Ende April bot sich in Barenthin die Gelegenheit, mehr über alte Obstsorten und deren Erhalt zu erfahren. Begleitet von den warmen Strahlen der Frühlingssonne zeigte sich die Obstblüte von ihrer schönsten Seite und verwandelte die Gärten in ein farbenfrohes Blütenmeer.
Mit großer Leidenschaft berichtet Frau Urte Delft über die Vielfalt alter Obstsorten und deren spannende Geschichte. Hinter jeder Sorte verbirgt sich nicht nur ein besonderer Name, sondern oft auch ein Stück Kulturgeschichte. Da Frankreich und Belgien im 18. und 19. Jahrhundert Zentren der Birnenzüchtung waren, tragen viele bekannte Birnensorten französische Namen. Besonders bemerkenswert ist die selten gewordene Apfelsorte „Napoleon“. Von ihr existieren heute nur noch wenige offiziell bekannte Bäume – drei davon stehen in Barenthin, drei weitere in der Elbtalaue.
Der Erhalt alter Obstsorten liegt Frau Delft besonders am Herzen. Viele dieser Sorten sind inzwischen selten geworden und drohen langfristig zu verschwinden. Deshalb engagiert sie sich dafür, diese wertvollen Kulturgüter für kommende Generationen zu bewahren.
Im heimischen Garten erläutert Frau Delft außerdem die Kunst der Veredelung von Obstbäumen. Sie ermöglicht es, einen neuen Baum mit der Lieblingssorte zu erhalten. Dabei nimmt man ein Stück des alten Wunschbaumes, das Edelreis, und setzt es auf die vorbereitete Wurzelunterlage. Bereits nach einigen Wochen kann man sehen, ob die Veredelung erfolgreich war. In einigen Jahren kann man auch auf jeden Ast des heute veredelten Bäumchens eine andere Sorte pfropfen. So können sogar mehrere unterschiedliche Sorten auf einem einzigen Baum wachsen. Diese Vielfalt bietet nicht nur optische Reize, sondern auch praktische Vorteile, da die Früchte zu unterschiedlichen Zeiten reifen.
Wie aromatisch und geschmackvoll alte Obstsorten sein können, zeigt sich auch bei einer Verkostung. Selbst Ende April überzeugen gelagerte Äpfel noch mit intensivem Geschmack.
Die Begeisterung für Obstbäume begleitet Frau Delft bereits seit ihrer Kindheit. In ihrer Studienzeit im Bereich Landschaftsnutzung und Naturschutz in Eberswalde kam sie auf die Idee, den Namen ihres Lieblingsapfelbaumes, der im Garten ihres Elternhauses steht, zu bestimmen. Nach einigen Nachforschungen wurde sie fündig und lernte gleichzeitig durch ihren damaligen WG-Mitbewohner das Veredeln. Heute gibt Frau Delft ihr Wissen in Kursen zum Veredeln und Schneiden von Obstbäumen weiter. Darüber hinaus ist sie ab September regelmäßig auf Apfelfesten vertreten, wo sie mitgebrachte Früchte aus heimischen Gärten bestimmt und Interessierten ihr Wissen vermittelt.
Zu ihren Lieblingssorten zählen unter anderem die Worcester Parmäne mit ihrem süßen, an Erdbeeren erinnernden Aroma sowie die Goldrenette Freiherr von Berlepsch, die besonders saftig und angenehm säuerlich ist und zudem vier mal mehr Vitamin C enthält als ein Golden Delicious.
Schon in wenigen Wochen beginnt die Kirschsaison, und ab Juli startet erneut die Apfelzeit. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde sind eingeladen, die Vielfalt der Früchte in den Gärten und an den Wegen der Region selbst zu entdecken.
Gesucht werden derzeit außerdem alte Kirschbäume mit einem geschätzten Alter von mindestens 80 Jahren. Diese „Senioren“ sollen im Rahmen eines Projektes des Pomologen-Verein Berlin-Brandenburg bestimmt und für zukünftige Generationen erhalten werden. Hinweise zu alten Kirschbäumen sind daher herzlich willkommen.