Plakat „…denn sie wissen nicht was sie tun“, Copyright: Warner Bros.
Blue Jean, Copyright: Salzgeber
Mutt, Copyright: Salzgeber
Um Subkulturen geht es in den kommenden drei Spielfilmen im Krummen Haus. Konflikte sind da vorprogrammiert. „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ von Nicholas Ray mit James Dean und Natalie Wood aus dem Jahr 1955 ist ein Klassiker der Jugendkultur. Der Jugendliche Jim Stark ist mit seinen Eltern mal wieder umgezogen, um an einer anderen Schule neu anzufangen. Das Verhältnis zu seinen Eltern ist ausgesprochen schwierig. Auf seiner neuen Schule beäugt man ihn kritisch. Keine guten Voraussetzungen für einen Neustart in dem kleinen Ort. Er muss sich beweisen. James Dean war Idol und wurde zur Ikone. Nicht ohne Grund läuft der Film im Begleitprogramm zur Ausstellung „Jeans Palast“. Denn Deans Darstellung in lässigen Jeans prangt auf den Tüten der gleichnamigen Modekette. „Rebel Without A Cause“ – so der Originaltitel – läuft am 3. Juni im englischen Original mit deutschen Untertiteln.
Im Pride Month Juni laufen zwei Filme im Krummen Haus unterm Regenbogen. „Blue Jean“ spielt in Nordengland in der Thatcher-Ära. 1988: Ein neues Gesetz verbietet die Förderung von Homosexualität. Jean ist Lehrerin, aber sie ist auch lesbisch. „Ein brutales Portrait von Thatchers homophobem Großbritannien – und einer der bewegensten Filme des Jahres“, schreibt der New Musical Express. Es hagelte Preise für den Film, u. a. für die Hauptdarstellerin Rosy MacEwen. Sie erhielt für ihr Langfilmdebüt den Preis für die beste Hauptrolle bei den Independent British Film Awards 2022. „Blue Jean“ läuft am 17. Juni um 19:30 Uhr.
Das Debüt von Regisseur Vuk Lungulov-Klotz über einen jungen trans Mann läuft am 1. Juli. Ein Tag im Leben von Mutt. An diesem Tag trifft er verdichtet auf Menschen seines alten Lebens aus der Zeit vor der Transition zusammen. Wie unter einem Brennglas entblättert sich Mutts Lebenssituation. Für seine Ausdrucksstärke wurde der Film in Sundance mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Kaum ein Film vor „Mutt“ hat die Komplexität des Alltags als trans Person derart wahrhaftig gezeigt.
Auch diese beiden Filme laufen im Original mit Untertiteln, da es keine synchronisierten Fassungen des Verleihs Salzgeber gibt. Die Filmvorführungen beginnen jeweils um 19:30 Uhr, der Eintritt beträgt 4,- Euro. FILM im KRUMMEN HAUS wird ermöglicht durch die Kooperation mit dem Filmklub Güstrow und Mobiles Kino Güstrow. www.dorfkinoeinfach.de
Spielfilm, USA, 1955, Regie: Nicholas Ray, Länge: 106 Minuten, FSK 12, Englisches Original mit deutschen Untertiteln
Mit: James Dean, Natalie Wood, Sal Mineo, Jim Backus, Ann Doran, Dennis Hopper, Corey Allen
Über den Film schreibt Michael Töteberg im Metzler Film Lexikon 1995: „Jim Stark, bereits mehrfach von verschiedenen Schulen geflogen, ist gerade mit seinen Eltern nach Los Angeles gezogen. Die Eltern bieten ihrem Sohn kaum Geborgenheit; Jim spürt, dass sein Vater ein Schwächling ist und seine Mutter ihn nicht liebt. Auf seiner neuen Schule, der Dawson High School, begegnet man dem Außenseiter mit Misstrauen. Nur Judy, die allerdings mit dem Halbstarken Buzz liiert ist, scheint sich für ihn zu interessieren. Die Gang um Buzz provoziert Jim ständig und denunziert ihn als "Chicken". Der Streit eskaliert und endet in einer Messerstecherei.
Sein Vater kann Jim keinen Rat geben. Der verzweifelt an der fehlenden autoritären Vaterfigur und lässt sich auf die Herausforderung ein, mit Buzz ein halsbrecherisches Autorennen zu fahren. Der sogenannte "Chicken Run" sieht vor, dass die Kontrahenten des Duells jeweils mit einem Auto auf eine Klippe zu rasen. Wer zuerst aus seinem Wagen springt, hat verloren…“
Der US-amerikanische Regisseur Nicholas Ray selbst fällt schon in seiner High-School-Zeit als unangepasst und rebellisch auf. Wie die Filmfigur Jim Stark wechselt er aus diesem Grund häufig die Schule. In vielen von Rays Filmen gibt es unangepasste Helden und Heldinnen.
1990 wurde „Rebel Without a Cause“ in das National Film Registry aufgenommen, das Verzeichnis und Archiv US-amerikanischer Filme, die als besonders erhaltenswert angesehen werden.
Spielfilm, UK 2022, Regie: Georgia Oakley, Länge: 97 Minuten, FSK 16, Englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Mit: Rosy McEwen, Kerrie Hayes, Lucy Halliday, Lydia Page, Maya Torres, Ellen Gowland, Amy Booth-Steel, Stacy Abalogun
England, 1988. Die Sportlehrerin Jean sieht sich zu einem Doppelleben gezwungen: Margaret Thatcher hat mit ihrer konservativen Parlamentsmehrheit gerade Section 28 verabschiedet – ein homophobes Gesetz, das „die Förderung von Homosexualität“ verbietet. Deswegen darf in der Schule niemand wissen, dass Jean lesbisch ist – andernfalls könnte sie ihren Job verlieren. Ihre kämpferische Partnerin Vic unterstützt sie zwar, würde sich aber etwas mehr Mut von Jean wünschen. An den Wochenenden tauchen sie zusammen in das queere Nachtleben Newcastles ein. Als Jean in einer Lesben-Bar einer ihrer Schülerinnen begegnet, muss sie eine schwerwiegende Entscheidung treffen…
Packend und vielschichtig erzählt Regisseurin Georgia Oakley in ihrem Debütfilm von einer zutiefst repressiven Zeit in Großbritannien, in der die Leben von zahllosen Lesben und Schwulen durch politische Entscheidungen maßgeblich eingeschränkt oder gar zerstört wurden. Zugleich zeugt „Blue Jean“ aber auch von der widerständigen Kraft einer queeren Gemeinschaft, die sich in Opposition gegen die Eiserne Lady und ihre konservative Regierung erst richtig formierte.
Bei seiner Weltpremiere in Venedig erhielt das mitreißende Drama und Zeitporträt den Publikumspreis der Sektion Giornate degli Autori. Bei den British Independent Film Awards 2022 wurde „Blue Jean“ in 13 Kategorien nominiert und vier Mal ausgezeichnet, u. a. mit dem Preis „Beste Hauptdarstellerin“ für Newcomerin Rosy McEwen.
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Spielfilm, USA 2023, Regie: Vuk Lungulov-Klotz, Länge: 87 Minuten, FSK 12, Englisch-spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Mit: Lío Mehiel, Cole Doman, MiMi Ryder, Alejandro Goic, Jasai Chase Owens, Jari Jones, Sarah Herrman
An einem Sommertag in New York scheint für den jungen trans Latino Feña alles auf einmal zu passieren: Papa Pablo kommt aus Chile zu Besuch und sucht plötzlich Kontakt, sein heterosexueller Ex-Boyfriend John meldet sich nach monatelanger Funkstille wieder und dann steht auch noch seine 13-jährige Halbschwester Zoe vor der Tür. Doch seit Feñas Transition haben sich die Dynamiken zu allen dreien verändert. Er stellt sich die Frage, wieviel Nähe sich zu den Menschen seines alten Lebens richtig anfühlt.
Authentisch und mitreißend schildert Vuk Lungulov-Klotz in seinem Debütfilm 24 Stunden im Leben eines jungen Transmannes. Lío Mehiel, selbst non-binär und mit Wurzeln in Puerto Rico und Griechenland, verkörpert Feñas vielschichtiges Dazwischensein facettenreich und ausdrucksstark.
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