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Der Usedomer Norden
Ausgabe 9/2026
Informationen der Amtsverwaltung
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Bürgerinformationsveranstaltung in Peenemünde

Gut 120 Einwohner interessierten sich für die aktuellen Entwicklungen und Vorhaben in der Gemeinde

Am 30. August 2026 hatten die Wählergemeinschaften aus Peenemünde zu einer Bürgerinformationsveranstaltung in den Saal des Hotels „Zur Zwiebel“ eingeladen. Dieser Einladung folgten über 120 Einwohnerinnen und Einwohner. Die große Beteiligung zeigte das deutliche Interesse der Bevölkerung an den aktuellen Entwicklungen und zukünftigen Vorhaben in der Gemeinde.

Der amtierende Bürgermeister Mario Szostak begrüßte die Anwesenden und stellte die gewählten Gemeindevertreter nochmals kurz vor. Dabei wurden auch deren Verantwortungsbereiche und die Mitarbeit in den verschiedenen Ausschüssen erläutert.

Rücktritt des gewählten Bürgermeisters und aktuelles Testzentrum

Der amtierende Bürgermeister Mario Szostak ging anschließend auf den Rücktritt des gewählten Bürgermeisters ein. Er stellte klar, dass dieser nach Auffassung der Gemeindevertretung keine Auswirkungen auf die Sacharbeit in den einzelnen Ausschüssen gehabt habe. Die Gemeindevertretung sei jederzeit arbeitsfähig gewesen und sei dies auch weiterhin. Der Rücktritt hatte persönliche Gründe, die jeder Bürger gern beim ehemaligen Bürgermeister erfragen kann.

In diesem Zusammenhang appellierte Szostak an die Einwohner, entsprechende Berichterstattungen in den Medien mit gesunder Skepsis zu lesen und kritisch zu bewerten.

Ausführlich thematisiert wurde anschließend die vom Landkreis und dem Land Mecklenburg-Vorpommern erstellte Machbarkeitsstudie zu einem geplanten Forschungs- und Testzentrum für Flugkörper auf dem Flugplatz Peenemünde. Nach Darstellung der Gemeindevertreter waren diese im Vorfeld der Veröffentlichung der Studie nicht ausreichend über das Vorhaben und deren konkrete Inhalte informiert worden.

In der Machbarkeitsstudie geht es unter anderem um die Erprobung von Triebwerken, Flugkörpern und Drohnen auch für militärische Zwecke. Hierfür könnten nach den dargestellten Planungen Sperrungen des Luft- und Seeraumes erforderlich werden, die grundsätzlich auch rund um die Uhr möglich wären. Darüber hinaus wurde auf die mögliche Lärmbelastung hingewiesen. Bei entsprechenden Testungen könnten im Ort nach den in der Veranstaltung genannten Angaben noch Lärmpegel von über 80 dB erreicht werden.

Aus historischer Sicht wurde die erneute Erprobung von Flugkörpern für militärische Zwecke in Peenemünde von den Gemeindevertretern kritisch gesehen und abgelehnt. Die besondere historische Verantwortung des Ortes, die Opfergeschichte sowie die Interessen von Opferverbänden und weitere geschichtliche Aspekte müssten bei derartigen Planungen berücksichtigt werden.

Auch für die weitere touristische und wirtschaftliche Entwicklung Peenemündes wurde das Vorhaben als äußerst problematisch bewertet. Die möglichen Auswirkungen gingen nach Einschätzung der Gemeindevertreter weit über einen bloßen Rückschlag für die touristische Entwicklung hinaus.

Thematisiert wurde in diesem Zusammenhang auch die derzeitige Zurückhaltung von Investoren. Sowohl bereits aktive als auch potenzielle zukünftige Investoren hielten sich gegenwärtig mit weiteren Entscheidungen zurück, da die möglichen Auswirkungen des geplanten Forschungs- und Testzentrums beziehungsweise Raketentestzentrums auf die Entwicklungsmöglichkeiten des Ortes derzeit nicht absehbar seien. Insbesondere die möglichen Sperrungen von Luft- und Seeraum, die zu erwartenden Lärmbelastungen sowie die Auswirkungen auf die touristische Entwicklung sorgten für erhebliche Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen.

Kritisch wurde zudem angemerkt, dass die gemeindlichen Gremien bei übergeordneten Planungen aus Sicht der Gemeindevertretung weiterhin nicht ausreichend einbezogen würden. Die Gemeinde müsse bei Vorhaben, die erhebliche Auswirkungen auf Peenemünde haben können, frühzeitig informiert und beteiligt werden und dürfe nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

Weitere Entwicklungen im Ort

Zur weiteren Entwicklung des Ortes berichtete der amtierende Bürgermeister Mario Szostak über das weiterhin von der Firma terraplan verfolgte Bauvorhaben am ehemaligen Sauerstoffwerk. Hier seien zeitnah noch verschiedene Auflagen und Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Baugenehmigung zu bewältigen.

Ein besonderer Dank galt den Mitarbeitern des Gemeindehofes für ihre engagierte und fleißige Arbeit. Mit ihren täglichen Tätigkeiten leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Pflege und Verbesserung des Ortsbildes. Der Bauhof werde laufend mit den notwendigen Geräten ausgestattet und ergänzt.

Für das Jahr 2027 ist die Einführung eines Begrüßungsgeldes in Höhe von 200 Euro für Neugeborene vorgesehen. Darüber hinaus werden weiterhin teilweise Straßenbeleuchtungen ausgetauscht beziehungsweise erneuert. Auch die Weihnachtsbeleuchtung soll weiter ergänzt und verbessert werden.

Parkplatz Kienheide und weitere Bauvorhaben

Ronny Adelsberger informierte über aktuelle Bauvorhaben und geplante Maßnahmen.

Bei der Neugestaltung des Parkplatzes Kienheide befindet sich die Gemeinde gemeinsam mit dem Planungsbüro nach seinen Angaben im Endspurt. Der Baubeginn ist für den Herbst 2026 vorgesehen. Geplant sind 153 Stellplätze mit Kennzeichenerkennung. Darüber hinaus ist ein WC für den Strand vorgesehen. Die größte Herausforderung stellt hierbei die notwendige Anbindung an die Ver- und Entsorgungssysteme dar, da die vorhandenen Leitungen aufgrund der großen Entfernung nur mit erheblichem Aufwand erreicht werden können.

Auf angrenzenden Flächen des Flugplatzes ist ein neuer Solarpark in Planung beziehungsweise im Bau. Die Gemeinde erwartet daraus langfristig zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen und sieht gleichzeitig einen Beitrag zu einer umweltfreundlichen Energieversorgung.

Das Baugebiet hinter der Bahnhofstraße, das von einem privaten Investor errichtet wurde, konnte bislang noch nicht von der Gemeinde übernommen werden. Der Investor muss noch verschiedene Nachbesserungen vornehmen. Ein weiterer Abnahmetermin soll im Herbst stattfinden. Erst danach kann die Gemeinde die dortigen Straßen, Gehwege und den Spielplatz übernehmen.

Auch die Absenkung der Straße im Bereich Flughafenring wurde angesprochen. Die notwendigen Arbeiten wurden durchgeführt, sodass die Straße wieder befahrbar ist.

Haus des Gastes und Verkehrssituation

Detlef Löll erläuterte den aktuellen Stand bei der Planung und beim weiteren Vorgehen zum Haus des Gastes.

Nachdem das Historisch-Technische Museum aus der ursprünglich gemeinsamen Planung und Nutzung ausgestiegen ist, müssen die Planungen nun neu aufgestellt, präzisiert und an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden. Damit verbunden ist auch eine neue Ermittlung der voraussichtlichen Planungssumme.

Ausführlich angesprochen wurde außerdem die Parksituation in der Bahnhofstraße. Die Gemeinde kann hier ohne Zustimmung des Landkreises beziehungsweise der zuständigen Verkehrsbehörde keine Veränderungen vornehmen. Seitens der Gemeinde wurde dabei eine stärkere Unterstützung durch die zuständige Verkehrsbehörde als notwendig angesehen.

Für die bestehende 30-km/h-Zone hat die Gemeinde ein Geschwindigkeitsmessgerät mit grüner und roter Smiley-Anzeige bestellt. Das Gerät soll Verkehrsteilnehmer auf ihre Geschwindigkeit aufmerksam machen und damit zu einer höheren Verkehrssicherheit beitragen.

Kurtaxe und Kurverwaltung

Oliver Klotzin, Vorsitzender des Tourismusausschusses, informierte über die geplante und bereits beschlossene Einführung der Kurabgabe zum 1. Januar 2027.

Die Einnahmen aus der Kurabgabe sind für die weitere Entwicklung des Tourismus in der Gemeinde von großer Bedeutung. Die daraus finanzierten beziehungsweise unterstützten Angebote sollen sowohl den Einwohnerinnen und Einwohnern als auch den Gästen zugutekommen. In diesem Zusammenhang wurde auch über die Einbindung eines Orts-Bus-Shuttle informiert.

Für die Vorbereitung der Einführung der Kurabgabe wurde inzwischen in Peenemünde ein Büro für die künftige Kurverwaltung eingerichtet.

Frau Podhorská ist seit dem 1. Juli 2026 als verantwortliche Mitarbeiterin für die Aufgaben der Kurverwaltung tätig. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Kurverwaltung der Usedomregion und bereitet die Einführung der Kurabgabe fachlich vor. Das Büro ist montags bis freitags täglich besetzt. Einwohner und Gäste haben dort die Möglichkeit, Fragen rund um die Kurverwaltung und die Einführung der Kurabgabe zu stellen.

Fragen und Anregungen aus der Bürgerschaft

Die anwesenden Einwohnerinnen und Einwohner nutzten die Möglichkeit, unmittelbar während der Erläuterungen zu den einzelnen Sachgebieten Fragen zu stellen und eigene Hinweise einzubringen.

Schwerpunkte waren unter anderem die weiteren Planungen und notwendigen Instandsetzungen von Fußwegen und Gehbereichen sowie die Beschilderung der Strandbereiche.

Intensiv diskutiert wurden auch die Baumängel im Haupthafen und die daraus resultierenden Probleme, insbesondere während der Frostperiode. Weitere Themen waren die Verkehrsanbindung mit der geplanten neuen Buslinie sowie die von vielen Einwohnern erhofften Verbesserungen bei der Usedomer Bäderbahn. Dabei wurden insbesondere der technische Zustand und mögliche Spätverbindungen nach 21 Uhr angesprochen.

Auch die Parksituation in der Bahnhofstraße sowie die bestehenden Probleme im Zusammenhang mit der geforderten Löschwasserbereitstellung waren Gegenstand der Diskussion.

Weiterer Tagesordnungspunkt

Im weiteren Verlauf der Bürgerinformationsveranstaltung war auch die bevorstehende Bürgermeisterwahl Gegenstand eines Tagesordnungspunktes. Die Veranstaltung bot den Anwesenden damit Gelegenheit, sich über den weiteren Ablauf, die Kandidatur des ehemaligen langjährigen Peenemünder Bürgermeisters und die anstehenden kommunalen Themen zu informieren.

Auf eine weitergehende Darstellung einzelner Bewerber muss an dieser Stelle im Sinne einer sachlichen und parteipolitisch neutralen Berichterstattung im Amtsblatt verzichtet werden.

30 Jahre Freiwillige Feuerwehr Peenemünde

Mario Szostak dankte im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum 30- jährigen Jubiläum der Peenemünder Feuerwehr den vielen stark engagierten Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr sowie den Partner und Unterstützern dieses Ehrenamtes. Er verwies aber zugleich auch auf die Notwendigkeit, dass die Peenemünder Truppe dringend Unterstützung aus den Reihen der Einwohner auf Grund der Altersstruktur benötigt.

Sachlicher Austausch und positives Feedback

Die gesamte Veranstaltung verlief in einer jederzeit sachlichen und konstruktiven Atmosphäre. Die Einwohnerinnen und Einwohner hatten ausreichend Gelegenheit, Fragen zu stellen, Kritik zu äußern und eigene Anregungen einzubringen.

Auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung kam es noch zu zahlreichen individuellen Gesprächen zwischen den Einwohnern und den Gemeindevertretern. Dabei konnten persönliche Anliegen nochmals ausführlicher besprochen und Fragen direkt beantwortet werden.

Das Feedback vieler Anwesender fiel insgesamt sehr positiv aus. Die hohe Beteiligung und der intensive Austausch zeigten, dass bei den Einwohnerinnen und Einwohnern ein großes Interesse an einer offenen Information und einem direkten Dialog über die Entwicklung und Zukunft Peenemündes besteht.

Die Gemeindevertretung
Gemeinde Peenemünde