Barth - Mit einem Festempfang im Saal des Vineta Bürgerhauses hat die Stadt Barth am 17. April ihren 771. Stadtgeburtstag begangen. Rund 100 geladene Gäste aus Politik, Kultur und Ehrenamt nahmen an der Veranstaltung teil, die um 17 Uhr begann. Im Mittelpunkt stand die postume Ernennung der niederdeutschen Heimatdichterin Martha Müller-Grählert zur Ehrenbürgerin.
Die 1876 in Barth geborene Autorin, die in Zingst aufwuchs, gilt als eine der bedeutendsten niederdeutschen Dichterinnen Mecklenburg-Vorpommerns. Ihr Gedicht „Mine Heimat“ wurde später als Lied „Wo die Ostseewellen trekken an den Strand“ weithin bekannt. Trotz wachsender Anerkennung blieb ihr zu Lebzeiten der große Erfolg weitgehend verwehrt. Stadtpräsident Andi Wallis betonte in seiner Ansprache, es sei heute Aufgabe der Stadt, das Andenken an Müller-Grählert sichtbar zu bewahren und ihr Wirken angemessen zu würdigen.
Die Verbundenheit der Dichterin mit ihrer Geburtsstadt ist in Barth bis heute präsent. In der Altstadt erinnert unter anderem eine Bronzetafel am Spaldingsrauh nahe ihres Geburtshauses an sie, zudem trägt eine Straße ihren Namen. Mit der Ehrenbürgerwürde erfährt ihr Lebenswerk nun eine weitere offizielle Würdigung. Die Ernennung erfolgte durch Bürgermeister Friedrich-Carl Hellwig und Stadtpräsident Wallis auf Grundlage eines Beschlusses der Stadtvertretung.
Ebenfalls ausgezeichnet wurden Sigrid und Hans Arlt, die sich seit Jahrzehnten um die Pflege und öffentliche Aufarbeitung des literarischen Nachlasses von Müller-Grählert verdient machen. Sie tragen sich in das Ehrenbuch der Stadt ein. In der „Alten Druckerei“ machen sie ihre Sammlung in einer Dauerausstellung zugänglich. In der Laudatio von Mario Galepp wurde ihr Engagement als beispielhaft für den Erhalt des kulturellen Erbes hervorgehoben.
Neben den Ehrungen prägten Grußworte aus Politik und Region den Empfang. Neben Wallis und Hellwig sprachen unter anderem der Parlamentarische Staatssekretär Heiko Miraß sowie Landtagsabgeordnete und kommunale Vertreter. In den Redebeiträgen wurde die Bedeutung Barths als traditionsreiche Stadt ebenso hervorgehoben wie aktuelle Herausforderungen. Globale Krisen und deren Auswirkungen auf kommunaler Ebene wurden dabei am Rande thematisiert.
Ein künstlerischer Akzent setzte ein rund zehnminütiger Ausschnitt aus dem neuen Stück „Die TikTok Challenge“ der Barther Boddenbühne. Die Szene griff gesellschaftskritisch die Risiken sozialer Netzwerke und deren Einfluss auf junge Menschen auf. Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Shantychor „De Breitlings“ aus Rostock.
Für einen verbindenden Moment sorgte Andreas Kuhn, der die enge Beziehung zwischen Barth und Zingst hervorhob und für Zusammenhalt in der Region warb. Auch der neu gewählte Bürgermeister der Stadt Anklam zählte zu den Gästen.
Stadtpräsident Wallis nutzte seine Rede zudem, um auf die bevorstehende Bürgermeisterwahl hinzuweisen und appellierte an einen fairen Wahlkampf, bei dem die Interessen der Stadt und ihrer Bürger im Mittelpunkt stehen sollten.
Im Rahmen des Empfangs fand auch die Ehrenamtsaktion „Alltagshelden“ ihren Jahresabschluss. Als „Ehrenamtler des Jahres“ wurde der Spielmannszug des SV Motor Barth ausgezeichnet. Auf die ausführliche Berichterstattung dazu wird in einem gesonderten Artikel verwiesen.
Eine besondere historische Note erhielt der Abend durch die Schenkung eines Zeitungsartikels aus den 1920er-Jahren an Mario Galepp und den Barther Heimatverein: Daraus geht hervor, dass Martha Müller-Grählert bereits zu Lebzeiten Ehrenmitglied im Heimatverein Barth war - eine Verbindung, die nun mit der Ehrenbürgerwürde eine späte, offizielle Fortsetzung findet.