Erkennt Julika (Paula Beer) in White (Albrecht Schuch) ihren Ehemann Anatol Stiller? © Studiocanal GmbH/Aliocha Merker
Amrum: © Warner Bros.
Zwei Literaturverfilmungen laufen im Krummen Haus im April: „Stiller“ am 08.04. und „Amrum“ am 22.04. Beide sind erst im Oktober 2025 ins Kino gekommen. Durch den Abspielring können wir sie schon jetzt zeigen. „Amrum“ basiert auf den Kindheitserinnerungen von Hark Bohm, die er im gleichnamigen Roman schildert. Das Drehbuch verfasste er gemeinsam mit Fatih Akin. Die beiden Hamburger waren eng befreundet. Fatih Akin übernahm dann die Regie des Films, den Bohm ursprünglich selbst machen wollte. Hark Bohm verstarb im vergangenen November, erlebte aber den Kinostart des Films noch mit. Die Geschichte spielt im Frühjahr 1945. Der 12-jährige Nanning lebt mit seiner Mutter, seinen Geschwistern und einer Tante auf der Nordseeinsel Amrum. Dorthin waren sie aus dem zerbombten Hamburg geflohen. Nanning arbeitet hart, um seiner Mutter zu helfen, die Familie zu ernähren. Nannings Eltern sind überzeugte Nazis, die Inselbewohner stehen dem Regime hingegen kritisch gegenüber. Das hat Folgen. Und auch innerhalb der Familie werden Risse sichtbar. Für Nanning ändert sich mit dem Kriegsende alles. Wie wirkt es sich auf die Beziehung zwischen Kindern und Eltern aus, wenn die Eltern extreme politische Ansichten haben? Fatih Akin habe die Liebe zwischen Sohn und Mutter vor dem Hintergrund dieser starken Spannungen interessiert, schreibt er im Begleitheft.
Der Roman „Stiller“ erschien 1954 im Suhrkamp-Verlag. Für Max Frisch war das Werk der Durchbruch als Schriftsteller. Die Geschichte ist ein Vexierspiel. Der US-Amerikaner James Larkin White wird in der Schweiz verhaftet. Die Behörden halten ihn für den verschwundenen Bildhauer Anatol Stiller. Er steht auf der Fahndungsliste. White behauptet, er sei nicht Stiller, obwohl Freunde und Bekannte ihn als Stiller erkennen. Wer ist dieser Mann wirklich? Wie sieht er sich selbst? Warum lässt er seine Identität im Unklaren? Ist er tatsächlich in ein Verbrechen verwickelt oder hat er ein Trauma erlitten, das ihn verstört hat?
Die Filmvorführungen beginnen jeweils um 19:30 Uhr, der Eintritt beträgt 4,- Euro. FILM im KRUMMEN HAUS wird ermöglicht durch die Kooperation mit dem Filmklub Güstrow und Mobiles Kino Güstrow. www.dorfkinoeinfach.de
08.04.2026, 19:30 Uhr - Stiller
Spielfilm, Deutschland, Schweiz, 2025, Regie: Stefan Haupt, Länge: 99 Minuten, FSK 12
Mit: Albrecht Schuch, Paula Beer, Max Simonischek, Marie Leuenberger, Stefan Kurt, Sven Schelker u.v.a.
Bei einer Zugreise durch die Schweiz wird der US-Amerikaner James Larkin White an der Grenze festgenommen. Der Vorwurf: Er sei der vor sieben Jahren verschwundene Bildhauer Anatol Stiller, der wegen seiner Verwicklung in eine dubiose politische Affäre gesucht wird. White bestreitet seine Schuld und beharrt darauf, nicht Stiller zu sein. Um ihn zu überführen, bittet die Staatsanwaltschaft Stillers Frau Julika um Hilfe. Aber auch sie vermag ihn nicht eindeutig zu identifizieren, in Erinnerungen wird aber mehr und mehr die Beziehung des Ehepaars offengelegt. Auch der Staatsanwalt hat eine überraschende Verbindung zu dem Verschwundenen. Was ist damals genau passiert und wer ist Stiller wirklich?
Max Frischs Roman „Stiller“ wurde seit seinem Erscheinen 1954 bis heute millionenfach verkauft und in 34 Sprachen übersetzt. „Stiller“ wurde mit renommierten Literaturpreisen wie dem „Großen Schillerpreis“ der „Schweizerischen Schillerstiftung“ oder dem „Wilhelm-Raabe-Preis“ ausgezeichnet. Der Schweizer Max Frisch (1911-1991) zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Neben „Stiller" sind vor allem seine Werke „Homo Faber" und „Mein Name sei Gantenbein" bekannt.
22.04.2026, 19:30 Uhr - Amrum
Spielfilm, Deutschland, 2025, Regie: Fatih Akin, Länge: 93 Minuten, FSK 12
Mit: Jasper Billerbeck, Laura Tonke, Lisa Hagmeister, Kian Köppke, Diane Kruger, Lars Jessen, Detlev Buck, Jan Georg Schütte, Matthias Schweighöfer, Marek Harloff, Dirk Böhling, Steffen Wink, Tony Can: Oskar, Rita Feldmeier und Hark Bohm
Frühjahr 1945. Zwischen Heidekrautfeldern und dem endlosen Watt ist Nanning inzwischen zu Hause: Amrum, die Nordseeinsel ist alles, was er kennt. Gemeinsam mit seinem besten Freund trotzt er der kargen Natur ab, was er kann, um während des Krieges für seine Familie zu sorgen. Sie jagen Kaninchen, treten Schollen und tauschen ihre Beute gegen das Notwendigste. Wenn es hart auf hart kommt, hält die Gemeinschaft zusammen, doch Nanning spürt das Misstrauen ihm und seiner regimetreuen Familie gegenüber. Mit dem Tod Hitlers brechen neue Zeiten an, und für Nanning wird sich alles ändern. Völlig neue Konflikte treten auf. „Amrum“ erzählt voll wilder Schönheit davon, was Herkunft bedeutet – und wie man lernt, den eigenen Weg zu gehen.