Forschende haben herausgefunden das der Weißstorch erst seit dem Mittelalter im Norden Deutschlands zu Hause ist. In der Sammlung der Universität Rostock befindet sich ein ganz besonderer Storch, der 1822 mit einem Pfeil im Hals aufgefunden wurde. Dieser Pfeil stammte aus Afrika und warf große Fragen auf, deren Beantwortung der Beginn einer intensiven Storchenforschung war. Vor 125 Jahren begann die systematische Zählung und Registrierung der Weißstörche auch in Mecklenburg. In Stargard wurde in jenem Jahr ein Horstpaar registriert. Als verlässlicher Frühlingsbote kam unser Storch am 11. März aus dem Süden zurück. Der Rotschnabel richtete das Nest für die Gefährtin her und Frau Storch folgte ihm 10 Tage später und nahm das Nest an. Nun tätigen die Beiden fleißig ihr Brutgeschäft. Störche können bis zu 1,10 m groß werden und wiegen etwa 3 kg. Mit ihren mehr als 2 m Flügelspannweite gehören sie nach dem Kranich zu den großen Vögeln in unserer Natur. Weißstörche sind ihrem Nest sehr treu und kehren Jahr für Jahr in ihre Brutheimat zurück.
Da die Bestände der Weißstörche seit 1901, dem Jahr ihrer ersten Erfassung, immer weiter zurückgingen, konnte man 1929 folgendes lesen: „Um den Storch vor völligem Aussterben zu schützen, müssen überall da, wo sich die Anbringung eines alten Wagenrades oder einer hölzernen Egge ermöglichen lässt, neue Nistgelegenheiten geschaffen werden". Noch im selben Jahr reagierten die Bargensdorfer und legten ein neues Nest an. In Stargard hatte man bereits 1928 mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr eine hölzerne Egge auf den alten Brennereischornstein gelegt. Aus heutiger Sicht war es eine der besten Entscheidungen der Stargarder Stadtväter, denn bis heute gilt das Stargarder Storchennest als ein regelmäßig erfolgreich genutzter Horst in der Region. 1929 waren die ersten zwei Störche in Stargard auf dem alten Brennereischornstein und nahmen das Nest in Besitz. Störche haben keine Stimme, deshalb verständigen sie sich untereinander zumeist am Nest durch ihr Klappern. Darum heißt der große weiße Vogel im Volksmund Klapperstorch. Meister Langbein ist auch als Adebar bekannt. Dies kommt aus dem Althochdeutschen von Ada für Glück und bera für tragen. Unsere Störche waren dafür bekannt, den Menschen das Glück ins Haus zu tragen. Wilhelm Busch stellte fest: „Wo kämen wohl die Kinder her, wenn Meister Adebar nicht wär". Schon aus der germanischen Mythologie und alten Sagen ging hervor, das der stolze Rotschnabel Neugeborene von der Quelle des Lebens holt und sie den Eltern bringt. Demzufolge galt er als ein Symbol der Fruchtbarkeit. Die Störche lieben feuchte Wiesen und Sümpfe in denen sie reichlich Nahrung wie Frösche, Würmer und Schnecken finden. Auch Mäuse bereichern ihren Speiseplan. Als Zugvögel beginnen sie Ende August ihre weite Reise nach Afrika. Die Aufgabe der Menschen vor Ort ist es den Lebensraum der Störche zu erhalten, die Storchennest-Horste zu schützen und nach Möglichkeit neue Nisthilfen anzubieten. Die Weißstörche ziehen nur erfolgreich Junge groß, wenn ein ausreichendes Nahrungsangebot zur Aufzucht gegeben ist. Im Sinne von Wilhelm Busch können wir nur hoffen, das die Kitas und Schulen in Burg Stargard auch in Zukunft gut gefüllt sind, solange die Störche auf dem alten Brennereischornstein nisten und den Stargardern Glück bringen.