Wanderdünen auf der Kurischen Nehrung
Wanderdünen von Nida mit Blick nach Südwesten
... Auf der Fähre hatte ich ein kurzes Gespräch mit einem jungen Litauer, der mir auch gleich Tipps für die Radwege gab. Der gesamte Radweg war über die 55 km bis Nida zwar durchgehend gut beschildert, an manchen Stellen war die ursprünglich vorhandene dünne Asphaltdecke aber völlig verwittert. Es war über große Abschnitte eine ziemlich holprige Fahrt mit teils sehr engen Kurven. Höchste Aufmerksamkeit war gefragt. Ich begegnete einzelnen Radlern und zweimal geführten Radgruppen. Im ersten Drittel fuhr ich kurz neben der zur Ostsee zugeneigten Düne durch junge Landschaft.
Auf den Sandflächen siedelten sich Moose und Flechten an, gelb strahlender Ginster setzte Farbtupfer in die Landschaft, wie wir es auch im Norden Deutschlands kennen. Auf der weiteren Fahrt sah ich wie sich ein hoher Kiefernbestand entwickelt hatte, und es breiteten sich auch ganze Blaubeerwiesen aus. Bald kamen auch Eichen hinzu und einmal sah ich Bereiche, in denen Wildschweine nach Nahrung die Erde durchwühlt hatten.
Nach gut 30 km war ein Parkplatz in Sicht. Gelegenheit zum Ausruhen nicht nur für Kraftfahrzeuge, sondern auch für kräftig Radelnde. Ein Getränke- und Eisstand kam wie gerufen! Hatte ich es doch versäumt, mir Getränke mitzunehmen.
Nach einer kleinen Trinkpause ging es frisch gestählt in Richtung Nida weiter. Der Weg schlängelte sich über die schmale Insel. Links sah ich ältere sehr hohe Dünen, die sogenannten Grauen Dünen. Sie verliefen neben dem Fluss Memel auf der ostseeabgewandten Seite.
An der Boddenküste oder wie man auch sagen könnte, an der Memel wurden mehrere geschmackvoll angelegte Feriendörfer errichtet. Einmal fiel mir ein einzelnes Gebäude auf, das denen glich, die typisch für den Spreewald sind.
Der von mir gesuchte Campingplatz liegt etwa 2 km hinter dem Ortszentrum von Nida. Trotz mehrfach eingeholten Wegehinweisen konnte ich Fehlversuche nicht vermeiden. Einer dieser Fehlversuche führte mich sehr steil auf einer Asphaltstraße immerhin auf über 50 m Höhe an den Rand der Wanderdünen. Vom Campingplatz war nichts zu sehen und ich bekam mit, dass die Straße zu einem Parkplatz oberhalb von Nida führte. Ich genoss natürlich erst den wundervollen Ausblick auf die Nehrung bis hinüber zum russischen Teil. Dieser Ausblick war auf jeden Fall jede Mühe wert, auch wenn ich danach den Hügel wieder hinunterfahren musste.
Unten angekommen, erkannte ich meinen Fehler. In einer Linkskurve hatte ich einen Wegehinweis übersehen. Ich hätte geradeaus weiter fahren müssen. Nach wenigen Metern erreichte ich das Ziel. Am Campingplatz erfuhr ich, dass trotz Vorreservierung meinerseits hier eine Übernachtung in einer Festunterkunft nicht möglich war. Es gäbe allerdings in der Nähe eine Appartementwohnung für mich, allerdings kostete diese pro Nacht 80 Euro.
Die andere Alternative war mein kleines Ein-Mann(Frauen)-Zelt. Diese Karte wollte ich erst später ziehen, und so entschloss ich mich, die nächsten beiden Nächte in einem Bett unter festem Dach zu schlafen ...
von Reinhard Klette