In einer neuen Serie zum Bevölkerungsschutz stellt die Universitäts- und Hansestadt Greifswald einen weiteren Notfallflyer vor. Dieser bietet kompakte und praxisnahe Hinweise für den Ernstfall – verständlich, alltagstauglich und direkt zum Ausschneiden bzw. online auf www.greifswald.de/bevoelkerungsschutz zum Download.
Das Thema im Überblick: Verhalten bei einer möglichen Freisetzung radioaktiver Stoffe durch einen Unfall in einem Kernkraftwerk - Jodverteilung
Deutschland betreibt seit 2023 keine aktiven Kernkraftwerke mehr. Dennoch können Störfälle in Kernkraftwerken unserer europäischen Nachbarländer – abhängig von Wetterlage und Windrichtung – Auswirkungen auf Deutschland haben. In seltenen Fällen kann es dabei zur Freisetzung radioaktiver Stoffe kommen, darunter auch radioaktives Jod, das über größere Entfernungen transportiert werden kann und somit auch Regionen wie Greifswald erreichen könnte. Die Stadt Greifswald informiert daher vorsorglich darüber, wie die Verteilung von Jodtabletten im Krisenfall organisiert ist. Die Maßnahmen dienen dazu, aufzuklären und im unwahrscheinlichen Krisenfall gut vorbereitet zu sein und der Bevölkerung ein klares Hilfsangebot anzubieten. Es besteht kein aktueller Anlass zur Sorge!
Eine wichtige Schutzmaßnahme bei der Freisetzung radioaktiven Jods ist die sogenannte Jodblockade. Dabei wird nicht-radioaktives Jod in Form von Jodtabletten eingenommen. Es sättigt die Schilddrüse mit stabilem Jod, sodass radioaktives Jod kaum noch aufgenommen wird. Die Einnahme erfolgt ausschließlich auf behördliche Empfehlung, wirkt nur vorbeugend und nur bei rechtzeitiger Einnahme. Zudem richtet sich die Maßnahme an einen klar definierten Personenkreis, für den sie medizinisch sinnvoll ist. Die Ausgabe der Tabletten erfolgt bundesweit nach einheitlichen Kriterien: In weniger als 100 km Entfernung zu einem Kernkraftwerk erhalten Personen bis 45 Jahre Jodtabletten. Für Greifswald gilt aufgrund der Entfernung von mehr als 100 km, dass ausschließlich Schwangere sowie Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre versorgt werden. Dafür werden in Greifswald im Ereignisfall sechs Jod-Ausgabestellen eingerichtet. Die Einnahme ist freiwillig, jedoch gilt: keine Selbstmedikation – ein falscher Zeitpunkt macht die Einnahme wirkungslos.
Weiterführende, fachlich geprüfte Hinweise zur Jodblockade stellt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz unter www.jodblockade.de bereit.