Titel Logo
Müritz-Anzeiger
Ausgabe 11/2026
Aus der Stadt und den Gemeinden wird berichtet
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Nach 36 Jahren übergibt Bürgermeister Johannes Saathoff den Staffelstab

Anita Hänke, ehemalige Gemeindevertreterin, übermittelte persönliche Wünsche an Johannes Saathoff

Patrick Losch (li) aus Gotthun tritt übergangsweise in die Fußstapfen von Johannes Saathoff (re.)

Gotthun. Eine kleine Kutsche mit zwei fliedergeschmückten Ponys rollt am elften Mai bei herbstlichen Temperaturen durch Gotthun und biegt in den Reitweg ein. Was in einem Dorf alltäglich wirken mag, entpuppt sich diesmal als Überraschung für Bürgermeister Johannes Saathoff.

Kutscherin Franziska Jens war schnell von der Idee der Gemeindevertreter begeistert, den Bürgermeister mit zwei Pferdestärken abzuholen. Saathoff ahnt zunächst nichts und steht etwas perplex im Türrahmen. Dann greift er schmunzelnd zur Jacke, steigt auf die Kutsche und dreht eine Abschiedsrunde durchs Dorf.

Nach taggenau 36 Jahren gibt Johannes Saathoff das Amt des Bürgermeisters von Gotthun an die nächste Generation weiter – an Patrick Losch. Neue und ehemalige Gemeindevertreter, Anwohner und Mitglieder der Feuerwehr versammeln sich im „Grünen Baum“, um den Abschied gemeinsam zu feiern.

Patrick Losch bekleidet seit dem 6. Mai 2026 kommissarisch das Amt des Bürgermeisters und will sich im September zur Wahl stellen. „Mit ihm weiß ich einen engagierten, tatkräftigen jungen Nachfolger“, sagt Saathoff.

Gut erinnert sich der langjährige Bürgermeister an seine Anfänge: Mit seinem Amtsantritt am 6. Mai 1990 begann eine Zeit großer Veränderungen für die Gemeinde. Straßen wurden erneuert, das Gutshaus – von den Gotthunern liebevoll „das Schloss“ genannt – saniert und zahlreiche Projekte umgesetzt. „Damals gab es noch Unterstützung durch Fördermittel. Das wurde im Laufe der Jahre schwieriger“, erinnert sich Saathoff.

Ein wichtiger Meilenstein war die Zusammenarbeit mit dem CJD, das mehr als 20 Jahre im Gutshaus ansässig war. Im Keller entstand ein kreatives Gewölbe, in dem getöpfert, geflochten, gestrickt und gesponnen wurde. Auch die Zufahrtsstraße wurde erneuert und das Dachgeschoss zum Kindergarten ausgebaut. Dass dieser später wegen sinkender Kinderzahlen schließen musste, war ein bitterer Einschnitt.

So blickt der 77-jährige Johannes Saathoff auf bewegende Jahrzehnte zurück – und mit gutem Gewissen lässt sich sagen: Gotthun ist gewachsen. Möglich wurde vieles, weil das Dorf zusammenhält und die Menschen mit anpacken. Dorffeste, Tanzveranstaltungen und die 650-Jahr-Feier 2009 prägen die Erinnerung bis heute.

Mit vielen Erinnerungen im Gepäck beginnt für Johannes Saathoff nun ein neuer Lebensabschnitt. Künftig möchte er mehr Zeit mit Familie, Enkelkindern sowie Hof, Tieren und Garten verbringen.

Antje Thiele