Im Plenarsaal des Landtags in Schwerin v.l.: Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, Dr. Sigrid Jacobeit, Cloi Sugano, Landtagspräsidentin Birgit Hesse, Dr. Haakon und Dr. Martha Smith, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, MdL Elke-Annette Schmidt, Lucie Lengardt, Joana Buchholz, Lucy Vetting, Erdian Esmena
Birgit Hesse, Präsidentin des Landtages in Schwerin, sagte in ihrem kurzen Schlusswort, das Gedenken dieses Abends sei eine der eindrücklichsten Gedenkveranstaltungen, die sie im Landtag miterlebt habe. Dankbar schaute sie dabei zu einigen Malchower*innen und zur 2. Vizepräsidentin Elke-Annette Schmidt und den norwegischen Gästen. Die nämlich hatten am 27. Januar gemeinsam die Gestaltung übernommen, an dem Tag, der seit 30 Jahren dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gewidmet ist. Wie das alles zusammenhing, wurde im Verlauf des Gedenkens deutlich.
Birgit Hesse erklärte zunächst in ihrer Eingangsrede: „Der Nationalsozialismus begann nicht mit Lagern und Vernichtung. Er begann mit Worten. Mit Ausgrenzung. Mit der Einteilung von Menschen in ‚wertvoll‘ und ‚wertlos‘. Er begann mit dem Abbau von Demokratie, mit der Verachtung von Vielfalt und mit der Illusion, es gebe einfache Antworten auf komplexe Fragen. Er begann dort, wo Kompromisse als Schwäche galten, wo Andersdenkende zu Feinden erklärt wurden und wo das gesellschaftliche Miteinander zerbrach.“ Sie benannte, was daraus an Leid und Verbrechen entstanden war, und wie unverzichtbar es bis heute ist, solchen Anfängen entgegenzutreten. Außerdem verwies sie bereits auf die Musik, die einerseits von den Nazis missbraucht wurde aber vielen andererseits auch die Kraft zum Überleben verlieh.
Bevor jedoch die Musik dieses Gedenkens im Plenarsaal erklang, vereinte eine Schweigeminute alle Anwesenden – die Gäste, die Politiker*innen, die Vertreter*innen der Religionsgemeinschaften und die Künstler*innen. Professorin Dr. Sigrid Jacobeit berichtete von der Malchower Gedenkwoche Anfang Mai 2025, mit der des 80. Jahrestags der Befreiung des KZ-Außenlagers in der Stadt gedacht wurde. Zwangsarbeiter und Frauen aus dem KZ Ravensbrück wurden von dort aus zur Arbeit im Munitionswerk gezwungen. Sigrid Jakobeit erzählte vom langsamen Entstehen des Gedenkortes am ehemaligen Barackenlager, von den Begegnungen der Schüler und Schülerinnen mit Batsheva Dagan, vom neuen Denkmal und von den Begegnungen und der Musik der Gedenkwoche. Es sei achtenswert, wie sich die Stadt inzwischen diesem Teil ihrer Vergangenheit stelle – und es sei beachtlich, was für eine Tiefe die Aufführung von „Voices of the Holocaust“ berührt habe. Elke-Annette Schmidt hatte deshalb angeregt, sie nochmals aufzuführen an diesem Tag im Schweriner Landtag.
Dr. Martha und Dr. Haakon Smith waren mit der Sopranistin Cloi Sugano und dem Tenor Edrian Esmena aus Oslo angereist. Am Nachmittag wurde noch einmal kurz mit den Malchower Schülerinnen Joana Buchholz, Lucy Vetting und Lucie Lengardt, die die Sprechtexte übernommen hatten, geprobt. Für sie alle und weitere Mitglieder der Vorbereitungsgruppe des Gedenkens im Mai war es auch ein Wiedersehen – ein frohes und vertrautes.
Der Liederzyklus von Marilee Eckert und Martha Smith nimmt Lebensschicksale von Menschen auf, die die Repressalien und KZs der Nazis überlebt haben – unter anderem von Corrie ten Boom und Batsheva Dagan. Auf der Leinwand wurden Bilder aus den Lagern und von den verfolgten Menschen, darunter viele Kinder, eingeblendet. Im Plenarsaal standen Porträtfotos von Frauen, die im Malchower Lager eingesperrt waren. Das Gedenken wurde für die Zuhörenden mit bestimmten Gesichtern und Biographien verbunden und bezog sich doch zugleich auf die unermessliche Zahl aller Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen. In der Musik könne man das hören, „was nicht in Bücher, Aufsätze oder Zahlen passt. … Sie macht Geschichte fühlbar“, so hatte Birgit Hesse es eingangs zusammengefasst.
Die „Stimmen des Holocaust“ und das Malchower Gedenken haben in diesem Jahr die Gedenkstunde im Landtag geprägt. Die Landtagspräsidentin und die Ministerpräsidentin, weitere Abgeordnete und andere Teilnehmer des Abends bedankten sich auch persönlich bei den Künstlern und den Schülerinnen.