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Stargarder Zeitung
Ausgabe 6/2026
Kultur und Veranstaltungen im Stargarder Land
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Die spannende Geschichte der Rats-Apotheke (Burg) Stargard

Eine alte Ansichtskarte, aus dieser Zeit, zeigt den Eingang zur Drogenhandlung links und zur Apotheke rechts. Anstelle der linken Tür ist heute ein Fenster.

Die Stargarder Apotheke wird 1665 in den Apothekenakten von Neubrandenburg erstmals genannt. Um 1743 wurde in den alten Akten des Carolinums der Apotheker Eggers für Stargard aufgeführt. Von 1797 bis 1801 leitete der Apotheker C. Fr. Lüders die privilegierte Apotheke. Von 1802 bis 1809 führte der Apotheker Fr. Lüderitz die Geschäfte. 1810 dann J. Fr. Kitzing, der sie bis 1835 leitete. Nach dessen Tod setzten die Kitzing’schen Erben 1836-37, G. Senger als vereidigten und examinierten Provisor ein. H. Lübcke war von 1838 bis 1840 Besitzer der Stargarder Apotheke, 1841 seine Erben. Von 1842 bis 1847 leitete A. L. Augstin die Apotheke. Dieser wurde 1848 bis 1856 durch A. Fr. Rudeloff abgelöst. An dessen Stelle trat 1857 Johann Anton Heyden.

Am 11. April 1858 brannte die großherzoglich privilegierte Apotheke ab, weil Ratten zwischen Schwefelhölzern gewühlt hatten. Nun ergab sich die Möglichkeit ein neues großzügiges Gebäude zu errichten. Den Auftrag bekam der Baumeister Grünberg aus Stralsund, der die neue Apotheke 1862 fertigstellte. Das Gebäude wurde als ein neunachsiger, dreigeschossiger Backsteinbau errichtet und erinnert in seiner Gliederung an gleichzeitig entstandene Buttel-Bauten. Auffällig war das moderne Pappdach. Solche Dächer waren von Buttel favorisiert, denn er hatte großen Anteil an der Entwicklung der Dachpappe. Der alte einstöckige Vorgängerbau war längst nicht mehr zeitgemäß. Bauherr der neuen Apotheke war Anton Heyden. 1862 wird sie zusammen mit einer „Materialhandlung“ genannt. Heyden leitete die Apotheke 40 Jahre lang. Von 1898 bis 1910 war der allseits bekannte Apotheker Martin Rohn in Stargard. Er wechselte 1910 nach Friedland. Der Nachfolger von Rohn war 1911 der Apotheker Arthur Venzlaff, der schon 1912 verstarb.

 

 

Die Obergeschosse der Apotheke dienten den Apothekerfamilien als Wohnung. Manche Räume waren Fremdenzimmer. In ihnen fanden Kunstmaler, wie Hans Klohß und Hermann Koenemann zeitweilig Quartier. Die Witwe Elisabeth Venzlaff ließ die Apotheke bis 1937 durch Verwalter führen, 1913 H. Knorre, 1914 H. Kaul und 1915 bis 1936 G. Hinz. Bereits 1918 waren alle großherzoglichen Privilegien erloschen, unsere Apotheke in Ratsapotheke umbenannt und von der Stadt subventioniert. Die Witwe Venzlaff verpachtete 1937 die Apotheke an Dr. Ulrich Bogs.

Der Apotheker Hans Venzlaff, Sohn des verstorbenen Apothekenbesitzers, war Stadtrat und zeitweilig auch Bürgermeister in Burg Stargard. 1938 übernahm er die elterliche Apotheke. Im November 1943 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Nach der Kriegsgefangenschaft kehrte er nicht nach Burg Stargard zurück. Die Witwe Venzlaff wurde 1945 enteignet. Im gleichen Jahr kam der Apotheker Günter Kennemann aus Kolberg als Flüchtling nach Stargard. Er wurde unverzüglich von der Landesverwaltung als Apotheker eingesetzt. Zu DDR-Zeiten hat die Apotheke Frau Bartelt geleitet. Sie wohnte über ihrem Arbeitsplatz. In den Jahren 1952/53 war unsere Apotheke sogar Poliklinik-Apotheke, 1953 wurde sie verstaatlicht. Nach der Deutschen Einheit ging die Apotheke wieder in private Trägerschaft über. Die Rückübertagungsansprüche der Venzlaff`schen Erben auf das Apothekengrundstück wurden abgelehnt. Am 1. Dezember 1990 übernahm der Apotheker Frank-Rainer Althaus die Ratsapotheke in Burg Stargard. Am 31.12.2021 wurde sie geschlossen.

Claudia Beuthin
AG Chronik