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Stargarder Zeitung
Ausgabe 2/2026
Kultur und Veranstaltungen im Stargarder Land
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Die „Alte Münze“ auf der Burg

Wie man bereits lesen konnte, ließ der Landesherr Herzog Adolf Friedrich III. von Mecklenburg-Strelitz vom Jahresende 1745 bis zum 13. Juli 1748 im alten Brauhaus der Burg seine Münzprägestätte betreiben. Obwohl der 13. kein Freitag, sondern ein Samstag war, war der Tag doch ein Schicksalstag in der Geschichte des ehrwürdigen Gebäudes. Vielleicht lag es auch daran, dass es ein Schaltjahr war - meinten zumindest die abergläubischen Leute. Der neue Münzdirektor Hartmut-Heinrich Brunsich machte sein Vorhaben wahr und verlegte die Münzprägestätte von Stargard nach Neustrelitz. Jetzt wurde alles demontiert und in die nagelneue Residenzstadt gebracht. Sechs schwere Bauernwagen waren nötig, um das zerlegte Walzwerk und das Spindelwerk aufzunehmen. Das Spindelwerk allein erforderte die Kraft von 11 starken Männern. Wie viele Ochsen wird man gebraucht haben, um diese schweren Lasten durch unsere bewegte Landschaft in das einen Tag entfernte Neustrelitz zu transportieren? Am 2. August 1748 war die Münze gänzlich ausgeräumt. Münzmeister Jaster ging auch mit nach Neustrelitz. Brunsich hatte dort eigens ein neues starkes Gebäude errichten lassen. Übrigens: Als Hinterhaus der „Alten Post“/ Kulturquartier steht es noch heute. Am 8. August 1748 war in Neustrelitz alles soweit hergerichtet, dass die erste Schmelze erfolgen konnte. Geprägt wurde weiter mit dem Münzmeisterzeichen CHJ für Christoph Henning Jaster.

In Stargard blieb für alle Zeiten der Name „Alte Münze“ für das einstige Brauhaus. Von der alten Münzeinrichtung gab es nur noch eine Feuerstätte und den Schornstein. Bereits kurz nach dem Abriss der „Alten Residenz“, des alten Palastes, verpachtete das Amt Stargard die frei gewordene Stelle in der Burg und kurz darauf auch die leergeräumte „Alte Münze“. In die Lücke zwischen dem oberen Tor und der Burgkapelle durfte sich der Bauer ein Fachwerkbau errichten, den heutigen Damenflügel.

Daraufhin ließ er an der Stelle des Palastes einen Kuhstall bauen und funktionierte auch die „Alte Münze“ um. Die große Feuerstelle, die einst dem Schmelzen von Edelmetallen diente, wurde zur Erzeugung von Heißluft umgebaut. Diese heiße Luft diente im Obergeschoss zum Dörren von Obst. Neben der Obst-darre wurde ein Kornspeicher eingerichtet. Im Untergeschoss waren außer der Heißluftanlage noch Ställe für Federvieh geschaffen worden. Im Herbst 1893 brannte die Münze zum Teil aus. Zeitzeugen behaupteten, dass das Feuer in der Obstdarre entstand. Danach ist von einem Burgbauern nicht mehr die Rede und auch sein Kuhstall wird 1894 abgerissen. Im Zuge der Instandsetzung des Gebäudes bekam es sein heutiges Dach.

Nach langjähriger Nutzung als Wirtschaftsgebäude im Untergeschoss und vermutlich als Herberge im Obergeschoss folgte um 1937 ein großer Aus- und Umbau. Die alte Münzprägestätte wurde 1938 als „Gaststube Zur Alten Münze“ eröffnet. Lange konnten sich die Stargarder nicht an dieser neuen beliebten Gaststätte erfreuen. Denn schon Anfang 1941 diente die „Alte Münze“ dem Stab und der Kommandantur der Panzerjägerkompanie der 302. Infanteriedivision der Deutschen Wehrmacht als Quartier. Ab dem 1. April 1943 war die Gaststube geschlossen. Das weitere Schicksal der „Alten Münze“, das eng mit den folgenden politischen Verhältnissen jener Zeit verknüpft ist, wird in einem Artikel über die Geschichte unserer Jugendherberge zu lesen sein.

Frank Saß
AG Chronik