Sonnenallee, Copyright: Delphi Filmverleih
Die Welten, in denen die Geschichten der beiden kommenden Filme spielen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Am Ende aber geht es doch irgendwie wieder um Selbstfindung und jugendliche Subkultur wie in den vorherigen Streifen.
Gleich am 1. Juli läuft der zweite Film in der Reihe Queere Filme: „Mutt“, zu Deutsch Mischling, Köter. Es ist das Debüt von Regisseur Vuk Lungulov-Klotz über einen einzigen Tag im Leben des jungen trans Mannes und Latinos Feña. An diesem Tag in New York City trifft er verdichtet auf Menschen seines alten Lebens aus der Zeit vor der Transition zusammen. Wie unter einem Brennglas entblättert sich Feñas Lebenssituation. Für seine Ausdrucksstärke wurde der Film in Sundance mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Kaum ein Film vor „Mutt“ hat die Komplexität des Alltags als trans Person derart wahrhaftig gezeigt. „Mutt“ läuft im Original mit Untertiteln, da es keine synchronisierten Fassungen des Verleihs Salzgeber gibt.
„Große Träume, verbotene Songs und eine unerfüllte Liebe: Leander Haußmanns Kinodebüt wurde zum Kultfilm, von der Kritik verrissen, vom Publikum geliebt - und ist nach wie vor bestens geeignet für lebendige, provokante Diskussionen um die deutsche Einheit.“ So lauten die vielversprechenden Anmerkungen über „Sonnenallee“ auf dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg. Das Drehbuch stammt von Leander Haußmann, Detlef Buck und Thomas Brussig. Letzterer veröffentlichte im Erscheinungsjahr des Filmes, 1999, auch den Roman „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“. Darin schreibt Brussig erhellend: „Wer wirklich begreifen will, was geschehen ist, der darf sich nicht den Erinnerungen hingeben. Die menschliche Erinnerung ist ein viel zu wohliger Vorgang, um das Vergangene nur festzuhalten; sie ist das Gegenteil von dem, was sie zu sein vorgibt. Denn die Erinnerung kann mehr, viel mehr: Sie vollbringt beharrlich das Wunder, einen Frieden mit der Vergangenheit zu schließen, in dem sich jeder Groll verflüchtigt und der weiche Schleier der Nostalgie über alles legt, was mal scharf und schneidend empfunden wurde. Glückliche Menschen haben ein schlechtes Gedächtnis und reiche Erinnerungen.“ Die Geschichte um Micha, Mario, Wuschel und eine Doppel-LP von den Stones läuft im Begleitprogramm zur Ausstellung „Jeans Palast“ im Krummen Haus.
Die Filmvorführungen beginnen jeweils um 19:30 Uhr, der Eintritt beträgt 4 Euro. Bei gutem Wetter erfreuen wir uns an einer Pop-Up-Schnack-Bar. FILM im KRUMMEN HAUS entschwindet nach „Sonnenallee“ bis September in die Sommerpause. FILM im KRUMMEN HAUS wird ermöglicht durch die Kooperation mit dem Filmklub Güstrow und Mobiles Kino Güstrow. www.dorfkinoeinfach.de
Spielfilm, USA 2023, Regie: Vuk Lungulov-Klotz, Länge: 87 min, FSK 12, Englisch-spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Mit: Lío Mehiel, Cole Doman, MiMi Ryder, Alejandro Goic, Jasai Chase Owens, Jari Jones, Sarah Herrman
Mutt, Copyright: Salzgeber
An einem Sommertag in New York scheint für den jungen trans Latino Feña alles auf einmal zu passieren: Papa Pablo kommt aus Chile zu Besuch und sucht plötzlich Kontakt, sein heterosexueller Ex-Boyfriend John meldet sich nach monatelanger Funkstille wieder und dann steht auch noch seine 13-jährige Halbschwester Zoe vor der Tür. Doch seit Feñas Transition haben sich die Dynamiken zu allen dreien verändert. Er stellt sich die Frage, wie viel Nähe sich zu den Menschen seines alten Lebens richtig anfühlt.
Authentisch und mitreißend schildert Vuk Lungulov-Klotz in seinem Debütfilm 24 Stunden im Leben eines jungen trans Mannes. Lío Mehiel, selbst non-binär und mit Wurzeln in Puerto Rico und Griechenland, verkörpert Feñas vielschichtiges Dazwischensein facettenreich und ausdrucksstark.
Salzgeber.de
Spielfilm, Deutschland 1999, Regie: Leander Haußmann, Länge: 92 min, FSK 6
Mit: Alexander Scheer, Alexander Beyer, Robert Stadlober, Teresa Weißbach, Andreas Pietschmann, Winfried Glatzeder, David Müller, Patrick Güldenburg, Katharina Thalbach, Henry Hübchen, Detlef Buck, Elena Meißner, Matthias Matschke, Ignaz Kirchner, Margit Carstensen, Steffi Kühnert, Christine Harbort, Uwe-Dag Berlin, Jonathan Meese, Minh-Khai Phan-Thi, Torsten Ranft, Steffen Schult, Ezard Haußmann, Leander Haußmann, u.a.
Mitte der 1970er Jahre in Ost-Berlin: Der 17-jährige Michael (Alexander Scheer) lebt in der Sonnenallee, deren längeres Ende im Westen und deren kürzeres Ende im Osten der Stadt liegt. Michael träumt davon, ein großer Popstar zu werden. Politik ist ihm eher egal - er ist weder für das DDR-System noch wirklich dagegen. Er will die Organisation „von innen“ aufmischen. Dann gibt es da noch Michaels existenzialistisch angehauchten Freund Mario (Alexander Beyer), seinen Kumpel Wuschel (Robert Stadlober), der durch eine Rolling-Stones-Platte in Gefahr gerät, einen Westonkel, der Nylons schmuggelt, sowie einen Nachbarn, der für die Stasi spitzelt - oder doch nicht? Sicher weiß Michael nur, dass er in Miriam verliebt ist: die wunderbare, unerreichbare Miriam. Für sie würde er alles tun. Aber sie knutscht lieber mit fiesen Schnösel aus dem Westen.
„Sonnenallee“ wurde im Jahr 2000 mit dem Deutschen Filmpreis in Silber ausgezeichnet. Lothar Holler erhielt die Auszeichnung Bestes Szenenbild.