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Malchower Tageblatt
Ausgabe 3/2026
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„Gegen das Vergessen …“– Die Fleesenseeschule in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Der spanische Philosoph und Schriftsteller George Santayana sagte einst: „Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ Durch diese Vergesslichkeit ist es in unserer deutschen Geschichte totalitären Regimen innerhalb von kurzer Zeit zweimal gelungen, die Macht zu übernehmen und ihre Diktaturen in Form einer rechten Diktatur unter den Nationalsozialisten und der einer linken Diktatur des SED-Regimes auszubauen und Furcht, Schrecken und Unterdrückung zu verbreiten.

Am 27.01.2026 wirkten wir mit unseren R10ern aktiv gegen das Vergessen und besuchten im Zuge des „Tages gegen das Vergessen“ und im Rahmen des Geschichtsunterrichts die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

Exakt 81 Jahre zuvor wurde am 27.01.1945 das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von der russischen Armee befreit, was zum Anlass genommen wurde, um diesen Tag fest als Projekttag in den Schulen des Landes zu etablieren. So beschlossen wir unseren Schülern an der Fleesenseeschule die Möglichkeit zu bieten, eine Bildungsreise in ein zwölf Jahre andauerndes abgrundtief dunkles mit einem Martyrium verbundenes Kapitel unserer langen deutschen Geschichte zu unternehmen und die Gräueltaten des Nationalsozialismus´ an diesem historischen Ort mit eigenen Augen wahrzunehmen und das historische Bewusstsein unserer Schüler weiterzuentwickeln. Was mit der Diffamierung, Verfolgung, Inhaftierung und Ermordung politischer Gegner in den 1930er Jahren nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann, entwickelte sich schnell zu einem Martyrium, dem eine Vielzahl von Menschen in den errichteten Konzentrationslagern, die später gezielt zu Vernichtungslagern umfunktioniert wurden, zum Opfer fielen. Eines dieser Konzentrationslager stellt das Frauenlager Ravensbrück dar, das geschichtlich eng mit unserer Heimatstadt Malchow, in dem sich das Außenlager von Ravensbrück befand, verbunden war. So ist das nur unweit von unserer Fleesenseeschule neu gestaltete Wohngebiet, das alle Malchower als „Lager“ kennen, ein tatsächliches Lager gewesen. Die Schüler der Klasse R10 wurden zunächst im Geschichtsunterricht in Form eines Schülervortrags über unsere Stadtgeschichte aufgeklärt und weitergebildet, wobei hier schon erste Bezüge zum Konzentrationslager Ravensbrück durch die Vortragenden hergestellt wurden.

Dann rückte der geschichtsträchtige 27.01. heran und wir trafen uns direkt an der Bushaltestelle unserer Schule, wo wir von unserem Busfahrer Max von dem Plauer Unternehmen „Busreisen Maaß“ sehr freundlich in Empfang genommen wurden. Nach komfortablen eineinhalb Stunden erreichten wir trotz einiger verschneiter Straßen sicher die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück beim brandenburgischen Städtchen Fürstenberg gelegen.

Hier wurden wir nach einer kurzen Frühstückspause vom Museumspädagogen Herrn Topp zu unserer gebuchten Führung abgeholt. Im Zuge dieser sehr interessanten Führung wurden wir von Herrn Topp über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers zur Hauptausstellung im ehemaligen Lagerverwaltungsgebäude geführt. Anhand vieler einzelner thematisch ausgestalteter Räume klärte er uns über diesen geschichtsträchtigen Ort auf, indem er den unzähligen nicht greifbaren Opferzahlen des Nationalsozialismus´ Gesichter, Gestalt und Lebensgeschichten gab und diese vor der Vergessenheit bewahrte. Auch klärte er uns über die Haftbedingungen und den Alltag der Häftlinge sowie die verschiedenen Phasen des Konzentrationslagers auf. So erfuhren wir, dass auch in Ravensbrück, wie in vielen weiteren Konzentrationslagern, die systematische Vernichtung von Inhaftierten erfolgte, ehe das Konzentrationslager am 30.04.1945 von sowjetischen Truppen befreit wurde. Besonders schaurig waren die Erzählungen über die täglichen Zählappelle, bei denen die Häftlinge oft stundenlang spärlich bekleidet und teils ohne feste Schuhe auf dem steinigen kalten Untergrund des Lagergeländes, das von einer vier Meter hohen, mit Stacheldraht und Starkstrom versehenen Mauer umgeben war, regungslos ausharren mussten. Auch das Krematorium und der Erschießungspatz des Geländes verstärkten das ohnehin schon durch die an diesem Tag schneebedeckte Landschaft hervorgerufene Gefühl der eisigen Kälte dieses Ortes.

Im Anschluss an die sehr interessante und lehrreiche Führung hatten die Schüler noch die Möglichkeit, die Mahn- und Gedenkstätte interessengeleitet auf eigene Faust zu erkunden, ehe wir gemeinsam mit unserem Busfahrer diesen denkwürdigen Ort in Richtung Heimat verließen.

Torsten Krüger