Dieser alte Holzmodel mit beidseitig eingeschnittenen Motiven stammt aus einer Franzburger Bäckerei. Auf der einen Seite sieht man einen vornehm gekleideten Herrn, mit beiden Händen einen Korb haltend, in dem eine kleine, zierliche Frau steckt. Möglicherweise eine ikonografische Umsetzung der bekannten Redewendung, „Jemanden einen Korb geben“. Die Rose, die zu den Füßen des Herrn aus dem Boden wächst untermauert die Thematik der Liebe. Auf der anderen Seite der Form ist ein Fisch mit dem Franzburger Stadtwappen zu sehen. Der Model zeugt davon, wie der Pfeffer-, Honig- oder Lebkuchen im 17. und 18. Jahrhundert aussah und abhängig vom Anlass verschiedene überlieferte und traditionelle Bildmotive hatte. Zu den häufigsten Motiven gehörten Herzen, Soldaten regionaler Regimenter, Fische, Kavaliere, Märchenfiguren, bunt glasierte Marktfrauen, Blumen sowie auch eine ganze Reihe von figuralen und ornamentalen Motiven mit religiöser Ikonografie. Der erfreulichste Anlass war Weihnachten, der unerfreulichste waren Kriege, in denen die Bäcker die Pfefferkuchen an die Soldaten oder die Mütter an ihre Söhne schickten. Bei einem königlichen Besuch backte man einst einen „kolossalen, kunstreich gebackenen und geschmackvoll verzierten Pfefferkuchen, der über zwei Centner schwer war und auf einer vergoldeteten Unterlage hereingetragen wurde“.
Die Holzmodel wurden hauptsächlich aus Hartholz, bspw. etwa Birnenbaumholz, geschnitzt. Bei der Nutzung hat man die Form im ersten Schritt mit Erbsenmehl ausgestreut, wodurch das Ankleben verhindert wurde, und danach den Teig aus Honig, Roggenmehl und Gewürzen hineingepresst. Die Herstellung der Model erfolgte zum Teil von Kunsthandwerkern, doch auch von den Bäckern selbst, daher zählen diese zur Gattung der Volkskunst. Eine Signatur, ein „JP“ als Ligatur, verweist auf den damaligen Hersteller und das Stadtwappen von Franzburg grenzt die Region ein. Es handelt sich um ein Stück aus der „Schmiterlöw´schen Sammlung“, die „wegen ihres Umfangs, ihrer Zusammensetzung und vor allem ihrer Entstehungs- und Überlebensgeschichte ihresgleichen“ sucht. (Stefan Fassbinder, 2008)
Der Bäcker, welcher Pfeffer- und Honigkuchen backte, hatte auch eine eigene Bezeichnung: der Pfefferküchler, später umbenannt zum Konditor. Im alten Pommern entschieden die Zünfte nicht nur über Preise und Handel, sondern auch darüber, wer überhaupt als Meister arbeiten durfte. Wer um 1700 Mitglied eines „Becker- und Pfefferküchler-Amts“ werden wollte, musste zunächst eine mehrjährige Lehre nachweisen. Bereits die Aufnahme als Lehrling war mit Gebühren verbunden und in den späteren Zunftordnungen wurde sogar verlangt, dass Bewerber aus „ehrlichen und christlichen“ Familien stammen sollten. Nach der Lehrzeit folgten wie üblich die Wanderjahre als Geselle. Erst danach durfte man sich um die Aufnahme als Meister bewerben. Dazu gehörte eine praktische Prüfung: Der Bewerber musste „Wecken, Semmeln, Schönrocken (Weissbrot) und ander gewöhnlich Brodt“ backen und diese den Zunftmeistern vorlegen. Wurde das Gebäck als mangelhaft beurteilt, musste weiter gelernt werden.
Der Weg zum Meister war kostspielig. Neben Aufnahmegebühren mussten die Bewerber die Zunft bewirten und Bier spendieren, doch immer wieder kam es dabei zu Streitigkeiten und Schikanen. So wurde das sogenannte „Meisterbrot-Backen“ teils absichtlich verzögert, wodurch den Bewerbern hohe Kosten entstanden. Erst die städtische Obrigkeit griff gelegentlich ein und setzte feste Termine durch. Hatte der Geselle bestanden und die Bäckerei übernommen, konnten die Kunden sein erstes, sogenanntes „Meisterbrod“ kosten, um sich von dem neuen Bäcker zu überzeugen. Zusätzlich waren Geburts- und Eheurkunden vorzulegen, um das Bürgerrecht der Stadt zu erhalten. Besondere Vorteile hatten die Söhne von Zunftmitgliedern oder Gesellen, die die Witwe oder Tochter eines Meisters heirateten. Dies erinnert an die sogenannte „Konservierung der Witwen und Töchter“, die auch bei der Vergabe von Pfarramtsstellen häufig angewendet wurde. Später unterteilten sich die Meister in „Fest, Loos- und Feinbecker“, je nachdem, welche Art von Backwaren sie herstellten. Mit der Zeit verlor die Zunft jedoch an Einfluss. Städte und Staat übernahmen zunehmend die Kontrolle über das Handwerk.