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Ausgabe 8/2026
Aktuelles aus den Gemeinden
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Neddeminer Dorfgeschichten Folge 9

Haupteingang Brennerei Rückseite

Alltag im Dorf: Leben, arbeiten und Nachbarschaft

Hallo, es geht weiter mit meiner Geschichte.

Willkommen auf dem Land. Man macht sich heute nicht mehr bewusst, wie das Leben früher war, auch wie das Leben der Bäuerinnen und Bauern damals aussah. Heute sind wir gewohnt, dass wir an vielen Orten leben können, dass wir mobil sind, in den Urlaub fahren, in Konzerte gehen, ins Kino usw. Aber damals …

Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern – außer in die nächste Stadt zum Einkauf – irgendwo weiter weg gefahren sind.

Ich bin als Kind in meinem Elternhaus voller Harmonie und Liebe aufgewachsen. Da ich viele Jahre nach meinen beiden Geschwistern geboren wurde, wurde ich immer von allen in Schutz genommen. Hauptsächlich meine Schwester Gerdalinde und meine beiden Omas beschäftigten sich viel mit mir. Die Eltern hatten einfach zu wenig Zeit. In der Schule waren meine Lieblingsfächer Zeichnen und Musik. Weil ich die Musik sehr mochte und damals schon gern gesungen und getanzt habe, bekam ich von den Eltern ein Akkordeon geschenkt.

Ich war wohl erst sieben oder acht Jahre alt und meine Musiklehrerin Fräulein Wille sollte mir alles beibringen, damit ich ordentlich lernte und spielen konnte.

Natürlich hatte ich im Sommer keine Lust, Noten zu lernen und auf dem Akkordeon zu üben, wenn meine Freundinnen draußen spielten und nach mir riefen. Die Musiklehrerin war sehr geduldig mit mir. Sie kniff oft nicht nur ein Auge zu, sondern sehr oft beide. Als Entschädigung bekam sie – ob ich geübt hatte oder nicht – ein kleines Paket mit Lebensmitteln mit für sich zu Hause.

Das waren noch die Zeiten, als meine Mutter lebte, später war alles anders.

In der Mitte des Dorfes gab es einen Teich, für uns war es der Dorfteich. Die Jungs angelten darin, ob mit Erfolg weiß ich nicht mehr. Aber im Winter, wenn der Teich zugefroren war, war er Treffpunkt aller aus dem Dorf. Für uns Kinder, die auf Schlitterbahnen schlitterten, war es ein Wettstreit, wer es am weitesten schaffte, derjenige war der Sieger, und für alle, die schon Schlittschuhe besaßen, sie zeigten ihr Können auf dem Eis. Auch viele Erwachsene waren dabei und zeigten auf dem Eis, was sie über Jahre nicht vergessen hatten. Die Schlittschuhe, sie wurden an die Schuhsohlen angeschraubt und mit Bändern festgemacht, damit sie überhaupt am Schuh hielten. Diese Schlittschuhe gaben ihrem Namen alle Ehre, sie hatten einen Namen: „Hackenreisser“.

Anfang der 60er Jahre wurde planmäßig mit der Neugestaltung des Dorfes begonnen.

Der Dorfteich wurde aus hygienischen Gründen mit Erdmassen zugeschüttet. Im ehemaligen Gutshaus wurde das Gemeindebüro mit Verwaltungsräumen untergebracht, eine Arztpraxis wurde eröffnet, eine Gemeindebibliothek und 10 Wohnungen verschiedener Größen konnten bezogen werden.

 

 

Die Brennerei im Ort wurde erstmals 1887 im Staatskalender erwähnt und gehörte zur Gutsanlage. Das noch jetzige gut erhaltene Gutshaus soll 1888 erbaut worden sein. Mit dem Insolvenzverfahren des Gutsbesitzers und dem Verkauf des Gutes wird die Brennerei in einem Schreiben vom Mecklenburgischen Ministerium für Landwirtschaft am Freitag, dem 02.07.1937, zu einer Gründung der Brennereigenossenschaft in Neddemin vorgeschlagen und beschlossen.

(siehe auch AZ.57 nachzulesen im Landesarchiv Schwerin)

Nach dem 2. Weltkrieg wurde mit Hilfe der Kommandantur auch die Brennerei auf dem Gutshof wieder in Gang gebracht. Die anfallende Schlempe war ein begehrtes Futtermittel, das die Bauern an die Tiere verfütterten. In der Brennerei wurden auch behelfsmäßig Kartoffelflocken hergestellt, die damals ein Leckerbissen waren.

Im Brennereikeller war ein kleiner Raum, der als Versammlungsraum hergerichtet wurde. Dort traf man sich in geselliger Runde. Ein Glas Schnaps kostete 2,00 Mark.

Besitzer der Brennerei war bis 1946 Familie Seidlitz. Hier wurde auch noch nach 1945 Schnaps gebrannt.

Am 08.10.1946 war die Gründung der VdgB (BHG). Sie war untergebracht mit Büroräumen, Lagerraum für Artikel des landwirtschaftlichen Bedarfs in der Brennerei. In dem angrenzenden Schuppen waren Heizmaterial und Düngemittel untergebracht.

Laut Aussage des heutigen Bürgermeisters Thomas Beckmann wurde 1995 das Gebäude „Brennerei“ abgerissen und ein Eigenheim ist auf dem Gelände entstanden.

Die dort noch wohnenden Familien erhielten von der Gemeinde entsprechenden Wohnraum.

Herzliche Grüße und bis bald,

Heidrun Stach

Unsere neuen Vereinsveranstaltungen finden Sie unter https://neddemin-ev.de

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