Titel Logo
Mecklenburgische Seenplatte
Ausgabe 8/2019
Seite 4
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Wege durch die Mecklenburgische Seenplatte

Bei 1.400 km Radwegen und 5 wichtigen Fernradwegen, die durch die Mecklenburgische Seenplatte führen, hat das Thema Radfahren hier einen sehr hohen Stellenwert. Mit Kreistagsbeschluss vom 17.10.2014 wurde die Verantwortung für die touristischen Radwege, für deren Bau, die Unterhaltung und Weiterentwicklung des Radwegekonzeptes an die Wirtschaftsförderung des Landkreises übertragen. Anfang 2018 erhielt die Wirtschaftsförderung vom Kreistag zusätzliche 550.000 Euro für den Unterhalt der Radwege bewilligt. Eine auf den ersten Blick hohe Summe, die sich aber schnell relativiert, stellt man die realen Kosten der mehreren hundert Kilometer Radwegenetz in Landkreisverantwortung dagegen. Was weit darüber hinaus in Sachen Radwegenetz durch die Wirtschaftsförderung jährlich im Landkreis realisiert wird, stellen wir Ihnen gerne vor.

In eigener Sache

1…2…6…8… diese Zahlen stehen nicht für die Kettenposition auf dem Ritzelpaket eines Mountainbikes nach der Überfahrt einer alpenländischen Passhöhe, sondern für die Positionierung der Radreiseregion Mecklenburg-Vorpommern/Ostsee/Ostseeküste im bundesweiten Ranking innerhalb der jährlich stattfindenden Radreiseanalyse des ADFC für den Zeitraum 2011 bis 2018.

Acht Jahre, die eine linear nach unten verlaufende Kurve der Platzierung unserer Radreiseregion reflektiert. Die Statistik endet in der Regel mit Platz zehn, demzufolge werden wir Mecklenburg-Vorpommern noch zwei Jahre in der Radreiseanalyse verfolgen können, um dann in der unendlichen Weite der Radreisedestinationen nach einer Region mit langer Radfahrtradition suchen zu müssen.

Wollen wir das? Eine Ursachenforschung ist müßig. Es bleibt der Blick nach vorn - mit Impulsen aus der Vergangenheit. Radfahren, egal ob im Alltag, in der Freizeit oder im Urlaub, muss im Zusammenhang betrachtet werden, aber letztlich doch wieder situativ getrennt, zumindest differenziert. Was heißt das für Mecklenburg-Vorpommern?

Als großes, strukturschwaches Flächenland mit einer Bevölkerungsdichte von nur 69 Einwohnern pro Quadratkilometer sind die Entfernungen im Alltagsradverkehr größer als in anderen Bundesländern und strukturstarken Regionen. Viele Grund- und Mittelzentren sind oft 10, 15 oder mehr Kilometer von kleineren ländlichen Siedlungen entfernt, von den wenigen Oberzentren ganz zu schweigen. Alltagsradverkehr und die zugehörige Infrastruktur findet hier also weit weniger statt als in dichter besiedelten Regionen. Dieses Defizit ist zugleich der Benefit für den Aktiv- und Naturtourismus, der in Zeiten einer sich immer stärker beschleunigten Gesellschaft längst vom Rand- zum Kernthema vieler Tourismusdestinationen wurde.

Naturnahes, aktives Radreisen liegt im Trend. Punkt!

In den letzten 4 Jahren ist der Markt des Radtourismus in Deutschland von ca. 4 Mio. Radreisenden auf 5,5 Mio. gestiegen (ADFC Radreiseanalyse 2019). Der Bedarf, der Markt ist da! Es wäre nicht nur traurig, sondern auch eine verpasste Chance für unsere ländlich geprägte Region mit ihrem wertvollen und attraktiven Naturraum, wenn unsere radtouristische Infrastruktur in ihrer Qualität nicht weiter verbessert werden würde. Dazu braucht es die Unterstützung der Politik, ausreichend Mittel und das Engagement eines jeden Radfahrinteressierten, Missstände aufzuzeigen, aber auch Verständnis zu haben für die oft langen und zeitintensiven Wege, die wir bestreiten müssen, um radinfrastrukturell agieren zu können. Damit zumindest für MSE auf 6 und 8 nicht 10 und damit das Ende der Radreisestatistik folgt!

WMSE/TF