Meine Einschulung 1953
Meine Schulklasse im Gutshaus 1957
Hallo, liebe Leserinnen und Leser, es geht weiter!
Wenn heute Geschichten - wie die von Patricia Kelly (Kelly Familie) hört – wie sie mit 14 Jahren - nach dem Tod der Mutter - den Haushalt für die große Familie übernahm – dann ist man natürlich zutiefst berührt und beeindruckt.
Doch viele von uns, die in den Jahren nach dem Krieg geboren wurden, kennen ähnliche Geschichten. Nur werden sie selten erzählt.
Wir waren damals keine Fernsehfamilien, keine Musiker auf großen Bühnen, wir waren Mädchen und Jungen vom Dorf, Kinder aus einfachen Verhältnissen, die früh lernten, was Verantwortung bedeutet.
Ich erinnere mich nicht, um Mitleid zu erregen, sondern um ein Bild jener Zeit zu zeichnen.
Meine Mutter starb, als ich gerade 13 Jahre alt geworden war. Von da an war vieles anders.
Unsere Familie bewirtschaftete nicht nur das Land, sondern auch einen entsprechend großen Viehbestand, da hieß es schon ordentlich mit anpacken.
Das war Alltag!
Und ich war nicht allein. Viele Kinder in unserer Umgebung trugen mit, was zu tragen war.
Diese Generation hat nicht laut geklagt, sie hat gemacht.
Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir ihre Geschichten erzählen – nicht um zu glänzen, sondern um zu erinnern.
Menschen, die heute im Ruhestand sind, erinnern sich noch gut an ihre Jugendjahre – nicht an Ferien und Urlaub, sondern an frühes Aufstehen, Verantwortung und Arbeit.
Das alte Schulhaus, ein strohgedeckter Katen im Südteil des Dorfes, an der Straße nach Altentreptow (Triftweg) wurde 1937 wegen Baufälligkeit abgerissen.
Die Siedlungsgesellschaft schlägt vor, das Herrenhaus des Gutes 1936 an die Gemeinde zu übergeben und zwei Klassenräume einzurichten.
Auszug AZ (4:11 - 8) Schulen in Neddemin 1830 - 1959
Mit sieben Jahren wurde ich 1953 im Gutshaus von Neddemin eingeschult.
Heute ist das für uns unverständlich, mehrere Klassen – Kinder, unterschiedlich vom Alter - in einem Raum. Und doch waren wir diszipliniert und haben viel gelernt. In meinem Ranzen waren neben der Fibel, dem Rechenbuch und dem Griffelkasten eine gerahmte Schiefertafel zum Schreiben. An zwei dicken Fäden hingen ein Nassschwamm und ein Trockenschwamm zum Reinigen der Tafel. Einige Schulkinder – wie ich - kamen ja vom Neddeminer Ausbau, andere aus Hohenmin, unsere Fahrräder- wer denn ein Rad hatte- stellten wir am Giebel der Schmiede (Schmiede und Wohnhaus von Dorchen Kraft, der „Eierfrau“ des Dorfes) ab.
Die ersten Sportstunden fanden im Sommer auf dem Schulhof und im Winter im Saal des Kulturhauses statt.
Dann, ab 1959 wurden alle Schüler ab der 7. Klasse nach Neubrandenburg in die „Fritz Reuter“ Schule umgeschult. Es gab einen eigenen Schülerbustransport, der von Neddemin über Podewall, nach Trollenhagen und dann nach Neubrandenburg fuhr.
Es war wohl eine Kostenfrage, denn ein Jahr später wurden alle Schüler nach Altentreptow umgeschult. Die Fahrt hin und zurück erfolgte mit dem regionalen Linienverkehr. Wer die Fahrtkosten damals übernahm kann ich heute leider nicht mehr sagen.
Im Juni 1961, ein starkes Gewitter tobte über das Dorf, es war Heuernte und ein Blitzschlag schlug in unser Wohnhaus am Neddeminer Ausbau ein. Alle Menschen waren auf den Feldern, selbst die ersten Löschfahrzeuge, die kamen, konnten nichts mehr retten. Das Haus brannte bis auf die Grundmauer ab. Natürlich war das für alle eine Katastrophe. Wir – die Familie wurden „aufgeteilt“ und jeder fand Unterschlupf beim Nachbarn. Der Wiederaufbau verzögerte sich, mein Vater war nicht in der Lage konsequent alle Probleme mit Versicherung, Bauleuten usw. zu meistern. Ein Jahr später konnten wir wieder in das Haus einziehen.
Eine furchtbare Zeit für viele Menschen, Verzweiflung und Leid!
Mitten in der Nacht vom 12. auf den 13.08.1961 ist es so weit: Um 01:05 Uhr gehen die Lichter aus. Der Bau der Mauer spaltet nicht nur Berlin, er trennt auch Familien und Freunde.
Ich persönlich kann mich nicht mehr daran erinnern, auch nicht an die Auswirkungen für das Dorf. Für uns als Familie ist das untergegangen, hatten wir doch alle unter dem Blitzeinschlag in unser Wohnhaus und das „Umziehen“ zu anderen Familien zu leiden und zu tun.