Titel Logo
Malchiner Generalanzeiger
Ausgabe 2/2026
Stadt- und Gemeindeleben
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Gedenktafel am Jüdischen Friedhof Malchin enthüllt – Würdiges Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus

Bürgermeister Axel Müller (rechts im Bild) sprach zu den Anwesenden.

Entsprechend der jüdischen Tradition legten die Gäste Steinchen am Gedenkstein nieder.

Pastor Eckart Hübener verlas die Namen der jüdischen Opfer aus Malchin.

Am 27. Januar 2026, dem bundesweiten Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, fand in Malchin eine öffentliche Gedenkveranstaltung statt. Anlass war der 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Eingeladen hatte das Regionalbündnis Mecklenburgische Schweiz, dem zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirche, Kultur und Vereinen folgten.

Um 15 Uhr wurde am Jüdischen Friedhof am Ende der Fabrikstraße feierlich eine neue Gedenktafel enthüllt. Mit ihr soll an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Malchins erinnert werden, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. Zugleich setzt die Tafel ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen und für Verantwortung, Erinnerung und Menschlichkeit.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Bernd Kleist vom Regionalbündnis Mecklenburgische Schweiz e.V. In seiner Ansprache betonte er die Bedeutung des Erinnerns für die heutige Gesellschaft. Bürgermeister Axel Müller hielt im Anschluss eine Rede, in der er mahnte, historische Verantwortung weder zu relativieren noch zu verdrängen.

Pastor Eckart Hübener verlas die Namen der 13 jüdischen Opfer aus Malchin und gab damit den Ermordeten ihre Identität und Würde zurück. In stiller Andacht gedachten die 32 Anwesenden der Opfer. Entsprechend der jüdischen Tradition legten sie Steinchen am Gedenkstein nieder – ein Zeichen des Respekts, der Erinnerung und der Beständigkeit.

Die Gedenktafel ist Teil des Mecklenburger Kapellenwegs, der seit 2017 als Pilgerpfad historische Andachtsorte biblischen Glaubens in der Region verbindet. Idee und Gesamtgestaltung des Weges stammen vom Regionalbündnis Mecklenburgische Schweiz in Zusammenarbeit mit der AG Synagoge Malchin, dem Fritz-Greve-Gymnasium, Kathrin Wetzel und Pastor Eckart Hübener. Inhaltliche Grundlage der Tafel sind umfangreiche Recherchen des Leistungskurses Geschichte des Fritz-Greve-Gymnasiums. Die Gestaltung übernahm Ulrike Ziggel, gefördert wurde das Projekt durch die Sparkasse des ehemaligen Landkreises Demmin.

Der Jüdische Friedhof Malchin selbst blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: 2003 wurde das Gelände von der Stadt Malchin zurückgekauft, 2006 die dort errichtete ehemalige Möbelhalle abgerissen und 2008 ein Gedenkstein gesetzt. Die neue Gedenktafel ergänzt nun diesen Erinnerungsort.

Das Regionalbündnis bat um eine würdige Teilnahme an der Veranstaltung. Männer trugen eine Kopfbedeckung, Blumen wurden bewusst durch Steinchen ersetzt. Die Gedenkveranstaltung machte deutlich, dass Erinnerung nicht nur Rückblick ist, sondern Auftrag für Gegenwart und Zukunft.