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Bützower Landkurier
Ausgabe 9/2026
Nachrichten aus der Stadt Bützow und dem Amt Bützow-Land
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Karla und der junge Wibeau – Jugend in der DDR

Karla.

FILM im KRUMMEN HAUS

„Ich meine, Jeans sind eine Einstellung und keine Hosen.“ Man kann Edgar Wibeau nicht oft genug zitieren, zumal im Zusammenhang mit der Sonderausstellung „Jeans Palast“ im Krummen Haus. Die Ausstellung über Werbegrafik und ein Lebensgefühl, mit Plastiktüten zum Thema Jeans Mode aus der Sammlung Dieter Luchs ist noch bis zum 13. Oktober zu sehen.

Im September laufen zwei weitere Filme im Begleitprogramm zur Ausstellung: „Die neuen Leiden des jungen W.“ am 30.09. und „Karla“ am 16.09., jeweils um 19:30 Uhr. Der DEFA-Film „Karla“ wurde 1965 produziert, verschwand jedoch umgehend als „Kellerfilm“ unaufgeführt im Archiv. „Karla“ fiel – wie elf weitere Filme dieses Jahrganges (u. a. „Spur der Steine“) – den Beschlüssen des 11. Plenum des Zentralkommitees (ZK) der SED im Dezember 1965 zum Opfer. Er wurde als regimekritisch eingestuft. Sein Kernthema sind die Meinungsfreiheit und das selbständige Denken. Erst im Juni 1990 feierte „Karla“ im Kino International in Berlin Premiere. Die engagierte Lehrerin Karla Blum wird von der jungen Jutta Hoffmann kongenial verkörpert. Das Drehbuch schrieben Regisseur Herrmann Zschoche und Schriftsteller Ulrich Plenzdorf.

Letzterer verfasste Ende der 1960er Jahre ein weiteres gesellschaftskritisches Stück: „Die neuen Leiden des jungen W.“ über den 17-jährigen Edgar Wibeau, der seine Heimatstadt in der Provinz verlässt und nach Ost-Berlin, Hauptstadt der DDR, geht, um Kunst zu studieren. Es kommt anders. Er lebt in einer Laube, verliebt sich in die Kindergärtnerin Charlie, arbeitet als Anstreicher und an einer Erfindung und entdeckt auf der Außentoilette ein Buch, dessen Titelblatt er vernichtet hat. Ein Briefroman, in dem ein Werther unsterblich in eine Charlotte verliebt ist. Zunächst kommt die Geschichte, geschrieben im Jugendjargon, als Theaterstück 1972 auf die Bühne in Halle, 1973 erscheint die Erzählung bei Hinstorff in Rostock. Verfilmt wird Wibeaus Geschichte dann 1976 im Westen von Eberhard Itzenplitz nach dem Drehbuch von Plenzdorf. Der junge Klaus Hoffmann brilliert in der Titelrolle. Aus der Todesanzeige zu Beginn des Filmes wird deutlich, dass Edgar tot ist. Seine Eltern stellen sich und Edgars Umfeld Fragen. Edgar beobachtet und kommentiert das Geschehen und erzählt, wie er die Sache sieht. Der Film wurde als Fernsehfilm mit der damals neuen elektronischen Aufnahmetechnik produziert. So konnten die Einblendungen von Edgar in die Szenen technisch realisiert werden. Damals State of the Art, heute leider mit visuellen Einbußen. Aber der Inhalt ist es wert! Schließlich geht es um Jeans, um Musik und vor allem um Sehnsucht und das Lebensgefühl der Jugend.

FILM im KRUMMEN HAUS wird ermöglicht durch das Mobile Kino Güstrow und „Dorfkino einfach machbar“ (www.dorfkinoeinfach.de). Eintritt jeweils 4 Euro.

 

16.09.2026, 19:30 Uhr - Karla

DEFA/DDR, 1965/1990, Regie: Herrmann Zschoche, Dauer: 128 Minuten, FSK 6

Mit: Jutta Hoffmann, Jürgen Hentsch, Hans Hardt-Hardtloff, Inge Keller, Gisela Morgen, Herwart Grosse, Rolf Hoppe, Jörg Knochée, Klaus-Peter Pleßow, Jürgen Krumrey

Karla tritt nach Abschluss der Universität mit großen Ambitionen eine Lehrerstelle in einer Kleinstadt im Norden der DDR an. Sie möchte den Kindern nicht nur Fakten vermitteln, sondern sie vor allem zu selbstständigem Denken anregen. Mit Direktor Hirte versteht sie sich anfangs recht gut. Doch ihre Ideale stoßen auf Unverständnis – auch bei den Schülern, die längst wissen, was zu sagen ist und was man besser verschweigt. Ihr unkonventionelles Verhalten, sie hat auch noch eine Beziehung zu dem „Aussteiger" Kaspar, fällt unangenehm auf. Nach einer Niederlage passt sich Karla an. Kurz vor dem Abitur begehrt sie jedoch auf, sagt ihren Schülern die Meinung. Am Ende des Schuljahres wird sie in eine andere Schule versetzt, Kaspar begleitet sie. (Quelle: defa-stiftung.de)

 

30.09.2026, 19:30 Uhr

Die neuen Leiden des jungen W.

BRD, 1976, Regie: Eberhard Itzenplitz, 112 Minuten, FSK 12

Mit: Klaus Hoffmann, Léonie Thelen, Hans-Werner Bussinger, Henning Gissel, Barbara Klein u. a.

Edgar Wibeau (Klaus Hoffmann), der beste Lehrling seines VEBs in einer DDR-Kleinstadt, wirft die Arbeit hin und verlässt seine Mutter, die von seinem Vater getrennt lebt. Gemeinsam mit seinem Freund zieht er in eine Berliner Laubenkolonie. Beide wollen Maler werden, doch die Akademie nimmt sie nicht auf. Während der Freund in die Heimat zurückkehrt, arbeitet Edgar als Anstreicher. Eines Tages findet er Goethes „Die Leiden des jungen Werther". Dieses Buch trifft genau sein Lebensgefühl. Er spricht Zitate daraus auf Tonband und schickt sie seinem Freund. Nach Edgars unerwartetem Tod helfen die Tonbandaufnahmen seinem Vater, sein Leben in Berlin zu rekonstruieren. Der Vater spricht mit Charlie, in die Edgar verliebt war, und mit einem Arbeitskollegen. So erfährt er, wie Edgar in der Laube ums Leben kam.

Aufgezeigt wird der Zwiespalt einer Jugend zwischen den Einflüssen von Ost und West. Auf der einen Seite das forsche Auftreten, auf der anderen die Verletzbarkeit und die Unsicherheit in einer Umbruchsituation. Die Erzählung spielt auf zwei Zeitebenen, einmal das Leben in der Rückblende, dann der Antiheld Edgar Wibeau selbst, wie er von "jenseits des Jordans" wiederkehrt und die einzelnen Szenen kommentiert. Der Film gibt etwas von den Problemen wieder, die in den 1960er Jahren, im Westen die Zeit des Aufbruchs, die Jugend im "Osten" tangierten. (Quelle: bpb.de)