Ende 1920er
Sektion Segeln 1974
BSV ca. 1989
Erste Optitregatta 1973
Barth – Der Barther Segler-Verein e.V. ist einer der traditionsreichsten Vereine der Stadt Barth und dürfte vielen Wassersportlern der Region und aus anderen Bundesländern ein Begriff sein. In diesem Jahr können seine Mitglieder auf eine 100-jährige Geschichte mit vielen Höhen und einigen Tiefpunkten zurückblicken.
Zum Vergnügen gesegelt wurde in Barth schon längere Zeit, bevor sich unter Anwesenheit einiger Segelsportler des Stralsunder Segler-Vereins Hansa e.V. mehrere Barther Freizeitsegler trafen, um mit der Gründung eines Vereins ihr Hobby fortan in der Gemeinschaft auszuüben.
Die Gründungsversammlung fand unter der Leitung des Stralsunder Schiffskapitäns Fritz Schulz am 10. April um 20 Uhr im Hotel „Zur Sonne" statt. Der anwesende Hotelbesitzer Joseph Milowsky erklärte spontan seinen Beitritt, womit die Mindestzahl von sieben Vereinsmitgliedern erreicht war. Zum Vorsitzenden des BSV wurde der Postinspektor Max Dinse (1888-1968) gewählt, der die Funktion aufgrund einer alten Kriegsverletzung 1931 abgab. Sein Stellvertreter wurde der Tischlermeister Heinrich Rohde, Kassenwart der Uhrmachermeister Johann Granlund, Schriftführer der Druckereileiter Otto Biener und Segelwart der Oberpostschaffner i.R. Heinrich Kraeft.
Fritz Schulz war im Bundesvorstand des Deutschen Segler-Bundes, dem zweitgrößten der drei deutschen Segelsportverbände, als Obmann für die Region Rügen zuständig. War zuerst angedacht, den Barther Verein aufgrund des geringen Interesses an der Gründungsversammlung als Zweigstelle des Segler-Vereins Hansa e.V. zu führen, blieben die Gründungsmitglieder nach intensiver Diskussion bei der Gründung eines selbstständigen Vereins.
Der Deutsche Segler-Bund betrachtete sich selbst als liberalen Interessenvertreter der segelbegeisterten Mittelschicht und sah seine Hauptaufgabe in der Weiterverbreitung des Segelns als sportliches Freizeitvergnügen. Folgerichtig stellten die Gründungsmitglieder den Antrag auf Aufnahme in die Dachorganisation, dem am 19. Mai 1926 stattgegeben wurde. Nach formalen Korrekturen in der Dokumentation wurde der neue Verein am 20. September 1926 in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Barth eingetragen.
Bis zum Jahresende wurden aus den sieben Gründungsmitgliedern mit zwei Segelyachten und einem Motorboot 30 Mitglieder mit acht Segel- und drei Motorbooten.
In den Folgejahren richteten die Barther Segler ihr Vereinsgelände her, gründeten 1928 eine Jugendabteilung mit strengen Ausbildungsregeln und nahmen an den Regatten der Nachbarvereine des DSB (Ribnitz, Stralsund, Greifswald) teil.
1931 wurde ein neuer Vorstand gewählt, nun mit Julius Hingst als Vorsitzender.
Mit der Gleichschaltung aller Sportverbände im „Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen" (RfL) 1933 wurden auch die beiden kleineren Seglerverbände dem Deutschen Segler-Verband angegliedert. In der Folge wurde statt der bisherigen Satzung die Einheitssatzung des RfL angenommen, den BSV leitete nun „Vereinsführer" Willy Klock.
Ende der 1930er Jahre lagen auch die Segeljollen des Typs „Sharpie" des Segelclubs der Luftwaffe beim BSV.
Mit Beginn und zunehmender Dauer des Zweiten Weltkrieges kam das Vereinsleben immer mehr zum Erliegen - bis der Verein nach dem Einzug der Roten Armee in Barth (2. Mai 1945) aufgelöst wurde. Die Boote wurden als Reparationsleistung eingezogen und direkt am Hafen auf Bahnwaggons verladen.
Mit Genehmigung der sowjetischen Militärkommandantur gründeten 1946 verbliebene ältere und zahlreiche junge Barther Wassersportler einen vorerst gemeinsamen Segler- und Anglerverein.
1950 wurden die Barther Wassersportler zur Keimzelle der Betriebssportgemeinschaft Motor mit dem Landmaschinenbau als Trägerbetrieb und bildeten deren erste Sektion, die spätere Sektion Segeln. Wenig später gründeten die Angler einen eigenen Verein gegenüber der Bootswerft.
Trotz der schwierigen Bedingungen im ersten Nachkriegsjahrzehnt war der Enthusiasmus unter den Wassersportlern groß, die sich neue Boote bauten oder alte restaurierten. Auch der Trägerbetrieb sorgte für Bootsmaterial. Der Weg auf die Ostsee war noch frei und so lagen die Barther Segler mit ihren Booten oft an den Stränden von Hiddensee oder der Sundischen Wiese.
Die Meiningenbrücke öffnete viel häufiger als heute und so konnten die Barther regelmäßig die Regatten der Ribnitzer Segler besuchen und umgekehrt. Größte Herausforderung für die Barther Segler in den 1950er Jahren war die Ausrichtung einer großen überregionalen Regatta anlässlich der Festwoche zum 700. Stadtjubiläum.
Die 1950er und 1960er Jahre wurden genutzt, um die materielle Basis auf dem Vereinsgelände zu verbessern.
Das aus der Vorkriegszeit stammende hölzerne Vereinshaus, ursprünglich ein Anfang der 1930er Jahre errichteter Bootsschuppen, beherbergte einen Clubraum und ein Materiallager. 1984/85 wurde es massiv ausgebaut und erst 1989 mit Toiletten ausgestattet. Die in den 1950er Jahren errichtete Schienenslip am Nordufer endete unter einem großen Schleppdach, wo die Boote seitwärts vom Slipwagen abgesetzt und verschoben wurden. Das Schleppdach, zwei im Bau befindliche Boote sowie ein angrenzender Fischerschuppen fielen 1982 einer Brandstiftung zum Opfer.
1972 war ein markantes Jahr in der Vereinsgeschichte: Nach der Anschaffung von acht gebrauchten Holz-Optis aus Wismar nahm eine Kinder- und Jugendgruppe den regulären Trainingsbetrieb auf. Im selben Jahr richtete die Sektion Segeln erstmalig das Zentrale Fahrtenseglertreffen Küste der DDR mit 364 teilnehmenden Booten aus. Weitere Treffen folgten 1976, 1980, 1985 und 1988. Der Rekord waren 412 Teilnehmerboote im Jahr 1985. Diese Treffen erfuhren so viel Zuspruch, weil der Weg auf die Ostsee seit 1961 für die meisten Segler versperrt war und der lange Törn nach Barth über Binnenwasserstraßen und innere Küstengewässer eine Art Ersatz für die große Freiheit der See bildete.
Das Jugendsegeln erlebte seinen Aufschwung ab Januar 1975, als unter der Leitung von Manfred Jürgens sowie mit Unterstützung des Schiffsanlagenbaus und der Stadt einige Übungsleiter mit den Kindern und Jugendlichen begannen, das Jugendsegelzentrum am Borgwall sprichwörtlich „aus dem Boden zu stampfen". Schon im Mai 1975 konnte dort eine erste Bezirksmeisterschaft mit 200 Teilnehmern ausgerichtet werden.
Einstige Angehörige der Jugendgruppe erinnern sich heute noch sehr gern an die Trainingslager auf der Sundischen Wiese, die unter spartanischen feldmäßigen Bedingungen stattfanden.
Den neuen rechtlichen Voraussetzungen geschuldet musste die Segler am 4. Juli 1990 eine erneute Vereinsgründung mit bundesdeutscher Satzung vollziehen. Im Gegensatz zu anderen Sektionen der BSG (später SV) Motor zogen sie die Selbstständigkeit vor und kehrten zur ursprünglichen Bezeichnung von 1926 zurück. Für fast zehn Jahre blieb Dieter Schäwel Vereinsvorsitzender.
Das Jugendzentrum am Borgwall wurde aufgegeben und privatisiert. Die Jugendgruppe kehrte mit einem Teil des Bootsbestandes an den Westhafen zurück, ebenso schloss sich die Seesportgruppe der früheren GST mit ihren Booten dem BSV an.
In der ersten Hälfte der 1990er Jahre erlebte der Segler-Verein einen Ansturm von Gastliegern aus den alten Bundesländern, die neugierig auf das neue Revier im Osten waren. Gleichzeitig gab es eine Welle von Neueintritten.
Versuche zur Neubelebung der Fahrtenseglertreffen 1992 und 1999 scheiterten am geringen auswärtigen Interesse, denn den Seglern standen nun viele andere Reviere offen.
Dafür schaffte der BSV im Zuge der ab 1994 beginnenden Segel- und Hafentage die materiellen und personellen Voraussetzungen zur Ausrichtung hochrangiger Deutscher Meisterschaften mit internationaler Beteiligung, die im Jahresabstand ausgerichtet wurden und 2005 in der ISAF-Weltmeisterschaft der Zoom8-Klasse ihren Höhepunkt fanden. Legendär bleiben die jährlichen Trainingslager mit dem tschechischen Partnerclub Avia Prag, denen sich im Laufe der Jahre auch eine Rostocker Jugendgruppe anschloss.
1995 hatte sich auf dem Gelände des nun privatisierten Wassersportzentrums die Seglervereinigung Barth-Borgwall e.V. gegründet, die sich vorrangig dem Kinder- und Jugendsegeln widmete und mit dem BSV eine Regattagemeinschaft bildete. Nachdem Anfang der 2000er Jahre die Eigentumsansprüche am Wassersportzentrum in Turbulenzen geraten waren, trat die SVBB Ende des ersten Jahrzehnts dem BSV bei.
Dort hatte sich zwischenzeitlich viel getan. Nach dem Komplettumbau der Clubgaststätte, die seit 1991 an den Gastwirt Dirk „Moppi" Schottenhammel verpachtet ist, konnte 2007 das lang ersehnte und mit einer Million Euro geförderte Jugend- und Freizeitzentrum (JFZ) eingeweiht werden. Leider ruht sein Betrieb gegenwärtig aufgrund vor drei Jahren entdeckter baulicher Mängel.
Nach einer Renovierung des alten Schipperschuppens im Jahr 1997 konnte dieser 2017 durch einen geförderten, größeren Neubau ersetzt werden. Neben dem modernisierten Hauptsteg wurden weitere Liegeplätze an einem Schwimmsteg sowie am Nordufer des Vereinsgeländes geschaffen.
Seit 2019 nimmt der BSV mit Partnervereinen aus Polen und Litauen am South-Baltic-Projekt „Sailing for all" teil, dessen Schwerpunkt das Inklusionsegeln ist. Speziell zu diesem Zweck wurden kentersichere Kieljollen angeschafft, die von Menschen mit körperlichen Einschränkungen gesegelt werden können.
Die Mitglieder des BSV begehen ihr Jubiläum am 10. April mit der einer Feierstunde nach der Jahreshauptversammlung und wollen am 13. Juni eine Festveranstaltung im größeren Rahmen ausrichten, über den die Mitgliederversammlung noch zu beschließen hat.