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Kiek Rin
Ausgabe 2/2026
Lokales
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Ehrenamtliche „Detektiv-Arbeit“ für die europäische Wildkatze - Die einheimische Samtpfote könnte schon längst wieder hier sein

Kletternde Wildkatze

Ein Lockstock wird aufgerauht. Nicht jeder darf einfach selbst Lockstöcke aufstellen und nach Wildkatzen suchen.

Eine sehr heimliche, einheimische Waldbewohnerin dieser Gegend, die seit 1812 in Mecklenburg-Vorpommern als verschwunden gilt, in Deutschland aber nie ganz weg war, könnte möglicherweise nicht mehr nur im Neustrelitzer Tierpark in der Sonne sitzen.

Sie könnte schon längst wieder in Wald und Flur der Feldberger Seenlandschaft leben: die europäische Wildkatze (felis silvestris). Sie ist streng geschützt und ein sehr scheues Wesen. Sie mag strukturreiche, für unser menschliches Auge „unaufgeräumte“ Wälder, Säume und Landschaftsräume, die ihr Wärme, Nahrung und Deckung bieten. Im Gegensatz zu unseren Hauskatzen frisst sie fast ausschließlich Mäuse. Die Katzenmutter zieht bis zu vier im Frühjahr geborene Jungen, die in Holzpoltern, Reisighaufen oder Felsnischen versteckt werden, allein auf. Wer also getigerte, scheinbar verlassene Kätzchen (die übrigens wild und unzähmbar sind!) mitten im Wald findet, sollte sie dort belassen, sich den Ort merken und dem Naturpark, Förstern, Jägern oder dem BUND umgehend Bescheid geben. Doch 80 Prozent der Jungen werden nicht älter als fünf Monate: Wildkatzen haben mit Wolf, Uhu, Adler, Habicht, Fuchs und Marder viele Fressfeinde. Eine der häufigsten Todesursachen ist zudem der Straßenverkehr.

Während die europäische Wildkatze, die nur entfernt mit unseren Hauskatzen verwandt ist, vor Jahren nur im Südwesten der Bundesrepublik anzutreffen war, hat sie ihren Lebensraum mittlerweile nach Nordosten erweitern können. 2024 wurde sie am Ostufer der Müritz nachgewiesen. Das war Anlass für den Müritz Nationalpark und auch für den Naturpark Feldberger Seenlandschaft, in Kooperation mit dem BUND, der sich seit Jahren für die Samtpfoten einsetzt, im Winter 2024/2025 mit einem Monitoring zu beginnen, um herauszufinden, ob auch hier Exemplare leben oder durchziehen. Ehrenamtliche der BUND-Gruppe Feldberg unterstützten den Naturpark Feldberger Seenlandschaft bei dieser „Detektiv-Arbeit“. Denn der Nachweis kann nur durch Genetik (Haare) oder morphologisch (bei Totfunden) erfolgen, auch wenn eine hellrosa Nase, ein dunkler Aalstrich bis zur Schwanzwurzel und ein breiter, buschiger Schwanz mit drei bis fünf dunklen Ringen wichtige Indizien sind. Anhand von Fotos oder Sichtungen können selbst Experten Haus- und Wildkatze nicht sicher unterscheiden. Zudem ist es auch möglich, dass Haus- und Wildkatze sich paaren und hybride Nachkommen entstehen.

Deshalb werden, abseits von Siedlungen, aufgerauhte und mit einem Lockmittel besprühte Holzpflöcke ausgebracht, an denen sich die Wildkatzen in der Paarungszeit im Winter reiben und dabei Haare zurücklassen. Das ehrenamtliche Monitoring besteht aus einem wöchentlichen Gang zu den Pflöcken (von Februar bis April), die dann nach Haaren abgesucht werden. Das Untersuchungsergebnis einer Haarprobe aus dem letzten Winter steht noch aus – unabhängig davon werden ab Februar 2026 erneut ehrenamtliche „Lockstock-Detektive“ unterwegs sein. Wer diese Arbeit unterstützen will, ist herzlich willkommen.

kontakt@bund-feldberger-seenlandschaft.de

Axel.Griesau@lung.mv-regierung.de

Bettina Hoyer
BUND-Ortsgruppe Feldberger Seenlandschaft