Der Papenhof nach Pucherts Umbau, Zeichnung Karl-Heinz Wegener
In der Zeit des Großen Nordischen Krieges (1700 -1721) war Rittmeister und Amtshauptmann Balduin Puchert der Besitzer des Papenhofes, der damals immer noch als Papen-Kollatie bezeichnet wurde. Er ließ eine der letzten, grundlegenden Umbauten des Gebäudes vornehmen: den Umbau des Satteldaches zu einem Walmdach. Diese Maßnahme stellt eine Konservation dar, die vor allem bei freistehenden Häusern für besseren Schutz vor Wettereinflüssen durchgenommen wurde. Puchert verpasste dem über 200 Jahre alten Gebäude noch weitere kleine „Anti-Aging-Maßnahmen“, die den Rittmeister zu einem frühen Bewahrer des geschichtsträchtigen Hauses machten. Vorteilhaft war auch der Status des Papenhofes. Als „freies Haus“ nicht unter die städtische Jurisdiktion fallend, blieb es in Kriegszeiten stets verschont vor Einquartierungen durch Soldaten, die viele andere Barther Häuser ruiniert und zum Niederfall gebracht haben.
Vor seiner Zeit in Barth, um 1679 diente Puchert unter der Königlichen Majestät zu Schweden beim „Graf Königsmarcks Regiment“, benannt nach einem schwedischen Feldmarschall. Er heiratete eine Barbara Maria von Pfuel, Tochter von Obrist Jacob von Pfuel und Elisabeth von Schlegel. Als schwedischer Beamter kam er nach Barth und war u.a. Bevollmächtigter der Regierung in Stettin. In dieser Position wurde er oft von den Gerichten in eine Kommission berufen, um Streitigkeiten außergerichtlich zu schlichten oder zu vermitteln. Dies konnten kleine Fälle zwischen Bürgern, aber auch große Uneinigkeiten zwischen Bürger und Stadt oder sogar Stadt und Regierung sein. Im Jahr 1706 erstellten Kommissar Puchert und Fiskaladjunkt Engelbrecht ein Steuerverzeichnis, in dem 232 steuerpflichtige Bürger der Stadt Barth erfasst wurden. Dieses Register diente als Grundlage für den sogenannten Stadtrezess, der noch im selben Jahr verabschiedet wurde und fortan als eine Art Grundgesetz für die Stadt galt. 1712 schlichtete Puchert in seiner unmittelbaren Nachbarschaft einen kleinen Disput zwischen Louisa von Kahlden; die das Adels-Palais bewohnte, später bekannt als das Borries´sche Haus; und dem Konrektor. Es ging um den Einbau eines Luchtfensters und zweier Küchenfenster, wo vorher keine gewesen waren, was natürlich die Intervention eines Wohlgeborenen Rittmeisters erforderlich machte. Eine Einigung verhinderte unnötige Gerichtskosten.
Puchert hatte nicht das obligatorische „von“ vor seinem Nachnamen, war aber dennoch Nachkomme eines schwedischen Adels. Die Pucherts werden sowohl in Albert Elzows Adelsspiegel (Stadtarchiv Stralsund) als auch im „Svenska Adelns Ättar-Taflor“, einem Buch über den schwedischen Adel, beschrieben. Vor allem aber der Vater, ebenfalls namens Balduin Puchert (1611-1656), der im Dreißigjährigen Krieg gedient hatte, wird hier hervorgehoben. Ihren Ursprung hatten die Pucherts in Böhmen, Balduin Senior ist in Wolfenbüttel geboren, wo wiederum sein Vater bei der Fürstlichen Leibgarde im Dienst stand. In Niedersachsen gab es weitere Adelsfamilien, die ganz gegensätzlich zu anderen Ländern kein „Von“ im Namen trugen; wie etwa die Familien Grote, Knigge oder Vincke. Das Puchert´sche Wappen war unten ein geflammtes Herz im blauen Feld und oben zwei Sterne auf rotem Feld. Darüber zwischen zwei Büffelshörnern ein weiterer Stern. Für Balduin Senior standen neben einer gottesfürchtigen Erziehung auch die Künste und Sprachen auf dem Lehrplan. Nachdem seine beiden Eltern in kurzen Abstand verstarben, entschloss er sich dazu sich in den Dienst für die schwedische Krone zu stellen. Dort war er dem Geheimen Kriegsrat Philipp Sattler zugeteilt, dem er nach Frankreich, Holland und Deutschland folgte. So gelangte Puchert erstmals nach Pommern. Den Posten eines Kriegskommissars in Vorpommern und Mecklenburg verdankte Puchert der Königin Christina und ihrem Kriegssrat. Nach vier Jahren im pommerschen Land, entschloss sich Puchert Senior sesshaft zu werden und heiratete Anna Dorothea Edling. Dadurch kam er 1643 in den Besitz des Guts Hövet. Aufgrund seiner Verdienste wurde Puchert Senior 1648 zum Ritter geschlagen und 1654 zum Ober-Kriegskommissar befördert. Dies führte ihn auf wichtige Expeditionen ins Königreich Polen und Fürstentum Preussen. Als er nach zwei Jahren in seine neue pommersche Heimat und zu seiner Familie zurückkehren wollte, erkrankte er unterwegs und war in wenigen Tagen im Alter von 45 Jahren ruhig entschlafen.
Danach erlangte Sohn Balduin die Güter Hövet und Weitenhagen, letzteres hatte sein Vater als Pfand erhalten. Er besaß und bewohnte zu dieser Zeit das Gutshaus in Starkow, das früher ein Krakevitzsches Lehn gewesen war. Ein großer Teil vom Gutshaus ist während des Dreißigjährigen Krieges abgebrannt, wurde aber durch Puchert wieder aufgebaut, wie auch später der Papenhof. Hövet hat Puchert ab 1696 verpachtet und Weitenhagen den Erben des Stralsunder Diakons Rottmann vermacht. Puchert hatte keine Nachkommen und auch seine Ehefrau Barbara Maria scheint früh verstorben zu sein, was sich durch eine Beschreibung Bülows erschließen lässt. Er zählt für die Feier des zweiten Reformationsjubiläums 1717 in Barth sämtliche Gäste auf: Obrist von Prehn nebst dessen Gemahlin, Obristleutnant Borstenbessel nebst dessen Frau – nur Rittmeister Puchert war anscheinend ohne Begleitung.
Er war also Witwer und kinderlos. Vielleicht hatte er einen gewissen Grad an Freude verspürt als im August 1710 sein einsamer Papenhof ganz plötzlich und unverhofft durch königliche Gäste belebt wurde. In diesem Jahr war nämlich der Polenkönig Stanislaus I. Leszczyński auf seiner Flucht in Barth angelangt und zog Quartier im Barther Schloss, der ehemaligen Residenz der mittlerweile ausgestorbenen Pommern-Herzöge. Seine beiden Töchter, Anna und Maria, wurden zusammen mit 13 Bediensteten im Papenhof untergebracht. Während der König und seine Gattin, die Gräfin Katharina Opalińska, die Gastfreundschaft im Schloss ausreizten, waren die elfjährige Anna und ihre kleine Schwester Maria, erst 7 Jahre alt, „outgesourced“ von ihren Eltern. Also blieb das „freie Haus“ Papenhof doch nicht vor Einquartierungen verschont? In diesem Fall nicht, da der Polenkönig ein Günstling des Schwedenkönigs Karl XII. war und dessen Befehlen musste ein schwedischer Beamter wie Puchert natürlich Folge leisten.
Der Greifswalder Professor Schwartz schrieb 1740 in seiner „Pommersch- und Rügianischen Lehn-Historie“, dass das Geschlecht der Pucherts in Pommern schon erloschen sei. Direkte Nachkommen waren tatsächlich nicht zu ermitteln und der Papenhof harrte geduldig auf seinen nächsten Eigentümer.