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Malchower Tageblatt
Ausgabe 1/2026
Aus den Gemeinden
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Eine Frage an uns: Gedanken zum neuen Jahr - von Guido Schulenberg

Wie wollen wir in Zukunft miteinander leben? Die einen mögen sagen: „Das interessiert mich nicht die Bohne“, für andere wiederum ist die Bohne ein Symbol für Glück, auch im Miteinander. Aber dazu kommen wir später.

Zunächst also zurück zur Ausgangsfrage: Wie wollen wir eigentlich als Gesellschaft in Zukunft zusammenleben?

Verschiedene Beobachtungen in den vergangenen Monaten haben mich – ja - aufgewühlt. Einige Beispiele:

Ich denke zunächst an die rohe, ungezügelte Sprache in den sogenannten sozialen Medien, die offenbar die glücklich machen, die sie anwenden. Früher wurden Menschen mit solchen Äußerungen zur Rede gestellt und sie wurden zuweilen auch mit dem dann Gesagten erreicht. Heute gibt es für entgleitende Worte häufiger Mal Applaus, weil sie als Teil des demokratischen Meinungsbildungsprozesses gesehen werden.

Ein anderes Beispiel: die Fusion - jenes Musikspektakel auf dem Flughafen in Lärz. Alkohol- und Drogenkonsum machen offenbar so viele Menschen glücklich, dass die Veranstalter im kommenden Jahr eine Zwangspause einlegen. Sie kommen mit dieser Rücksichtslosigkeit im Miteinander nicht mehr klar. Die Veranstalter überlegen jetzt, wie ein Fest ohne die Exzesse hinzubekommen ist. Schade, aber verständlich, wenn ein Gemeinschaftserlebnis so missbraucht wird.

Da sehe ich auch jene Parkplatzszene, in der jemandem, der etwas langsamer reagiert hat, die letzte Möglichkeit genommen wird, den Wagen abzustellen - breites, hämisches Grinsen im Gesicht des einen, zum Nachteil des anderen.

In der politischen Debatte gerät seit einiger Zeit der Kompromiss in Verruf, wird verächtlich gemacht - obwohl er das Kerngeschäft einer parlamentarischen Demokratie ist. Da, wo wir früher glückliche Gesichter gesehen haben, wenn es gelungen ist, eine Kuh vom Eis zu holen, regiert heute das Nachtreten und das Bilanzieren. Hat da der politische Gegner mehr durchgesetzt als meine Partei?

Ja, das gehört zum politischen Geschäft, diese Frage könnte aber warten. Wie wäre es erst einmal mit einer freudigen Reaktion? „Wir haben auch das geschafft! Schätzt euch doch glücklich, die Sache ist entschieden und muss nicht noch mal vertagt werden. Leute, das ist Demokratie, da kommt keiner ungeschoren davon, aber wir haben auch was erreicht.“ Das könnte dann ein glücklicher Moment sein, weil etwas gemeinsam erreicht wurde.

Was mir auch auffällt: Bei Parteiveranstaltungen wird sich über den politischen Gegner lustig gemacht. Das geht zuweilen weit über das rustikale Aschermittwochsgepolter hinaus. Schenkelklopfen und erniedrigende Bemerkungen, nur weil sich jemand im Karneval beim Gardetanz engagiert, verbunden mit der Botschaft: Dafür ist Zeit, nicht aber für die Lösung unserer Probleme. Da tobt ein Saal auf Kosten eines Dritten. Das solide Argument reicht nicht mehr aus, um zu überzeugen. Offenbar sind aufbrausende Herabwürdigung und schuldzuweisende Ausgrenzung erfolgsversprechender.

Es geht hier nicht um Friede, Freude, Eierkuchen. Debatten müssen sein, es wird immer strittige Themen und Entscheidungen geben. Vielleicht können wir aber gerade bei Auseinandersetzungen mit gegensätzlichen Interessen auch mal innehalten. Für ein gedeihliches Miteinander wäre ja schon viel gewonnen, wenn wir nicht immer nur mit dem „Ich-Ohr“ zuhören sondern auch das „Du-Ohr“ trainieren (die Begriffe stammen von Bernhard Pörksen). Nicht nur das hören, was man hören möchte, sondern wirklich zuhören, aufmerksam sein, wenn jemand anderes redet. Offen sein für das andere Argument, die andere Sichtweise, gerade wenn es schwer fällt.

Kann ja sein, dass dann auch wieder mehr Miteinander möglich wird, im Alltag, im Beruf, in der Politik. Dafür können wir selber etwas tun. Ja, wirklich, denn jetzt kommt die Geschichte mit der Bohne:

Die Glücksbohnen

Es war einmal ein Bauer, der steckte jeden Morgen eine Handvoll Bohnen in seine linke Hosentasche. Immer, wenn er während des Tages etwas Schönes sah oder erlebte oder ihm etwas Freude bereitete, nahm er eine Bohne aus der linken Hosentasche und gab sie in die rechte.

Da war der Duft der frischen Morgenluft, der Gesang der Amsel auf dem Dachfirst, das Lachen von Kindern, das nette Gespräch mit dem Nachbarn, die kleine Hilfe, eine mitfühlende Reaktion, das wirkliche Hören und Gehörtwerden, ein nettes Gemeinschaftserlebnis – immer dann kam eine Bohne von der linken in die rechte Seite.

Bevor er am Abend zu Bett ging, betrachtete er die Bohnen in seiner rechten Hosentasche. Bei jeder Bohne konnte er sich an eine schöne Beobachtung erinnern.

(Leicht veränderter Text – Autor*in des Urtextes unbekannt)

Letztlich bestimmen wir selber, wie viele Bohnen in unserer Gesellschaft 2026 die Hosentasche wechseln. Wie wollen wir morgen miteinander umgehen?

PS: Natürlich ist der Autor kein Engel und versteht den Text auch als eine Mahnung an sich selber.

Guido Schulenberg