Titel Logo
Stargarder Zeitung
Ausgabe 1/2026
Kultur und Veranstaltungen im Stargarder Land
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Die Post in Stargard im Zeitalter der Boten und Postkutschen von 1800 bis 1860

Das alte Postgebäude am Markt ist das Haus von „Mein Markt“.

Am Ende des 18. Jh. begannen die Staatsverwaltungen auch in Mecklenburg-Strelitz das Postwesen nach einheitlichen Grundsätzen zu regeln und es einer einzigen Behörde zu unterstellen. Im Jahr 1800 lief am Montag und Donnerstag morgens ein Postbote zu Fuß von Stargard aus nach Neubrandenburg zur Post am Treptower Tor. Für die Strecke benötigte er gut zwei Stunden und traf wenige Stunden später wieder in Stargard ein. Seit 1801 gab es das herzogliche Post-Regal. Das heißt, der Landesherr hatte das alleinige Recht, die Postbeförderung zu regeln und war befugt Poststellen einzurichten und Postmeister zu bestellen. Der erste Amtspostbote in Stargard war ab 1810 Andreas Christoph Drewes. Fahrende Posten waren schon seit 1817 bekannt, diese fuhren zum Beispiel von Berlin nach Stralsund und von Stettin nach Hamburg. Bis zum 1. April 1821 ging auch noch eine Fußpost von Woldegk über Stargard nach Neubrandenburg. Der Brief war das einzige Mittel der Kommunikation für offiziellen und privaten Schriftverkehr. Das ist in der heutigen Medienwelt kaum mehr vorstellbar.

Um 1820 verkehrte im Sommerhalbjahr eine zweispännig fahrende Postkutsche bis Ende September morgens um 5.00 Uhr aus Woldegk über Stargard nach Neubrandenburg und ab Neubrandenburg nachmittags 15.00.-16.00 Uhr kam diese zurück. So mancher Einwohner musste rechtzeitig seine Briefe abliefern bevor „die Post abging“. Im Winterhalbjahr fuhr sie ab Woldegk um 8.00 Uhr und am nächsten Tag erst wieder zurück. Die Fernpost verkehrte am Mittwoch und Sonntag von Stralsund über Neubrandenburg nach Woldegk. Der Postbetrieb in Stargard erfolgte zu Fuß, zu Pferd oder per Postkutsche. Gegen 10.00 Uhr kam der Postwagen in Stargard an und gegen 14.00 Uhr blies der Postillion sein Abschiedssignal mit seinem Posthorn. Wer von Stargard einen Brief nach Hamburg oder Berlin zu befördern hatte, musste diesen nach Neustrelitz bringen lassen. Von dort ging eine Reitpost von Waren nach Hamburg und über Fürstenberg nach Berlin.

Seit 1823 gab es ein neues Postgebäude in Stargard auf dem Markt. Hier hat die Großherzogliche Kammer ihre „Postexpedition“ eingerichtet. Eine Postexpedition konnte man noch nicht als Postamt bezeichnen. Die fahrende Post ging ab 1824 von Stargard über Neubrandenburg, nach Schwerin, nach Pommern und Preußen, ferner nach Neustrelitz von dort weiter nach Berlin. Sie fuhr am Sonntag und Mittwoch vormittags eine halbe Stunde nach Ankunft der Post von Woldegk und an den selben Tagen nachmittags 16.00 Uhr wieder zurück. Eine andere fahrende Post ging über Neubrandenburg nach Neustrelitz, Altstrelitz und über Fürstenberg in die Prignitz. Von dort weiter über die Altmark ins Hannoversche und nach Hamburg, gleichfalls von Alt-Strelitz über Lychen nach Templin, Prenzlau und weitere Orte der Uckermark. Sie verkehrte Mittwoch, Freitag und Sonntag mittags gegen 12.00 Uhr.

Mit dem Beginn des Chausseebaus Anfang des 19. Jahrhunderts erhöhte die Post in Mecklenburg-Strelitz den Warentransport. 1860 fuhren von Neubrandenburg aus täglich zehn Fahrposten, davon zwei nach Neustrelitz, zwei nach Güstrow, eine nach Demmin, eine nach Penzlin, eine nach Prenzlau, zwei nach Friedland und eine nach Stargard. Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Güstrow-Neubrandenburg war Neubrandenburg 1864 die erste Stadt im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz die einen Eisenbahnanschluss erhielt. Mit der Eisenbahn bekam auch das Postwesen einen großen Schub in Richtung Zukunft.

Claudia Beuthin, Ortschronistin
AG Chronik Burg Stargard