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Kiek Rin
Ausgabe 3/2026
Lokales
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Erinnerungen an meine Schulzeit

25) Legt die Mauern nieder, die uns trennen!

Legt die Mauern nieder, die uns trennen!

Schranken, die der Argwohn zwischen uns schuf.

Dass wir frei uns anschauen und erkennen,

unsrer Brust entringt sich gleicher Sehnsuchtsruf!

Legt die Mauern nieder, die uns trennen!

Jedem von uns ward es unerbittlich klar,

dass in uns die gleichen Wünsche brennen

und die Zwietracht Wurzel unsrer Schwäche war.

Legt die Mauern nieder, die uns trennen!

Dass der Blick das gleiche Ziel ins Auge fasst.

Ehrlich wollen wir uns wieder Brüder nennen,

lange haben wir wie Feinde uns gehasst.

Legt die Mauern nieder, die uns trennen!

Einig wollen wir uns mühen voll Leidenschaft,

dass das große Werk, zu dem wir uns bekennen,

unsern Kinder eine lichte Zukunft schafft.

Legt die Mauern nieder, die uns trennen!

Ein neues Blutgewitter droht.

Wer schlägt sich noch für Generäle

und ihre Auftraggeber tot?

Legt die Mauern nieder!!!

Dieses Gedicht, jetzt wieder hochaktuell, trug ein blonder, blauäugiger Junge als Klassenprimus der 4c, Klassenleiterin war Fräulein Käthe Radloff, im Mai 1950 auf einer provisorischen Bühne einer primitiven Aula der Barackengrundschule 5 (ehemals das Marinelager der 21. Infanteriedivision in der Neustrelitzer Kiefernheide, deren Rekruten in der Torpedoversuchsstation auf dem Neubrandenburger Tollensesee als Schiffsmaschinisten ausgebildet wurden) aus Anlass der ersten Elternversammlung nach der Gründung zweier deutscher Staaten im September/Oktober 1949, der BRD und der DDR, vor!

Detlef Meyer

Lehrer i.R.