Am 30. Mai waren wir gemeinsam mit einem echten Dobbertiner Urgestein auf Wanderung durch unseren schönen Ort. Noch immer bin ich beeindruckt davon, mit welcher Tiefe und Lebendigkeit Kurt Müller über die Entwicklung des Parks und Dobbertins berichten kann. Er versteht es auf ganz eigene Weise, seine Zuhörer in vergangene Zeiten mitzunehmen – man fühlt sich förmlich hineinversetzt.
Aufgrund seines Alters begleiteten ihn weitere ältere Dobbertiner, die ebenfalls zahlreiche Anekdoten und Erinnerungen zum Park beisteuern konnten. Umso erstaunlicher war es, dass die Beteiligung aus dem Ort insgesamt eher verhalten blieb – gerade wenn man bedenkt, wie häufig über den Park gesprochen wird und wie oft er als Problemzone benannt wird. Umso erfreulicher war es, dass wir einige Gäste unseres Campingplatzes zur Teilnahme motivieren konnten. So entstand eine Gruppe von rund 20 Personen – eine ideale Größe, um aufmerksam zuzuhören und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Es wurden Geschichten aus und über den Park erzählt – und gewissermaßen hatten wir sogar einen „Referenten“, der viele Aussagen vor Ort bestätigte: den Park selbst. Denn auch wenn er schweigt, ist er keineswegs stumm – man muss nur genau hinsehen. So wurde deutlich, dass sich in der Nähe des „Alten Badestrandes“ einst ein weiterer Pavillon befand. Die dort stehenden, lediglich 65 bis 70 Jahre alten Bäume lassen erkennen, dass an dieser Stelle früher eine Freifläche existiert haben muss.
Unser rund 17 Hektar großer Park ist in seiner Form einmalig. Ohne das Kloster Dobbertin wäre er in dieser Weise nie entstanden. Die Menschen früherer Zeiten haben mit bemerkenswerter Fachkenntnis und Gespür einen Park geschaffen – ganz ohne aufwendige, kostenintensive Planung durch externe Ingenieurbüros.
Heute steht der Park als Gartendenkmal in Mecklenburg-Vorpommern unter besonderem Schutz. Der Erhalt der historischen Gestaltung hat oberste Priorität. Bauliche Veränderungen, Neuanpflanzungen oder Eingriffe in die Wegeführung bedürfen zwingend der Genehmigung durch die Denkmalschutzbehörde. Auch für Besucher gelten besondere Verhaltensregeln, um dieses Kulturgut zu bewahren.
Gleichzeitig ist der Park ein empfindliches Biotop. Viele alte Bäume leiden zunehmend unter den Auswirkungen von Trockenperioden. Ein Generationswechsel ist daher unvermeidlich und auch bereits im Gange: Naturverjüngung ist vielerorts sichtbar. Allerdings verändert sich dadurch zwangsläufig auch der Charakter des Parks. Während sich Arten wie Ahorn, Ulme und Esche gut verjüngen, bleibt die natürliche Verjüngung der Eiche weitgehend aus.
Damit stehen wir vor wichtigen Aufgaben: Auch künftig soll es möglich sein, unter dem Kronendach alter Eichen, Linden und Buchen zu wandeln. Dafür braucht es jedoch ein kluges und behutsames Lichtmanagement. Werden Altbäume zu stark freigestellt, kann das fatale Folgen haben – wie Beispiele aus Kläden oder dem Park von Raben-Steinfeld zeigen, wo alte Eichen und Buchen durch zu radikale Eingriffe geschädigt wurden.
Nach meiner Kenntnis haben dort Maßnahmen, die auf Grundlage externer Ingenieurplanungen durchgeführt wurden, das empfindliche Gleichgewicht des Biotops gestört. Daraus lässt sich eine klare Erkenntnis ableiten:
Im Klimawandel müssen wir Parks neu denken – sonst verlieren wir am Ende das Gartendenkmal selbst.