L. Douzette / W. Hagelberg: Kapitänshaus Scharmberg in Prerow
oben: Aquarell von Douzette, unten: Lithographie/Entwurf W. Hagelberg
oben: Aquarell von Douzette, unten: Lithographie/Entwurf W. Hagelberg
Ein Postkarten-Album von Louis Douzette und Wolf Hagelberg
Als 1870 die sogenannte Correspondenzkarte postamtlich eingeführt wurde und sich spätestens ab den 1890er Jahren der Druck von mehrfarbigen, chromolithographisch hergestellten Postkartenmotiven allgemein durchgesetzt hat, eröffnete sich auch für Künstler eine neue Möglichkeit um ihre Werke zu verbreiten. Dabei arbeiteten u.a. die Künstler und die lithographischen Anstalten eng miteinander zusammen wie speziell im Fall von Louis Douzette und Wolf Hagelberg in Berlin. Im sehr umfangreichen Nachlass des Künstlers, den unser Museum vom Urenkel 2021 geschenkt bekommen hat, befand sich ein Album mit über 150 Postkarten-Muster und Entwürfen.
Diese wurden von der chromolithographischen Anstalt von Wolf Hagelberg hergestellt, wofür Douzette dem Unternehmen im Vorfeld etliche Motive, vor allem in Form von Aquarellen (Abb. 02 und 03), zur Verfügung gestellt hat. Für Douzette war die grafische Vervielfältigung seiner Werke kein Neuland mehr, denn schon in den 1870er Jahren hatte er Bildrechte für Chromolithographien und Öldrucke veräußert, wodurch seine Werke auch bis New York populär gemacht wurden.
Im Album finden sich zahlreiche Karten-Entwürfe für die verschiedensten Anlässe und ein Großteil in englischer Sprache, was darauf schließen lässt, dass der Verkauf der Postkarten für die Filialen in London und New York geplant waren. Auch finden sich im Album Entwürfe für sogenannte Halt-gegen-das-Licht-Karten bzw. Mondscheinbilder, welche aus mehreren Schichten Papier bestanden, wobei Flächen auf der Karte ausgestanzt wurden um das darunterliegende, meist hellgelbe Papier sichtbar zu machen. Der Leucht-Effekt kam dann zustande, indem man die Karte gegen das Licht hielt, was für Motive von Douzette geradezu prädestiniert gewesen wäre.
Obwohl mit den Entwürfen im vorliegenden Album das Vorhaben zur Vervielfältigung schon weit fortgeschritten war, kam es letzten Endes nicht zur Realisierung der Hagelberg´schen Postkarten. Die Gründe dafür sind unbekannt.
Mit Hagelberg hätte Douzette sicher eine gute Wahl getroffen, galt sein Unternehmen doch als die weltweit bedeutendste Luxuspapierfabrik im Berliner Raum. Der ursprünglich aus Hoym stammende Lithograph war schon ab 1843 in Berlin tätig, als er dort im Alter von 24 Jahren seine erste Steindruckerei eröffnete.
Nach neun Jahren kaufte er die Lithographische Anstalt von Heinrich Delius und gründete sein eigenes Unternehmen unter dem Namen „W. Hagelberg“ 1858. Ab 1863 hatte die Luxus-Papier-Fabrik, spezialisiert auf Ansichten und kartographische Erzeugnisse, ihren Sitz in der Marienstraße und eröffnete weitere Filialen 1885 in London, Bunhill Row und 1889 in New York, Broadway. Hagelberg war Mitglied der polytechnischen Gesellschaft, jedoch sind seine Ausbildung und lithographischen Anfänge nicht bekannt.
Der Begriff „Luxuspapier“ stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde vor allem durch Berlin, als Zentrum dieser Industrie, und namentlich durch Hagelberg geprägt. Im Allgemeinen war Deutschland in der Sparte Luxuspapier weltweit führend. Auch außerhalb von Berlin und Deutschland machte sich Wolf Hagelberg einen Namen. 1854 nahm er in München an der „Allgemeinen deutschen Industrie Ausstellung“ im Bereich für Betriebe des Luxus- und Phantasiepapiers oder des graphischen Gewerbes teil. Siegmund Hildesheimer, ein britischer Verleger in London und Manchester, lud Hagelberg 1881 für eine Jury ihres Preiswettbewerbs für Weihnachtskarten-Designs ein und überhäufte ihn mit Lob:
"Wir hatten das Glück, die wertvollen Dienste von W. Hagelberg aus Berlin zu erhalten, einem Herrn von großer Erfahrung und einer hervorragenden Stellung unter den Kunstdruckern, um bei der Auswahl der Entwürfe behilflich zu sein, wofür nicht nur die höchste künstlerische sondern auch die beste praktische Beurteilung sichergestellt wurde".
Neben den Spezialitäten wie „Die-Cut-Postkarten“ oder die bereits erwähnten „Hold-To-Lights“-Karten wurden auch hergestellt: Gratulationskarten, Heiligenbilder, Bilderbogen, Öldruckbilder, Reliefs, Märchenbilder, Papeterien mit Bildern und Prägung geziert, Packungen für Bonbons, Schokoladen und Parfümerien in reichem Gold- und Farbendruck, Menüs, Wandsprüche, Bunt- und Vorsatzpapiere, Kotillonartikel und Patenbriefe, Blumentopfhüllen, Plakate, Lampenschirme, Wunschkarten u.v.m. Um 1866 entstand in diesem Betrieb auch die erste Papierkragen/(-wäsche)-Fabrik Deutschlands. Auch eine Buchreihe zoologischer Atlanten mit naturgetreuen Darstellungen aus dem Tierreich, die unzählige farbige, lithographische Abbildungen enthielten, wurden von Hagelberg im Selbstverlag veröffentlicht.
1877 hatte die Firma eine Belegschaft von 600 Arbeitskräften und bis 1882 waren es 700. 1885 wurde Hagelberg der erste Vorsitzende der Papierverarbeiter-Berufsgenossenschaft. Denn nach der Bismarck´schen Sozialgesetzgebung von 1881, mit den drei Säulen Krankenversicherung-Unfallversicherung sowie Invaliditäts- und Altersversicherung, ergab sich für die einzelnen Industrie- und Gewerbezweige die Notwendigkeit einer Berufsgenossenschaft, also auch für die Papierverarbeitung und den Buchdruck. Bis 1892 stieg die Zahl der Beschäftigten nochmals auf 1250. 1896 verstarb Hagelberg und nachdem sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, existierte diese noch bis 1933.
Obwohl der Plan für Douzettes und Hagelbergs Postkarten für dieses Album nicht mehr durchgeführt wurde, entstanden seiner Zeit noch eine Menge grafischer Erzeugnisse: Ansichtskarten bei Anthonys Erben in Barth oder Meissner & Buch in Leipzig sowie Öldrucke bei R. Steinbock in Berlin oder auch Chromolithographien bei Louis Prang & Co, USA.