Titel Logo
Gumtower Wiesenblatt
Ausgabe 2/2026
Rückblick - Was war los in Gumtow?
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Sommerkino im ARTrium Schönhagen geht in die fünfte Saison

Filme gemeinsam anschauen und darüber reden. Das Sommerkino im ARTrium Schönhagen ist mittlerweile eine feste Anlaufstelle für Freunde des gesellschaftskritischen Films in der Region. Mit der gewohnt ausgewogenen Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilmen startet das Open-Air-Kino 2026 in seine fünfte Saison.

Das Besondere am Sommerkino im ARTrium Schönhagen: Wo es den Veranstaltern, der Phronesis Diskurswerkstatt, möglich ist, sind Regisseure, Schauspieler oder fachliche Experten im dem Vierseitenhof im Gumtower Ortsteil Schönhagen zu Gast. So war in der vergangenen Saison etwa die ehemalige Bürgerrechtlerin und spätere Brandenburger Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Ulrike Poppe, zur Vorführung des Dokumentarfilms „Der Helsinki-Effekt“ im ARTrium und erläuterte dem Publikum, welche Rolle die KSZE-Schlussakte für den Widerstand der demokratischen Opposition in der DDR spielte. Oder Annette Maennel, in den 90er-Jahren Herausgeberin des frauenpolitischen Magazins „Weibblick“ kommentierte den isländischen Dokumentarfilm „Ein Tag ohne Frauen“ über den Frauenstreik in Island von 1975 aus ostdeutscher Sicht.

Für Gespräche mit dem Publikum waren auch die Regisseure Gerd Kroske („Stolz und Eigensinn“), Jonas Ludwig Walter („Tamara“) und Constanze Klaue („Mit der Faust in die Welt schlagen“) nach Schönhagen gekommen. Und zur Filmvorführung von „Jamel – lauter Widerstand“ kam die Schriftstellerin Birgit Lohmeyer und berichtete von den Vorbereitungen für das Rockfestival „Jamel rockt den Förster“ in ihrem mecklenburgischen Heimatdorf, auf dem regelmäßig Stars aus ganz Deutschland – von Grönemeyer bis zu den Toten Hosen – gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auftreten.

Emotionaler Höhepunkt der Saison war schließlich der Besuch von Namid Arslan vor der Aufführung des Films „Die Möllner Briefe“ in Schönhagen. Arslan hatte 1992 als Kind den fremdenfeindlichen Brandanschlag auf das Haus seiner Familie im schleswig-holsteinischen Mölln überlebt. Seine Großmutter und zwei ihrer Enkelkinder kamen ums Leben. Namid Arslan war mit seiner Mutter und seiner Tochter nach Schönhagen gekommen. Im Gespräch mit dem Publikum kam es zu ergreifenden Szenen der Anteilnahme.

Die Filmauswahl konzentrierte sich in der vergangenen Saison weitgehend auf aktuelle Kinoproduktionen, die durch die Phronesis Diskurswerkstatt in die Prignitz geholt wurden. Das Programm war thematisch weit gefächert, von der Biopic „Like a complete unknown“ über den Werdegang des jungen Bob Dylan, „Köln ‘75“ über die Hintergründe des legendären „Köln Concert“ von Keith Jarrett, über „Das Licht“, den neuen Film von Tom Tykwar bis zu Andreas Dresens „In Liebe, Eure Hilde!“, ein Film über den Widerstand der „Roten Kapelle“ gegen das Hitler-Regime.

Mit dem Sommerkino im ARTrium Schönhagen ist es der Phronesis Diskurswerkstatt gelungen, einen Open-Air-Kinostandort in der Prignitz zu etablieren, der Gäste auch aus weiter entfernten Orten der Prignitz sowie den angrenzenden Landkreisen anlockt. Das gelingt mit einer Filmauswahl, die konsequent auf filmische Qualität und anspruchsvolle Inhalte setzt. Durch das Installieren einer neuen Leinwand im Innenhof des Veranstaltungsortes hat sich zudem die Qualität der Vorführungen im Freien deutlich verbessert. Das wird vom Publikum merklich goutiert wird, wie sich an lauen Sommerabenden in teilweise langen und fruchtbaren Diskussionen bei Getränken und kleinem Imbiss am Feuer im ARTrium feststellen ließ. Im Juni 2026 geht‘s weiter – im Open-Air-Kino im ARTrium Schönhagen.