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Gumtower Wiesenblatt
Ausgabe 2/2026
Hinter den Akten - die Verwaltung stellt sich vor
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Die Gemeindewehrführung – Bindeglied zwischen Feuerwehr und Verwaltung

Gemeindewehrführung von Links: Roberto Wichert, Marko Köpke, Bodo Kujat

Wenn im Gemeindegebiet Gumtow die Sirenen heulen, dann sind es nicht nur Fahrzeuge, die ausrücken, sondern ein starkes Team, das gemeinsam hilft. Unterstützt wird diese Zusammenarbeit maßgeblich von der Gemeindewehrführung, dem strategischen Bindeglied zwischen den Ortsfeuerwehren und der Gemeindeverwaltung.

An der Spitze des Führungsteams steht seit 2019 Kamerad Marko Köpke als Gemeindewehrführer. An seiner Seite stehen Kamerad Bodo Kujat als 1. Stellvertreter, der seit 2009 aktiv in der Gemeindewehrführung tätig ist, sowie Kamerad Roberto Wichert, der seit 2022 als 2. Stellvertreter unterstützt. Gemeinsam tragen sie Verantwortung nicht nur für Einsätze, sondern auch für Organisation, Ausbildung und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Feuerwehren im gesamten Gemeindegebiet.

Die Feuerwehren in der Gemeinde Gumtow sind so vielfältig wie die Gemeinde selbst. In den Ortswehren Kunow über Dannenwalde, Döllen, Vehlow, Gumtow, Vehlin, Demerthin, Schrepkow, Barenthin, Görike, Schönebeck, Wutike bis hin zu Schönhagen engagieren sich zahlreiche Ehrenamtliche. Tag und Nacht stehen sie bereit, wenn es brennt, technische Hilfe gefragt ist oder Menschen in Not geraten.

Als Verbindung zur Verwaltung sind die Mitglieder der Gemeindewehrführung wichtige Ansprechpartner für den Bürgermeister. Sie beraten bei Beschaffungsfragen rund um Technik und Ausrüstung, unterstützen bei der Koordination gemeinsamer Übungen und Einsätzen sowie bei der Nachwuchsförderung in den Jugendfeuerwehren.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt liegt im Katastrophenschutz. Die Gemeindewehrführung arbeitet hierbei eng mit den zuständigen Stellen auf Kreis- und Landesebene zusammen, um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren stetig weiterzuentwickeln. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „Katastrophenschutz-Leuchtturm“, das im vergangenen Jahr am Ausbildungstag mit allen Wehren aufgebaut und getestet wurde. Diese Leuchttürme dienen im Krisenfall als zentrale Anlaufstelle für die Bevölkerung, etwa bei länger anhaltenden Stromausfällen oder größeren Schadenslagen. Auch die Planung und Koordination des jährlichen Ausbildungstages für alle Ortsfeuerwehren liegt in den Händen der Gemeindewehrführung.

Wie wird man eigentlich Gemeindewehrführer?

Der Gemeindewehrführer ist die oberste Führungskraft der Freiwilligen Feuerwehr einer Gemeinde. In Brandenburg wird diese Funktion nach den Regelungen des Brandenburgischen Brand- und Katastrophenschutzgesetzes besetzt. Zunächst erfolgt eine Anhörung der Ortswehrführer der Gemeindefeuerwehren. Es erfolgt dann eine Stellungnahme des Kreisbrandmeisters, welcher dem Bürgermeister ein Stimmungsbild zur Wahl übermittelt. Anschließend bestellt der Bürgermeister als Träger des örtlichen Brandschutzes den Gemeindewehrführer offiziell in das Amt und überreicht die Ernennungsurkunde.

Die Amtszeit beträgt in der Regel sechs Jahre. Danach kann eine erneute Bestellung erfolgen. Voraussetzung sind neben Erfahrung im Feuerwehrdienst auch entsprechende Führungslehrgänge und eine hohe persönliche sowie fachliche Eignung für die verantwortungsvolle Aufgabe.

Die Gemeindewehrführung arbeitet meist im Hintergrund und doch ist ihre Rolle entscheidend für eine funktionierende Feuerwehrstruktur. Sie sorgt dafür, dass die vielen ehrenamtlichen Kräfte der einzelnen Ortswehren gut zusammenarbeiten, Ausbildung und Technik auf dem aktuellsten Stand bleiben und die Feuerwehren im Einsatzfall schnell und effektiv helfen können.

Was diese Aufgabe im Alltag bedeutet, darüber haben wir mit Gemeindewehrführer Marko Köpke gesprochen.

Interview mit Marko Köpke, Gemeindewehrführer:

1. Was bedeutet die Aufgabe als Gemeindewehrführer für Sie persönlich?

Die Aufgabe des Gemeindewehrführers ist für mich eine sehr verantwortungsvolle und zugleich erfüllende Aufgabe. Es hängen viele organisatorische, personelle und auch menschliche Aspekte daran. Gemeinsam mit meinem Team bin ich dafür verantwortlich, dass die Kameradinnen und Kameraden in den Feuerwehren der Gemeinde Gumtow gut ausgebildet sind, regelmäßig üben und jederzeit einsatzbereit bleiben.

Natürlich bringt dieses Amt auch einen hohen zeitlichen Aufwand mit sich. Dennoch ist es für mich ein echtes Herzensprojekt. Vor sechs Jahren wurde ich erstmals in dieses Amt berufen, inzwischen habe ich meine zweite Amtszeit begonnen, man wusste also, worauf man sich einlässt. In den vergangenen Jahren konnten wir einige wichtige Projekte anstoßen, die wir nun weiterführen und abschließen möchten. Dazu gehört beispielsweise die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für unsere Kameradinnen und Kameraden, etwa durch neue persönliche Schutzausrüstung und modernere Ausstattung.

2. Gab es ein Erlebnis bei der Feuerwehr, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Bei der Feuerwehr bleiben natürlich auch schwierige Einsätze im Gedächtnis, zum Beispiel schwere oder sogar tödliche Verkehrsunfälle. Diese Situationen gehen an niemandem spurlos vorbei und zeigen, wie wichtig aber auch belastend unsere Arbeit ist. Besonders positiv in Erinnerung geblieben ist mir und meinem Team jedoch der Ausbildungstag in Döllen im Mai 2024. Mein Team und ich hatten diesen Tag mit mehreren Stationen geplant, ohne dass die Kameradinnen und Kameraden genau wussten, was sie erwartet. Die Überraschung ist gelungen: Die Übungen waren herausfordernd, abwechslungsreich und zugleich sehr lehrreich für alle Beteiligten. Es war schön zu sehen, mit wie viel Engagement und Teamgeist alle dabei waren. Genau solche Tage stärken nicht nur die Ausbildung, sondern auch den Zusammenhalt unter unseren Feuerwehren.

3. Was sind aktuell die wichtigsten Themen und Herausforderungen für die Feuerwehren unserer Gemeinde?

Eine der großen Herausforderungen, die uns derzeit beschäftigt, ist der demografische Wandel und die Nachwuchsgewinnung. Viele unserer Kameradinnen und Kameraden leisten seit Jahren einen großartigen Dienst, werden aber natürlich älter. Gleichzeitig kommen leider nicht genügend junge Menschen nach, um diese Lücken langfristig zu schließen. Das ist eine Entwicklung, die nicht nur unsere Gemeinde betrifft, sondern viele Feuerwehren in ganz Deutschland.

Deshalb liegt ein großer Fokus darauf, neue und vor allem jüngere Mitglieder für die Feuerwehr zu begeistern. Langfristig geht es darum, eine starke und verlässliche Feuerwehr in der Gemeinde Gumtow zu sichern. Dafür brauchen wir engagierte Menschen und ganz besonders Nachwuchs, der Lust hat, Teil dieser wichtigen Gemeinschaft zu werden. Wir wollen zeigen, dass Feuerwehr mehr ist als Einsätze fahren, sondern auch Gemeinschaft, Verantwortung, Zusammenhalt und für die eigene Gemeinde da zu sein. Gerade für junge Menschen kann das eine sehr sinnvolle und spannende Aufgabe sein.

Ein zentrales Thema ist derzeit auch die Beschaffung moderner Fahrzeugtechnik. Mit der geplanten Anschaffung neuer Einsatzfahrzeuge geht gleichzeitig auch eine Umstrukturierung der vorhandenen Fahrzeuge einher. Dabei müssen viele Faktoren berücksichtigt werden, z. B. welche Führerscheine bei den Kameradinnen und Kameraden vorhanden sind und wie die Fahrzeuge einsatztaktisch sinnvoll auf die einzelnen Standorte im Gemeindegebiet verteilt werden können.

Eine große Herausforderung bleibt dabei die Finanzierung, denn ohne Fördermittel sind größere Anschaffungen kaum bzw. nicht zu realisieren. Umso erfreulicher ist es, dass im laufenden Jahr ein neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 20) in Dienst gestellt wird. Dieses Projekt wurde bereits vor rund zwei bis drei Jahren geplant und vorbereitet und ist ein wichtiger Schritt für die zukünftige Einsatzfähigkeit unserer Feuerwehr.

4. Was motiviert Sie, sich neben Beruf und Familie so stark für die Feuerwehr zu engagieren?

Mich motivieren vor allem die Herausforderungen, die mit dieser Aufgabe verbunden sind. Ich übernehme gern Verantwortung und arbeite gerne an Projekten, bei denen man etwas bewegen und weiterentwickeln kann. Es erfüllt mich, aktiv dazu beizutragen, die Feuerwehren der Gemeinde Gumtow zukunftsfähig aufzustellen und ihre Einsatzbereitschaft zu sichern.

Als Ausgleich habe ich verschiedene Hobbys, die ebenfalls viel Ausdauer und Engagement erfordern. Dazu gehört unter anderem das Extremwandern über Strecken von 30 bis 100 Kilometern. Außerdem bin ich nebenberuflich als Sprengmeister in ganz Deutschland unterwegs und engagiere mich als Gemeindevertreter für die Gemeinde Gumtow. Ein großer Teil meiner Freizeit gehört natürlich auch weiterhin der Feuerwehr und meiner Familie.

5. Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Feuerwehren in unserer Gemeinde?

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir die vielfältigen Herausforderungen einer kleinen, ländlich geprägten Gemeinde weiterhin gemeinsam positiv gestalten können. Die Feuerwehr ist dabei nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Gefahrenabwehr, sondern auch ein bedeutender Teil des sozialen Lebens vor Ort. Mein Wunsch ist es daher, den Zusammenhalt und das Miteinander in unseren Ortsfeuerwehren weiter zu stärken und die Feuerwehr auch künftig als festen Bestandteil des Gemeindelebens zu erhalten. So können wir sicherstellen, dass Hilfe und Engagement auch in Zukunft zuverlässig für unsere Bürgerinnen und Bürger da sind.

Fest steht: Ohne das Engagement vieler Ehrenamtlicher, von der Einsatzkraft bis zur Führung, wäre der Brandschutz in der Gemeinde Gumtow nicht denkbar. Die Gemeindewehrführung sorgt dafür, dass dieses große Netzwerk aus Engagement, Kameradschaft und Professionalität Tag für Tag funktioniert.

Und wenn die Sirenen wieder heulen, steht hinter jedem Einsatz nicht nur eine Ortswehr, sondern eine gut organisierte Gemeinschaft, die für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde einsteht.