An diesem Ostersonntag hatten sich zwei zu einem märchenhaften Schönheitswettbewerb verabredet: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer macht das schönste Licht im ganzen Land?" Die zwei waren das aufziehende, schimmernde Abendlicht der Sonne und das andere die züngelnde Flammenkollektion des Osterfeuers. Als der Abend zur Wachablösung des Nachmittags vorbeikam, war es schwer zu entscheiden, was den besser wirkte. Am Ende war es wohl die Harmonie des Zusammenspiels der unterschiedlichen Lichteffekte, die diesen Abend als märchenhafte Komposition fürs Auge gestaltete.
Stiebende Funken, Flammen, von denen jede die höchste sein wollte, der Rauch, der sich wie ein Weichzeichner über einen Teil des Sportplatzes legte - dazu die Wischtechnik der Wolkenfamilie am Himmel. Blaue Tupfer, umsäumt von grauen Wolken, die mit der letzten Kraft der untergehenden Sonne am Rande aufgehellt wurden. Darunter weiße Wolken, die wirkten wie schwebende Federn. Alles zusammen spiegelte sich auf dem Frühlingsblau des Wassers.
Ein Naturgemälde, das um die 300 Besucher so faszinierte, dass die Speicher der Handykameras als Ergebnis dieses Abends eine veritable Ausstellung zu diesem Naturschauspiel zusammen hatten. Feuerwehr und Förderverein freuten sich über so viel Anmut, was sich auch beim Verkauf von Speisen und Getränken auszahlte. Ist es doch einfach schön, sich Arm in Arm und unter Freunden und Nachbarn bei einem Gläschen an dieser Kulisse erfreuen zu können.
So idyllisch diese Stunden auch waren, an dem zu späterer Stunde das wärmende Feuer der aufziehenden Abendkühle Einhalt gebot, so unschöner war ein wenig Ärger im Vorfeld. Denn jetzt kommt die Sache mit dem Klingeldraht.
Fürs Osterfeuer braucht es Holz. Das hatten die fleißigen Kameraden der Zislower Wehr auch akribisch vorbereitet. Nun gab es aus der Mitte des Dorfes die Anfrage, ob nicht trotzdem noch ein wenig Holz gebraucht würde. Warum auch nicht? Was keiner ahnen konnte: Das „ein wenig" wurde so großzügig interpretiert, dass die Grenzen dessen, was unter „ein wenig" zu verstehen ist doch mehr als ausgereizt wurden. An der ehemaligen innerdeutschen Grenze hätten jedenfalls die Klingeldrähte wegen der Überschreitung derselbigen still geglüht.
Jedenfalls landete ein halber Wald (na ja, nicht ganz, aber irgendwie doch) an der Feuerstelle. So war das Angebot der Feuerwehr nicht gemeint. Das muss doch nicht sein. „Ist doch wahr", zeigte sich die eine oder andere Empörung kopfschüttend im Kreise der Feuerwehr.
Dieses Bild sah naturgemäß nicht so schön aus wie das Osterfeuerkino - das hoffentlich mehr im Kopf bleibt als der unnötige Holzweg.