Mit dem Tod endet ein Leben, aber nicht die Liebe. Bestattungsrituale und Grabmale helfen den Angehörigen in Würde Abschied zu nehmen. Der Friedhof schafft Raum für Trauer und ist daher ein Ort der Ruhe und der Erinnerung. Vor 1826 nutzte man als Begräbnisstätte den Kirchhof, der sich an der Stadtkirche St. Johannes befand. Dieser reichte von der Grabenstraße bis zum Markt. Bei Gründungsarbeiten für das Haus des Schmiedemeisters Krüger und des Bäckermeisters Behnke, rechts neben dem einstigen Rathaus, fanden Bauleute menschliche Knochenreste. In früherer Zeit kümmerte man sich weniger um die Hygiene innerhalb der Stadt. Daran nahm Herzog Carl von Mecklenburg-Strelitz Anstoß, indem er feststellte: „Es kann nicht länger geduldet sein, das der Kirchhof als Begräbnisstätte in Stargard innerhalb der menschlichen Wohnstätten weiter genutzt werden könne.“ Am 1. April 1795 erließ er daher eine Verfügung in der es hieß: „Es ist unserer Bemerkung nicht entgangen, dass Eures Orts die Kirchhöfe noch innerhalb der Stadt geduldet werden, obgleich deren Schädlichkeit für die Gesundheit und das Leben der Menschen längst erwiesen, und in fast allen Ländern abgeschaffet ist. Wie nun unser Landesväterlicher Wunsch dahin gehe, die Kirchhöfe aus den Städten unseres Landes gänzlich verbannet zu sehen, so wollen wir gnädigst, dass Ihr Euer Gutachten untertänigst abgeben sollet, wie solches Eures Orts am zweckmäßigsten geschehen könne.“
Daraufhin bat der Rat der Stadt den Herzog ehrfürchtig um Überlassung eines geeigneten Landstückes. Am 11. Februar 1824 wurde ein 600 Quadratruten(1 QRu =21,664 m²) großes Stück Land von der Quastenberger Feldmark an die Stadt übergeben. Das Stück Acker war nun Eigentum der Kirche. Am 7. Mai 1826 wurde der Friedhof durch Präpositus Müller mit dem Begräbnis des Stargarder Bürgers, Notars und Steuereinnehmers Carl Ludwig Wendt geweiht. Ein Steinobelisk mit einer Gedenktafel kündet noch heute davon. Er steht, vom Parkplatz aus gesehen, kurz hinter der Trauerhalle an der Ecke zum alten Fußweg zur Stadt. Die Grabstätte eines gewöhnlichen Sterblichen kostete 1 Taler, für besser Gestellte das Doppelte und für Adlige musste die dreifache Gebühr bezahlt werden. Selbstmörder wurden in einer Ecke am Zaun begraben.
Im Laufe seines Bestehens hat man den Friedhof mehrfach erweitert, so am 17. März 1886 um weitere 300 Quadratrouten. Die Erweiterung ging mit einer erneuten Weihe der hinzugenommenen Fläche durch Präpositus Langbein und dem Begräbnis eines verdienten Bürgers der Stadt einher. Im Jahre 1911 übernahm die Stadt den Kirchhof in endgültigen Besitz. Am 2. Mai 1911 wurde ein neuer Teil vom Kirchenrat Krüger geweiht. Man hat den Friedhof weiter aufgeforstet, die Wege verbreitert und parkähnlich angelegt. Der geborene Stargarder August Hamann, der nach Amerika auswanderte, hatte der Stadt 2.000 Mark testamentarisch für die Verschönerung des Friedhofs überschrieben. Als Dank setzte ihm die Stadtgemeinde dafür einen Gedenkstein. Erst 1932 konnte der Bau einer Friedhofskapelle verwirklicht werden. Dazu lieferte der Baumeister und Architekt H. Meyer aus Stargard den Bauplan. Es entstand eine Halle im quadratischen Grundriss von ungefähr 9 Metern. Der Bau ist in einfachem grauem Zementputz gehalten. Seit 200 Jahren ist der Friedhof nun die letzte Ruhestätte der Stargarder und eine blühende Oase mit den Gräbern bekannter Persönlichkeiten der Stadt.