe die betreffenden Worte gehört und sie ihm auch berichtet. Darauf entgegnete Johann Burkhardt, Kort sei sein erklärter Feind und könne deshalb kein glaubwürdiger Zeuge gegen ihn sein. Die alte Redewendung „das ist doch immer dasselbe alte Lied" führte Kort an, wogegen Burkhardt ausdrücklich Protest einlegte. Er erklärte es sei doch weitergetragen und daher verdreht wiedergegeben worden. In der Streitsache entschied der ehrwürdige Rat nach vielem Hin und Her abschließend, dass die Sache nicht ausreichend zu beweisen sei. (Quelle: Müllers Urkunden)

Kümmelberg, Zeuge des Aussterbens des Greifengeschlechtes und der Geschehnisse des Dreißigjährigen Krieges sowie dem daraus resultierenden „Schwedisch-Pommern", verstarb im Januar 1655. Sein Grabstein im Mittelgang der Kirche zeigt neben dem Namen und der Jahreszahl auch darunter ein größtenteils nicht mehr lesbares Bibelzitat aus 2. Timotheus 4,7–8: „Ich habe einen guten Kampf gekämpft […]".

Christian Schumacher
Museum Papenhof