Es ist eine schöne Tradition, dass anlässlich des Jahresanfanges des Bürgermeisters dem Gemeinwohl verpflichtete Persönlichkeiten aus unserer Mitte hier ganz besonders geehrt werden.
Heute wird diese Ehre dem Ornithologen und Naturschützer Herrn Rainer Schwarz zu teil.
In der Nachkriegszeit mit seinem Bruder in Boizenburg an der Elbe aufgewachsen, führte seine Technikbegeisterung wohl dazu, dass er nach dem Abitur ein Lehrerstudium für die Fächer Polytechnik und Biologie in Greifswald begann.
Er lernte dort seine aus Röbel stammende Frau Gundula kennen, die den jungen Ornithologen 1964 mit dem idyllisch in der Müritz, zwischen Ludorf und Röbel liegenden Naturschutzgebiet „Großer Schwerin“ bekannt machte.
Es schlug ihn in seinen Bann, aus dem er sich bis heute nicht befreien konnte.
So übernahm Rainer Schwarz im August 1965 die ehrenamtliche Betreuung des Naturschutzgebietes und übt diese Funktion seit nunmehr 60 Jahren voller Hingabe aus, ein schönes Jubiläum!
Fast täglich sah und sieht man ihn dort, um Vögel zu erfassen, Pflanzen zu zählen, Naturschutzwarte in ihre Aufgaben einzuweisen oder einfach nur nach dem Rechten zu sehen.
Es war Rainer Schwarz in all diesen Jahren ein Bedürfnis, auch in anderen das Interesse an der Natur und die Liebe zur ihr zu wecken, sie neugierig zu machen.
In ungezählten Führungen, nicht nur durch „sein“ Naturschutzgebiet, warb und stritt er für die Sache des Naturschutzes.
Einfache Spaziergänge wurden so auch für führende Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft schnell zu einer Diskussionsrunde über Ökologie und Ökonomie, über Sinn und Zweck von Naturschutz und Landschaftspflege.
Politische Lippenbekenntnisse oder kenntnisfreie Meinungsäußerungen von Entscheidungsträgern sind ihm bis heute ein Greul, wissenschaftliche Fakten sind was zählt.
Ehrlichkeit, Beharrlichkeit und Geradlinigkeit sind sein Anspruch und bestimmen sein Handeln.
Waren es in den siebziger und achtziger Jahren die Komplexmeliorationen, in den Neunzigern und danach die Schaffung von Arbeitsplätzen, die beständige Intensivierung der Landwirtschaft und heute der hemmungslose Ausbau von erneuerbaren Energien, sind dies immer gesellschaftspolitische „Notwendigkeiten“ denen sich der Naturschutz allgemein und Rainer Schwarz hier vor Ort stellte.
Davon zeugt unter anderem die 1990 erfolgte Mitbegründung der Ortsgruppe der „Grünen“ oder seine jahrelange Arbeit im Umweltausschuss des Landkreises Müritz.
Rainer Schwarz hat es durch seine fachliche Kompetenz erfolgreich geschafft, auf lokaler Ebene das Schlimmste zu verhindern.
Was wäre aus dem Naturschutzgebiet „Gr. Schwein und Steinhorn“ geworden, wenn es gelungen wäre, die Durchfahrt zum Zähner Lank wieder schiffbar zu machen, wenn es ihm nicht gelungen wäre, das Naturschutzgebiet um den Gebietsteil Steinhorn zu erweitern, oder er nicht den Bau der Naturschutzstation auf dem Großen Schwerin in sozialistischer Eigeninitiative und ohne volkswirtschaftliche Bilanzanteile hauptverantwortlich in die Hand genommen hätte?
Wir wollen es uns nicht vorstellen, zu schmerzhaft wäre der Verlust der Einmaligkeit und Besonderheit unserer Heimat, des Naturschutzgebietes, der Tier- und Pflanzenwelt, um die uns so viele Besucher beneiden.
Das von Herrn Schwarz initiierte extensive Weidemanagement hat dazu geführt, dass bis zu 80.000 Exemplare von Gefleckten und Steifblättrigen Knabenkräutern ein Hotspot für diese Arten in Norddeutschland geworden sind.
Das Rainer Schwarz ein besonderes Durchhaltevermögen besitzt, beweist die von ihm 1966 ins Leben gerufene Neujahrswanderung.
In den vergangenen 60 Jahren hat Rainer Schwarz nichts davon abgehalten, am ersten Tag des Jahres naturschutzfachliche Fragen, Zahlen und Erfolge denen, die es schaffen um 10.00 Uhr vor Ort zu sein, näher zu bringen.
Ich habe größten Respekt vor seinem Lebenswerk, das ohne den Rückhalt in seiner Familie nicht möglich gewesen wäre, dafür gebührt auch seiner Frau Gundula große Anerkennung!
Ich glaube hier sagen zu dürfen, dass Rainer Schwarz dem Naturschutz in unserer Stadt ein Gesicht gegeben hat. Ohne seine ornithologischen Kenntnisse auch nur annähernd in Frage zu stellen, lassen Sie mich ganz zum Schluss auf eine meiner ersten Begegnungen mit Rainer Schwarz zu sprechen kommen.
Als Fünftklässler konnte ich nicht verstehen, dass Herr Schwarz viel Ahnung von Vögeln haben soll.
Schließlich erklärte er uns doch, dass Vögel ihre Flugfähigkeit auch ihrem großen Brustmuskel zu verdanken haben, der wohlschmeckenden, so zarten Hühnerbrust, die wir doch alle kennen.
Ich konnte nicht glauben, was ich da hörte, hatte ich durch den Verzehr der nicht mehr legenden Hühner meiner Großmutter, ganz andere Erfahrungen mit zähen Hühnerbrüsten gemacht!
Bedanken wir uns bei Rainer Schwarz für sein 60-jähriges Engagement für den Natur- und Umweltschutz, Danke für die Entschlossenheit, sich, wenn nötig, quer zu stellen, bleiben Sie weiter kritisch und streitbar und noch lange in der Sache engagiert!
Ich persönlich wünsche Dir beste Gesundheit und noch viele großartige Beobachtungen!