Die eigentliche Geschichte der Kriegsnagelungen beginnt am 6. März 1915 mit der feierlichen Einweihung des „Wehrmanns in Eisen“ in Wien.
Im Gegensatz zu den Nagelungen in der Antike und im Mittelalter verfolgte man im Ersten Weltkrieg vorrangig keine magischen Ziele, z. B. im Sinne des heidnischen „Schad- und Bannzaubers“ oder des „Opfers und der Weihe“, sondern man verstand das Kriegsnageln vor allem als Symbol einer gegenseitigen Verpflichtung, bei der „die Gemeinschaft der Nagelnden sich die gemeinsame Unterstützung der Kriegshinterbliebenen zum Ziel setzte und zugleich ihre symbolische Einheit mit der kämpfenden Truppe zum Ausdruck“ brachte. Die Nagelungen waren also nicht nur eine spektakuläre neue Form der Beschaffung von Geldmitteln, sondern hatten weitere Funktionen, z. B. die der „patriotischen Gesinnungsbildung“, „der Kraftübertragung“, „als Gelübde“, „als gemeinschaftsstiftende Aktion“ und „als Kriegerdenkmal“. Die erste offizielle Nagelung im Deutschen Reich begann am 23. April 1915 mit der feierlichen Einweihung des Eisernen Kreuzes in Darmstadt und lief bis Ende November des Jahres.
So wurde zum 1. Jahrestag des Kriegsausbruchs die Aktion „Nationalgabe Nagelung von Kriegswahrzeichen in allen Gauen Deutschlands zugunsten der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Krieg Gefallenen“ ins Leben gerufen. Den Ehrenvorsitz übernahm Generalfeldmarschall von Hindenburg, um durch sein hohes Ansehen die Akzeptanz für die Aktion zu erhöhen. Ihr Ziel war es, „eherne Wahrzeichen in allen Gauen Deutschlands zu errichten“, um für die Nationalstiftung neue Geldquellen zu erschließen. Mit dem Nachlassen der anfänglichen Siegeseuphorie und der schwindenden Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende verringerte sich die Nagelungsbereitschaft der Bevölkerung trotz des großen propagandistischen Aufwands deutlich, sodass in einigen Orten die Nagelungen sogar ganz eingestellt wurden.
Auch in Barth wurde eine solche Kriegsnagelung vorgenommen. Im Jahre 1915 wurde auf dem Barther Marktplatz dafür die große südliche Portaltür aus der St. Marienkirche auf einen Podest gehoben. Hier hatten Spender die Möglichkeit, ihre gespendeten Nägel in die vorgezeichnete Form des Eisernen Kreuzes zu Schlagen. Die Nägel sind verschwunden, die Eisernen Kreuze lassen sich jedoch noch heute nach 110 Jahren an der südlichen Portaltür der St. Marienkirche erahnen. Durch einen Erlass das preußische Innenministeriums im Dezember 1916 beendete die Nagelungen für das Königreich Preußen formal. Die Nationalsozialisten setzten die erfolgreichen Spendennagelungen des Ersten Weltkriegs von Anfang an fort und knüpften damit - auch propagandistisch - an die Tradition des Kaiserreiches an.