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Neustädter Anzeiger
Ausgabe 12/2025
Nachrichten aus dem Rathaus
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Das Brauhandwerk in der Geschichte Neustadt-Glewes

Die mit großer Sorgfalt gestaltete Postkarte der Schlossbrauerei Neustadt geht im Dezember 1901 auf den Weg.

Bierflaschen der Neustädter Brauerei, Schenkung Neustädter Bürger

Bereits im 13. Jahrhundert ist in Mecklenburg das Brauen von Bier in schriftlichen Quellen belegt. Ein nahrhaftes und stärkendes Grundnahrungsmittel, das regelmäßig auch Kindern gegeben wird. Mit wenig Kohlensäure versetzt, dient es als Ersatz für das oftmals verschmutzte Wasser. Das zunächst für den Eigenbedarf hergestellte Dünnbier, wird mit unterschiedlichen Kräutermischungen versetzt, die für Geschmack und Haltbarkeit sorgen.

Grundlage für das tägliche Getränk ist vor allem Gerste, aber auch andere Getreidesorten finden Verwendung.

Erst das Reinheitsgebot aus dem Jahre 1516 legt die Verwendung von Gerste, Hopfen und Wasser fest und ersetzte damit die altbewährte Kräutermischung. Der hohe Bierkonsum im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wird bereits im 16. Jahrhundert zu einer der wichtigsten Steuerquellen! Auch im Haushalt unserer Burganlage wurde nachweislich gebraut.

Bereits 1503 in schriftlichen Quellen erwähnt, erfahren wir im Jahre 1575 ausführlich von einem Bierkeller mit 27 Fässer Bier und einem Brauhaus mit Braupfanne im Haushalt der Burg Neustadt-Glewe.

Im Jahre 1628 liegen die Braugeräte offensichtlich im Backhaus. Es werden genannt:

1 Kupferne Pfanne, hält 12 Tonnen

2 große Bierbodden

3 Kisten

1 Kübel und sonstiges notdürftiges Brau- und Backgerät

1 Backofen

1 Darr-Ofen

1 alte Schlafbank, das Flor von Mauer- und Feldsteinen, der Boden Bretter

Der Bierkeller unter der Speisekammer, dafür:

1 schloßfeste Tür mit 1 Speisefenster, die unterste Tür mit eisernen Hespen und Haken ohne Schloß, ist ein Bohlenkeller

1 schloßfester Brotkasten

14 Bierfässer, jedes hält 6 Tonnen

1 hölzerne Wanne

1 Zuber

12 Tonnen Bier im Vorrat

1 schloßfester Brotschrank mit einer Tür

Das Brauhaus ist heute nicht mehr vorhanden. Der Bierkeller jedoch erfreut in seiner historischen Substanz mit einem Hauch aus Mittelalter und Neuzeit viele Gäste aus nah und fern. Ach würde er doch wieder ein Bierkeller sein……..

Um 1860 beginnt im Braugewerbe mit dem Einsatz der Dampfmaschine die industrielle Produktion. 1895 sind in Mecklenburg 82 gewerbliche Brauereien verzeichnet, um 1900 sind es bereits 87.

Das erste Frachtgut auf einer deutschen Eisenbahn waren Bierfässer, das war im Jahre 1836.

Friedrich Porepp, Lehrer an der Stadtschule zu Neustadt schreibt 1893:

Als ein fernerer Beweis, daß unsere Stadt unter den Zeichen des Vorwärtsstrebens steht, gibt uns die am 10. November 1891 gegründete und am 01. Oktober 1892 in Betrieb genommene Brauerei.

Die schönen Gebäude bieten dem Auge des Beschauers ein interessantes Bild. Nach dem Urteile Sachverständiger ist es eine Musteranlage. Die Brauerei ist für eine jährliche Produktion von ca. 20000 Hektolitern eingerichtet, doch kann die Jahresproduktion auf 30000 Hektoliter gehoben werden.

Die Wasserverhältnisse sind nach der Analyse mehrerer hervorragender Chemiker die denkbar günstigsten. Der Bau ist mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet. Die maschinelle Einrichtung ist aus der Maschinenfabrik des Herrn Louis Schröter in Reppen hervorgegangen. Die Kühlanlage und Eismaschine sind von der „Internationalen Eis- und Kältemaschinen-Industrie“ in Berlin geliefert. Der Weltruf obiger Firmen bürgt für die Gediegenheit der Maschinen. Unter der Leitung des Direktors Johannsen und den fachmännischen Kenntnissen des Braumeisters Rohde ist es denn gelungen, ein vorzügliches Bier unter dem Namen „Neustädter Schloßbräu“ herzustellen, das sich baldeinen guten Ruf, auch schon außerhalb des Vaterlandes, erworben hat. Es soll, wie es heißt, infolge des großen Bierabsatzes in nicht allzu ferner Zeit der Betrieb verstärkt und eine Erweiterung der Betriebsräumlichkeiten vorgenommen werden.

Später schreibt Porepp:

Zuerst als Aktiengesellschaft gegründet, kam der Betrieb bald ins Stocken und nach manchem Wechsel kam die Brauerei in die Hände eines umsichtigen und tüchtigen Fachmannes, des jetzigen Besitzers L. Stüdemann Das unter dem Namen „Neustädter Schloßbräu“ hergestellte und versandte Bier erfreut sich mit Recht allgemeiner Beliebtheit.

Es hat die Eigenschaft, die der Bayer mit dem Ausdruck „süffig“ bezeichnet.

Am 20. Dezember 1913 heißt es im Neustädter Anzeiger:

Das Bockbier unserer Schlossbrauerei (L. Stüdemann) ist soeben zum Anstoß gekommen.

Es ist auch diesmal wieder ganz vorzüglich geraten, mundet prächtig und ist sehr bekömmlich. Gerade zu den bevorstehenden Weihnachtstagen wird dies wohlschmeckende Gebräu wesentlich zur Erhöhung der Festtagsstimmung beigetragen.

Übrigens, warme Biersuppe ist bis weit ins 19. Jahrhundert hinein nicht nur auf dem Lande ein häufiges Frühstück für Erwachsene und Kinder, auch in adligen Schichten ist sie geliebt und genossen. Erst mit der beginnenden Industrialisierung wird die guteSuppe durch Kaffee und Brot verdrängt und geriet ins Vergessen.

Frohe Weihnachten!

Britta Kley

FD Bauen, Umwelt und Tourismus

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038757 / 50065

b.kley@neustadt-glewe.de