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Malchower Tageblatt
Ausgabe 3/2026
Rathausnotizen
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Fortsetzung der Rede des Bürgermeisters anlässlich des Neujahrsgesprächs 2026

Was haben wir gelernt?

In dieser Rubrik finden Sie seit Jahren nicht ganz ernst gemeinte Erfahrungen, Hinweise und Lösungen zu Alltagsproblemen. Gern nehme ich mich auch selber auf die Schippe und hoffe, Sie erfreuen sich an meinen Erkenntnissen in 2025 ebenso wie ich es tat.

Die Lösung für sozialen Wohnungsbau

Seit Jahren leidet der Wohnungsmarkt, insbesondere in Großstädten, unter akutem Wohnungsmangel. Insbesondere fehlt dort bezahlbarer sozialer Wohnraum. Schon oft wurde versucht, über Mietpreisbremse, Bauturbo und Bürokratieabbau das Problem zu klären. Dabei liegt die Lösung doch auf der Hand. Jeder weiß, dass ich von dem fadenscheinigen ökologischen Geschwätz und der Mär des Naturschutzes im Zusammenhang mit Windrädern nichts halte. Bei Lichte betrachtet wird die Erde eben nicht mehr durch den Verbrauch von Gas und Erdöl ausgebeutet, sondern durch den Verbrauch von Kies, Aluminium, Stahl, Kupfer, seltenen Erden und so weiter. Ach ne, das ist ja was anderes und darum Umweltschutz und so kleinlich wollen wir mal nicht sein, es geht ja um etwas Großes. Auch produziert ein einziges Windrad ca. 1.500 Tonnen Sondermüll, von dem wir nicht wissen wohin damit am Ende.

Doch es gibt Lösungen. Wenn die Rotorblätter abgebrochen sind oder die Turbinen mal wieder abgebrannt oder die Konzerne genug Geld verdient haben, schneiden wir den Trödel doch einfach ab und bauen dann in heimeliger Umgebung einfach eine Sozialwohnung.

Oder wir bauen ein Tiny House, das kann man überall hinstellen, wenn man denn schnell die Baugenehmigung bekommt.

Unterschätze nie die Natur - Wildschweine

Wie stark Mutter Natur ist und wie sie sich aufgegebene Gebiete zurückerobert, hat schon oft zu Erstaunen und Bewunderung geführt. Oder wie anpassungsfähig die Lebewesen sind und sich mit dem Menschen arrangieren. Doch manchmal rücken uns die lieben Viecher doch zu sehr auf den Pelz. Waschbären, Füchse, Rehe oder Wölfe zieht es immer dichter in die Wohngebiete, auch Wildschweine. Seit Jahren versucht daher Kleinmachnow bei Berlin, sich der Wildschweinplage zu erwehren, doch erfolglos. Weder mit Pfeil und Bogen noch mit Fallen, Futter oder Zäunen lassen sich die Schweine einfangen oder vertreiben. Das verwundert!

Jetzt kam endlich heraus, warum selbst Zäune die Schweine nicht aufhalten und warum es so schwer ist, diese Tiere zu fangen. Der Bürgermeister von Kleinmachnow, Bodo Krause, gab dazu der Zeitung Kommunal ein vielbeachtetes Interview, in dem er seine Erfahrungen mitteilte. „Wildschweine sind unglaublich schlau und wendig“, sagt Bürgermeister Bodo Krause und fast schwingt Bewunderung mit. Als nachts ein Schwein den halben Vorgarten seines Hauses umgewühlt hatte, habe seine Frau versucht, das Tier zu vertreiben. „Das Wildschwein ist daraufhin im Laufschritt durch den Maschendrahtzaun gehuscht, so, als ob es sich um einen Vorhang handelt“, erzählt Krause. Und jetzt, meine Damen und Herren, erklärt uns Bodo Krause, warum es auch mit Zäunen nicht gelang, sie einzufangen.

„Die Schweine sehen zwar massiv aus, können sich aber unglaublich klein machen und kommen so durch kleine Öffnungen durch.“

Vielleicht sind ja die Maschen von Nylonstrumpfhosen klein genug, um die listigen Tierchen aufzuhalten.

Zu viel Gendern?

In den letzten Jahren ist in Deutschland zu beobachten, dass es oft nicht mehr darauf ankommt, Gesetze und Vorschriften einzuhalten oder wissenschaftliche Grundlagen zu beachten, wenn es politisch nicht gewollt ist.

Das Gendern ist so ein Beispiel und wird darum heiß diskutiert. Selten sind es Studien oder sprachwissenschaftliche Zugänge, die dabei die Diskussionen bestimmen, denn es scheint politisch gewollt. So treiben also Ideen der ganz eifrigen Verfechter der „Genderwahnsinns“ wilden Blüten. In der Anwendung führt es zu: Vorständinnen, Mitgliederinnen oder Gästinnen. Das führt nicht nur bei mir zu starker Polarisierung.

Zugegeben, manchmal wird man durch seine Voreingenommenheit auch etwas blind, aber lese ich doch Mitte des Jahres beim Einkaufen für den Grill Folgendes: Hähncheninnen-filet.

Hähncheninnen, so ein Quatsch, warum schreibt man nicht Hühnchenfilet, das ist doch wieder so ein himmelschreiender Blödsinn und diskriminiert nebenbei auch noch die Hähnchen! Oder doch nicht?

Bei genauerem Überlegen und vor allem nachdem ich mich bei meiner Frau, einer Deutschlehrerin, darüber beschwert hatte und sie mich eigentlich nur verständnislos ansah, fiel mir dann auf, dass das Hähnchen normales Filet hat und eben auch das Innenfilet.

Also meine Herren, wenn Ihnen mal wieder das Gendern über die Hutschnur geht, manchmal lohnt es sich, etwas unvoreingenommener an die Thematik zu gehen oder jemanden zu fragen, der sich damit auskennt.

Kreative Tourismusfinanzierung, oder Dukatenhund

Unser Amt ist schön. Bei uns können sich nicht nur Menschen allein oder mit ihrer Familie erholen, bei uns gibt es viele Angebote, auch den besten Freund des Menschen mit in den Urlaubsort zu bringen.

Doch das Angebot scheint für manchen Gast bei längerem Aufenthalt nicht reichhaltig genug und das Wellness- und Gesundheitsangebot für Tiere ist wohl noch entwicklungsfähig. Dann fährt man eben während des Urlaubs dahin, wo mehr los ist. Schön wäre es dabei natürlich, wenn dieser Kurztrip nicht auch noch die eigene Urlaubskasse belasten würde. Da ist Kreativität gefragt!

So geschehen, oder zumindest versucht, im letzten Sommer.

Ein Herr reiste mit seinem Hund an und verbrachte einige Tage Urlaub am Plauer See. Auch Waldi lebte sich aus und ging tagelang stromern und baden. Herrlich! Aber was war das, der geliebte Hund hatte plötzlich Durchfall.

Soweit so gut oder eben nicht und natürlich unerfreulich für alle Beteiligte. Was macht man da gewöhnlich? Man sucht einen ortsansässigen Tierarzt auf und lässt sich etwas für den Magen des Hundes empfehlen oder verschreiben. Oder: Ich schnappe meinen Hund, setze mich ins Auto und fahre nach Hamburg, buche mir ein gutes Mittelklassehotel für zwei Nächte, gehe zu einem Tierarzt und stelle dann nach Rückkehr alles der Gemeinde in Rechnung, mit der Androhung von Klage und schlechter PR, falls die Rechnung nicht beglichen würde, denn immerhin hat Waldi sich ja vielleicht im Plauer See die Bakterien eingefangen, die zum Durchfall führten. Naja, vielleicht.

Erfolg hatte er am Ende natürlich nicht, verursachte aber wieder einen großen Verwaltungsaufwand, mussten wir doch beweisen, dass es nicht an uns lag.

Es gäbe noch mehr Erstaunliches über Kommunikation zu berichten, über den Wert eines Polofahrers im Vergleich zu einer Audi Q7 Fahrerin im Zusammenhang mit einer Parkplatzsuche auf dem Erddamm oder über die Verlässlichkeit in der großen Politik und das (Steigbügel-)Halten von Absprachen nach der erfolgreichen Kanzlerwahl oder eben nicht.

Aber wir werden für heute mit dem nächsten Punkt fortfahren. Jedoch nicht ohne zu versprechen, dass wir weiter die Augen aufhalten und vor allem die Ohren, um nächstes Jahr neue Lernerfolge zu vermelden.

Meine Damen und Herren, wie üblich und sicher schon von Ihnen erwartet, folgt nun die Statistik zur Einwohnerentwicklung in Malchow und im Amt. Wir haben dafür die zuverlässigen Zahlen unserer Meldedatenbank genutzt und nicht die grobe Zensus-Schätzung. Denn anders als der Zensus, kennen wir alle unsere Bewohner, müssen sie sich doch persönlich an oder ummelden.

Insgesamt sind wir in Malchow gewachsen, zwar sind mehr Menschen gestorben als geboren wurden, aber durch den positiven Zuzug wurde das mehr als ausgeglichen.

Im Amt Malchow sind aktuell 10.835 Menschen gemeldet.

Und 102 Paare gaben sich in Malchow das Ja-Wort und haben das gefeiert.

Und? Was haben wir gefeiert?

Ja, wir haben unserem Ruf als Partymonster wieder alle Ehre gemacht. Dabei lässt sich der Begriff jedoch nicht an einem bestimmten Alter festmachen, denn es war wieder für jede Altersgruppe etwas dabei.

Der Volksfestverein hat zum 172. Mal gezeigt, dass unser einmaliges Fest und immaterielles Kulturerbe jedes Jahr noch ein wenig besser werden kann und darum freue ich mich schon auf dieses Jahr.

Osterfest, Mühlenfest, Bier- und Genussmeile, Wikingerfest oder das Brückenfest, über 30 Veranstaltungen hat uns auch der KSR im letzten Jahr geboten.

Dann gab es auch die traditionelle Oldienacht. Hier stellt sich leider die Frage: Zum letzten Mal oder wird es in diesem Jahr weitergehen?

Aufgrund der 80 Jahre der Beendigung des 2. Weltkrieges und der Befreiung des KZ-Außenlagers in der Lagerstraße, haben viele ehrenamtliche mit der Fleesenseeschule, der Verwaltung und mit Unterstützung des Landesamtes für politische Bildung eine ganze Festwoche mit Vorträgen, Lesungen und Konzerten organisiert.

Das ist sogar bis nach Schwerin gedrungen und das Abschlusskonzert wurde aufgrund der Einzigartigkeit sogar dort zum Neujahrsempfang übernommen. Der erste Höhepunkt der Festwoche war die Enthüllung einer Gedenkstatue auf dem Gelände des ehemaligen KZ.

Wir durften uns an der 5. LiteraTour erfreuen und tolle Bücher kennenlernen und auch die Klosternächte mit Musik und Freiluftkino lockten zahlreiche Gäste an.

Insgesamt schauten unsere Nachbarn einmal mehr sehr respektvoll und auch ein wenig neidisch auf Malchow und was wir hier alles innerhalb einer Saison für uns und unsere Gäste so auf die Beine stellen. Darüber können wir froh und dankbar sein. Uns wird ein so reichhaltiges Programm geboten, zu dem wir als Stadt allein nicht in der Lage wären. Denn, wenn auch oft die Stadt als Veranstalter auftritt und Bauhof, Ordnungsamt und der Bereich Kultur immer aktiv unterstützen, die meiste Arbeit haben doch die Vereine mit den Veranstaltungen. Darum danke ich, stellvertretend für alle Malchower und Gäste, hier noch einmal ausdrücklich dem Volksfestverein, dem KSR, dem Musikverein und allen, die unermüdlich für die Bereicherung unseres Lebens und für die tolle Unterhaltung in Malchow sorgen. Ohne Sie, ohne euch wäre unser Leben trist und öde. Haben Sie, habt Ihr vielen herzlichen Dank!

René Putzar
Bürgermeister

Die Fortsetzung der Rede lesen Sie in der Ausgabe 4/2026, die am 28.03.2026 erscheint.