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Bützower Landkurier
Ausgabe 1/2026
Nachrichten aus der Stadt Bützow und dem Amt Bützow-Land
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Vom Fabrikgebäude zum Krummen Haus – Das Heimatmuseum im Wandel der Zeiten (Teil 2)

Die gotische Kapelle mit ihrem charakteristischen Kreuzrippen-gewölbe als musealer Publikumsmagnet.

Die detailgetreue Nachbildung der Guillotine aus dem Jahr 1985 zeigte eindrücklich die Grausamkeit der damaligen Hinrichtungsmethoden.

Nach der Gründung des Kreises Bützow im Juli 1952, als die Stadt zur Kreisstadt erhoben wurde, erhielt das Museum den neuen Namen „Kreismuseum Bützow“. Schnell entwickelte sich das Haus zu einer angesehenen Institution, getragen von Idealismus, Gemeinsinn und einer tiefen Liebe zur Geschichte der Stadt. Es wurde zu einem lebendigen Gedächtnisort für Bützow und seine Bürger.

Mit dem wachsenden Bestand der Sammlung wurde der Platz knapp. 1966 zog das Museum deshalb in das historische Schloss Bützow um. Die gotische Schlosskapelle, mit ihren beeindruckenden Mauern bot einen würdigen Rahmen für archäologische Funde und kulturhistorische Zeugnisse. Besonders herausragend: die rund 14.000 Jahre alte Knochenharpune – die älteste ihrer Art in Mecklenburg – und der mittelalterliche Einbaum, 1984 aus dem Boitiner See geborgen. Diese Funde erzählen von einer Gegend, die schon vor der Stadtgründung 1229 vom Menschen besiedelt und geprägt war.

Nach dem Tod von Dr. Barnewitz war das Museum zeitweise ohne Leitung, bis Ursula Talaska das Ruder übernahm. Mit unermüdlichem Einsatz, klarem Ordnungssinn und einer neuen, pädagogischen Ausrichtung verwandelte sie die Institution in einen lebendigen Lernort.

Ihre offene, einladende Art zog Schulklassen und Familien gleichermaßen an. „Die Museumsleitung ist mehr als nur die Tür zu öffnen“, sagte sie später selbst.

Dank ihrer Initiative und tatkräftiger Unterstützung durch staatliche und lokale Partner wurde Platz für neue Ausstellungen geschaffen, ein einladendes Eingangsportal errichtet und die Präsentationen modernisiert, heißt es in der Chronik. Die Themenschwerpunkte, von Ur- und Frühgeschichte über die Friedrichs-Universität Bützow, medizinische Entwicklung bis hin zum bürgerlichen Leben des 19. Jahrhunderts, vermitteln die vielschichtige Historie der Stadt lebendig und greifbar. Acht Sonderausstellungen im Jahr, intensive Kontakte zu Schulen und Kindergärten sowie über 9.000 Besucher jährlich spiegeln den Erfolg dieser Phase wider.

Im Mai 1985 erweiterte sich das Museum um ein separates Gebäudeensemble: das „Krumme Haus“, eines der ältesten profanen Bauwerke Bützows aus dem 15. Jahrhundert, rund 150 Meter vom Schloss entfernt. Mit dieser Erweiterung wurde das Museum weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt: Hier entstand die Gedenkstätte zur 150-jährigen Geschichte des Bützower Strafvollzugs.

Der Fokus dieser Ausstellung zielte auf die Jahre 1933 bis 1945, in denen zahlreiche Gefangene aus neun Nationen hier eingesperrt waren. Aufgrund widrigster Haftbedingungen starben 771 Menschen, darunter 308 Hinrichtungen durch Erhängen, Enthaupten mit dem Handbeil und ab 1944 mit der Guillotine. Die Gedenkstätte umfasst detailgetreue Nachbildungen der Hinrichtungsstätte, der Todeszelle und eines Zellentrakts. Totenscheine, Abschiedsbriefe und Fotografien beeindrucken in den Vitrinen. Der Gang durch diese Räume löst selbst bei wiederholtem Besuch ein beklemmendes Empfinden aus.

Ende der 1980er erstrahlte die gotische Kapelle nach umfassender Restaurierung wieder in vollem Glanz. Nach der deutschen Wiedervereinigung begann eine Phase der Neuorientierung: Das Museum verfolgte das Ziel, Heimat erlebbar zu machen – durch Pflege der niederdeutschen Sprache und Fortführung traditioneller Bräuche zu Ostern, Hochzeiten und Weihnachten.

1992 setzten ehemalige Bützower, Besucher und lokale Geldinstitute ein starkes Zeichen, indem sie erstmals Mittel stifteten, um einen Krug des Bützower Kannengießers Drühl aus dem Jahr 1794 zu erwerben, ein Symbol gewachsener Verbundenheit. Zugleich stellte sich das Museum großen Herausforderungen: Seit März 1992 fehlte ein geeignetes Magazin, die wertvollen Bestände mussten ausgelagert werden. Zudem verlor das Museum vier seiner schönsten Möbelstücke an Rückführungsansprüche. Trotz des unermüdlichen Engagements von Leiterin Kerstin Rathsack und Heinz Hornburg, Leiter der Gedenkstätte für die Opfer politischer Gewalt, blieb die Zukunft ungewiss.

1999 schließlich fand das Museum ein neues Zuhause im „Krummen Haus“. Nach aufwendiger Sanierung öffnete das Gebäude erneut seine Türen und vereinte fortan drei Funktionen unter einem Dach: Heimatmuseum, Stadtbibliothek in der Tradition der ältesten öffentlichen Bibliothek Mecklenburgs sowie Dokumentationsstätte zum politischen Missbrauch des Strafvollzugs.

Wirtschaftliche und räumliche Grenzen verhinderten größere Erweiterungen. Doch das zentrale Ziel und das Leitmotiv: „Möge die Verbindung zwischen Museum und Einwohnern noch enger werden“, blieben unverrückbar: die Geschichte Bützows und seiner Bürger lebendig zu halten und die reichen kulturellen Schätze der Stadt immer wieder neu zu würdigen – einst Bischofsresidenz, Nebenresidenz der mecklenburgischen Herzöge, Universitätsstadt, Zentrum des reformierten Glaubens, juristischer Mittelpunkt Mecklenburgs sowie Hort von Sprache, Brauchtum und Handwerk.

Das Museum blickt auf fast ein Jahrhundert voller Wandel zurück und sollte zum Jubiläum im Jahr 2029 nicht nur weiterhin bestehen, sondern sich als lebendiger Ort des Staunens, Lernens und Dialogs präsentieren. Ein Haus, das Identität stiftet, Geschichte anschaulich erzählt und zeigt, dass Heimat nur dort fortbesteht, wo man sich ihrer mit Würde erinnert.

Markus Göllnitz