Beim Dreschen festlich geschmückter Erntewagen
Liebe Leserinnen und liebe Leser!
Die harten ersten Nachkriegsjahre sind vorüber, es wurde – es musste weiterhin schwer gearbeitet werden.
Gefeiert wurde in den Dörfern damals kaum, es fehlten die Orte, die uns heute selbstverständlich erscheinen: kein Dorfkrug, und kein Gemeindehaus. Doch einmal im Jahr, wenn die Felder abgeerntet waren, das Getreide in großen Getreidemieten gestapelt war, versammelten sich die Bauern mit ihren Familien auf dem Kornboden im Dorf. Dort stand die Getreidemühle, die von den Landwirten genutzt wurde, die selbst keine eigene Möglichkeit hatten, um ihr Getreide zu mahlen. Die Mühle stand im Gebäude, auf dem Boden der Familie Rindermann und Johannes Klappstein war der verantwortliche Mühlenbetreiber. Seine Familie wohnte oben im Wohnhaus der Familie Rindermann. Von 1959 bis 1962 war Johannes Klappstein LPG Vorsitzender der LPG Typ III „Junge Garde“
In der Zeit, zwischen Einbringen der Ernte und erste Mahlvorgänge wurde der Kornboden zum Feiern – Erntefest – genutzt. Jeder, der konnte brachte zu essen und trinken mit und Musik wurde natürlich auch gemacht. Schwierig wurde es bei einigen Besuchern, die etwas zu „tief ins Glas geschaut hatten“, die dort vorhandene steile Treppe unbeschadet nach unten zu gelangen.
Erst mit Eröffnung des Kulturhauses 1953, in dem ein Tanzsaal, Räume für einen Kindergarten und das Büro des Bürgermeisters – mit dem Standesamt - vorhanden waren, konnten alle in einer gepflegten Umgebung gemütlich zusammen sein. Es kamen dann aus den nahegelegenen Dörfern viele junge Leute, die bei Musik und Tanz und natürlich auch mit einem Schnaps die Zeit verbrachten. Manchmal kam es bei den Tanzveranstaltungen auch zu „kleinen Schlägereien“. Kleine Eifersüchteleien waren oft der Grund. Am nächsten Tag waren alle wieder Freunde.
Ein Höhepunkt für alle Landwirte, waren die mehrmals im Jahr stattfindenden Tierablieferungen zum Tiermarkt am Bahnhof in Neubrandenburg. Nach der Erledigung aller Formalitäten mit Wiegekarte usw. fuhr der Bauer als ersten Halt zum Sandkrug. Das Gasthaus stand damals schon als einfacher z.T. Holzbau wie in einer Sandkuhle – von daher bis heute der Name „Sandkrug“ Den Pferden wurde die Zeit zu lang und sie schaufelten mit ihren Vorderhufen Gruben in den Sand. Nach geraumer Zeit besannen sich die dort verweilenden Bauern und es ging weiter in Richtung Neddemin. Das Gasthaus Schiepe, hier war dann alles zu spät. Die Bauern saßen bei Schnaps und Bier in den Gaststuben, tauschten ihre Ergebnisse der Ablieferungen aus, aber den Pferden wurde nun doch die Zeit zu lang machten sich los und mit rasanter Geschwindigkeit galoppierten sie – ohne Kutscher – in Richtung ihres Stalles.
Ich kann mich noch gut erinnern, meine Mutter spannte dann ein Pferd an (Einspänner) und ab nach Schiepe, um die Männer einzusammeln.
Au Backe, die nächsten Tage hatte mein Vater keine so „Gute Karten“!
Der Herbst kam, die Arbeiten auf den Feldern waren abgeschlossen, jetzt wurden Aufräumungs- und Reparaturarbeiten auf dem Hof und in den Ställen durchgeführt. Die Tiere wurden weiterhin gepflegt und versorgt.
Die Vorweihnachtszeit war bestimmt in allen Familien voller Vorfreude und entspannt. Weihnachtsplätzchen wurden gebacken und mein Vater holte schon einige Tage früher einen Weihnachtsbaum aus dem Wald und nur ich durfte mit ihm den Baum schmücken. Die Eltern fuhren ein paar Tage vor Weihnachten in die Stadt, ins „Kaufhaus des Bauern“ nach Altentreptow, um jeden in der Familie ein kleines Geschenk unter den Weihnachtsbaum zu legen. Ja – und dann endlich am 24.12.war es dann so weit, Heiligabend.
An die Zeit „Silvester“ habe ich keine Erinnerungen, na, ich als Kind musste ja sowieso ins Bett.
Bis zum nächsten Beitrag herzliche Grüße.