Im Rahmen einer Festveranstaltung am Vorabend des Malchiner Stadtfestes wurde am 25. Juni 2026 im Rathaus der „Ehrenbrief der Stadt Malchin“ verliehen. Der Malchiner Heimatverein zeichnete gemeinsam mit Bürgermeister Müller in diesem Jahr die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Helferinnen und Helfer der Tafel Malchin für ihr langjähriges soziales Engagement aus.
Die Laudatio hielt Torsten Gertz vom Heimatverein Malchin. Er begrüßte zu Beginn der Veranstaltung Bürgermeister Müller, Bürgervorsteherin Frau Dr. Mahnke sowie die anwesenden früheren Träger des Ehrenbriefes.
Zum 28. Mal verlieh der Malchiner Heimatverein diese besondere Auszeichnung. Mit dem Ehrenbrief werden Menschen oder Gruppen gewürdigt, die sich in besonderer Weise um die Stadt Malchin verdient gemacht haben. Die Idee zu dieser Auszeichnung geht auf den im Jahr 2023 verstorbenen Malchiner Rudolf Wessel zurück. Sein Anliegen war es, all jenen ein Dankeschön auszusprechen, die sich für ihre Heimat einsetzen, Traditionen bewahren und das Leben in der Stadt und der Region bereichern.
In seiner Laudatio stellte Torsten Gertz die Arbeit der Tafel Malchin in den Mittelpunkt. Er erinnerte daran, dass nicht alle Menschen ihr Leben unter gleichen Bedingungen gestalten können. Wenn finanzielle Sorgen überhandnehmen und das tägliche Leben zur Herausforderung wird, leisten die Mitarbeitenden und Helfenden der Tafel wichtige Unterstützung.
Unter dem Motto „Lebensmittel retten, Menschen helfen“ sammeln die Helferinnen und Helfer genießbare Lebensmittel, die im Handel nicht mehr verkauft werden können. In fünf Märkten der Stadt sowie in Bäckereien werden Waren abgeholt, deren Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist oder die aufgrund kleiner optischer Mängel nicht mehr in den Verkauf gelangen würden. Auch Spenden von Gärtnern werden angenommen.
Die Lebensmittel kommen Menschen zugute, die sich in schwierigen finanziellen Situationen befinden – darunter Bürgergeldempfänger, Geringverdiener, Geflüchtete oder Senioren mit geringer Rente. Die Unterstützung ermöglicht es vielen Betroffenen, mehr finanzielle Mittel für andere Bereiche des Lebens einzusetzen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Die Geschichte der Tafel Malchin begann bereits Ende der 1990er Jahre. Nachdem 1994 die ersten Tafeln in Berlin und Hamburg entstanden waren, fanden sich wenige Jahre später auch in Malchin engagierte Menschen zusammen. Unter der Federführung des Sozialwerkes der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Malchin-Teterow e.V. wurde 1997 die Grundlage für die heutige Arbeit geschaffen. Seit 1999 werden regelmäßig Lebensmittel ausgegeben.
Mit Unterstützung der Tafel Deutschland und der Lidl-Pfandspende konnte bereits im Jahr 2000 ein Fahrzeug für die Sammlung der Lebensmittel angeschafft werden. Eine wichtige Unterstützung folgte 2011 durch das Leserhilfswerk des Nordkurier, wodurch eine Kühlzelle finanziert werden konnte.
Heute versorgt die Tafel Malchin etwa 300 bedürftige Menschen. Jährlich werden rund 7000 Lebensmittelbeutel gegen einen kleinen Obolus ausgegeben. Allein im Jahr 2025 wurden etwa 90 Tonnen Waren bewegt. Neben Malchin unterstützt die Tafel auch Menschen in Stavenhagen und Dargun.
Torsten Gertz würdigte besonders die Menschen hinter dieser Arbeit. Seit vielen Jahren engagiert sich Anita Dahms für die Tafel Malchin. Im Februar dieses Jahres übergab sie den Staffelstab an Maik Heptner. Unterstützt werden die beiden von weiteren Helferinnen und Helfern sowie Menschen, die im Rahmen von Beschäftigungsmaßnahmen oder Praktika beim Sozialwerk tätig sind.
Dabei gehe es nicht nur um die Ausgabe von Lebensmitteln, betonte Gertz. Die Tafel sei auch ein Ort der Begegnung. Beim kleinen, aus Spenden finanzierten Mittagstisch oder beim Erzähl-Café entstehen Gespräche, Kontakte und Freundschaften. Die Tafel wirke damit auch sozialer Isolation entgegen.
Die Arbeit der Helfenden sei keineswegs selbstverständlich, so der Laudator. Ob beim Abholen und Sortieren der Waren, beim Transport schwerer Kisten, bei organisatorischen Aufgaben oder im direkten Kontakt mit den Menschen an der Ausgabestelle – der Einsatz verlange Zeit, Kraft und Verantwortungsbewusstsein.
„Die Mitarbeitenden der Tafel sind die stillen Helden unserer Zeit“, machte Torsten Gertz deutlich. Sie bewahrten nicht nur Lebensmittel vor der Verschwendung, sondern vor allem Menschlichkeit und Solidarität. Sie seien Zuhörer, Mutmacher und Brückenbauer für Menschen, die Unterstützung benötigen.
Zum Abschluss der Laudatio überreichte der Malchiner Heimatverein den „Ehrenbrief der Stadt Malchin“ an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Helferinnen und Helfer der Tafel Malchin. Die Auszeichnung würdigt ihr langjähriges Engagement, mit dem sie Lebensmittel retten, Bedürftige unterstützen und damit einen wichtigen Beitrag für den Zusammenhalt in der Region leisten.