Titel Logo
Stargarder Zeitung
Ausgabe 9/2023
Kultur und Veranstaltungen im Stargarder Land
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Eine Stargarder Sage: Der alte Backofen

Am Burgpohl lag noch vor Jahrzehnten, wie ein riesiger Maulwurfshaufen, ein alter Backofen. Er war so beschaffen wie die alten mecklenburgischen Dorfbacköfen. Es wurde in diesem ehemals das Brot für die Burgbewohner gebacken und im Herbst auch die Pflaumen, die es dort oben damals reichlich gab. Heute ist er zusammengesunken, aber eine sagenhafte Erzählung ist noch im Munde der Stargarder.

Ein Tagelöhner aus Godenswege ging nach Stargard, um den Wocheneinkauf zu machen. Doch der Schillinge waren wenige und es blieb ihm kein Dreier für seine Kleinen zu einer Näscherei übrig. Er machte sich spät auf den Heimweg. Da sieht er in der Nähe des Backofens einen Feuerschein. Er will sich eine glühende Kohle für seine Tabakspfeife ausbitten. Wie er herantritt, hockt da vor dem Ofen eine alte Frau, die soeben die fertigen Backpflaumen aus dem Ofen holt. Die Alte lässt sich kaum stören, gibt ihm aber eine Handvoll Backpflaumen und murmelt: „Da – för de lewen Kinner!“ Am nächsten Morgen, als der Tagelöhner seine Kindsgaben aus der Tasche ziehen will, bemerkt er, dass es lauter blanke Taler sind. Es erfährt davon der geizige Schäfermeister im Dorf, dem schon ein reichlich Teil guter Taler im Kasten liegen. Der macht sich auch auf den Weg, verweilt bis zum Dunkelwerden im „Weißen Hirsch“ und findet dann die Alte auch wieder vor dem Backofen. Er lässt nicht nach, bis sie ihm tüchtig von den Backpflaumen zugesteckt hat. Zuhause kann er kaum den nächsten Morgen abwarten. Er greift gierig in die Tasche, zieht aber keinen blanken Taler hervor, sondern eine ganze Faust voller - Schafkötel.

Herausgesucht von Frank Saß