Weihnachten 1943 wandte sich Heimleiter Meinhardt an die Eltern der Lehrlinge, hier wiedergegeben in gekürzter Form. "Die Elternwohnungen unserer Jungen befinden sich meistens in der weiteren Umgebung von unserem Heim. Leider macht diese Tatsache eine persönliche Fühlungnahme sehr schwierig. Ich sage leider, wissen wir doch zu gut, wie wertvoll für die Arbeit, wie förderns in allen Erziehungsfragen die gegenseitige Unterstützung von Elternhaus und Heimführung sein könnte.
Dennoch werde ich mich stets bemühen, Ihre Jungen so zu erziehen, dass aus ihnen anständige und tüchtige Kerle werden."
Im Weiteren legt Meinhardt dar, wie er sich das Leben der Lehrlinge im Heim vorstellt. Ach Strafen als pädagogisches Mittel gehörten dazu.
"Erziehung zu ordentlicher Haltung, sauberer Kleidung und reinem Körper. Eingewöhnen in das Heimleben, Erziehung zur Sauberhaltung des Heimes, Ordnung im Spind und Bettenbau. Weltanschauliche und politische Schulung an Heimabenden durch die HJ. Außerdem wird an diesen Abenden Gesang und Musik gepflegt. Körperliche Ertüchtigung in dem größten Teil der Freizeit, mit Ausmärschen und Sport.
Von ihrem Lehrherrn wurde den Jungens alle möglichen Turn- und Sportgeräte beschafft und so die Voraussetzung zum Abhalten von Turn- und Sportstunden geschaffen. Für abwechslungsreiche anregende Freizeitgestaltung [...] finden jede Woche Veranstaltungen im Gemeinschaftsraum der Siedlung Barth-Stein statt. Kino, Variete, Konzert und Vorträge wechseln sich hierbei ab.
Für das leibliche Wohl der Jungen sorgen wir, so gut das in Kriegszeiten möglich ist, vor allem auch durch Beschaffung vitaminreicher feinster Gemüse.
Bei der großen Zahl von Jungen ist es natürlich unausbleiblich, dass es hin und wieder Strafen, wie Urlaubssperre, Sonderdienste, Verwarnungen und Verweise gibt. In fast allen Fällen hat solche Zurechtweisung Erfolg gehabt."