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Müritz-Anzeiger
Ausgabe 6/2026
Amtliche Bekanntmachungen
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Bürgermeisterbericht zur Stadtvertretersitzung am 24.02.2026

Sehr geehrter Herr Stadtpräsident,

sehr geehrte Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter,

sehr geehrte Mitglieder des Jugendbeirates Röbel,

sehr geehrte Röbelerinnen und Röbeler,

sehr geehrte Medienvertreter und Gäste,

lassen Sie mich meinen Bericht heute – wie schon im Dezember – mit einem offenen und ehrlichen Blick auf das liebe Geld beginnen.

„Alle wollen den Gürtel enger schnallen, aber jeder fummelt am Gürtel seines Nachbarn.“

Dieses Zitat von Norbert Blüm bringt die aktuelle Lage sehr treffend auf den Punkt.

Für das Haushaltsjahr 2026 bedeutet das für unsere Stadt einen tiefen Griff in die Tasche. Um den Haushaltsausgleich zu erreichen, sprechen wir von rund 4,4 Millionen Euro.

Allein die Verringerung der Schlüsselzuweisungen sowie die Mehrbelastungen durch Amts- und Kreisumlage summieren sich auf etwa 1,5 Millionen Euro. Geld, das uns real fehlt – bei Aufgaben, die weder weniger noch einfacher werden.

Viele Haushaltsposten sind für uns kaum oder gar nicht beeinflussbar. Pflichtaufgaben wie Feuerwehr, Schule, Straßenunterhaltung oder gesetzliche Vorgaben von Bund, Land und Kreis lassen uns nur wenig finanziellen Spielraum. Und dennoch dürfen wir uns nicht „kaputtsparen“. Trotz aller finanziellen Herausforderungen werden wir auch im Jahr 2026 wieder über 1,6 Millionen Euro für freiwillige Aufgaben ausgeben – viel Geld, das das gesellschaftliche Leben in unserer Stadt aufrechterhält.

Kürzlich habe ich im Rahmen eines Projektgesprächs mit einem Fördermittelgeber von unserer Stadt berichtet. Ich sprach über unsere Therme, über das Haus des Gastes, über den Bürgergarten, das Jugendhaus, die Bibliothek, den Seniorenbeirat, den Jugendbeirat, zwei Schulen mit über 1.100 Schülerinnen und Schülern, über die Planungen für ein Nahwärmenetz, über das Seefest, die Angel-Expo, die Badewannenregatta…

Der verwunderte Blick meines Gegenübers und die anschließende Nachfrage nach unserer Einwohnerzahl, zeigten es wieder einmal mehr - für ein kleines Ackerbürgerstädtchen haben wir eine ganze Menge zu bieten.

Genau das findet sich alles auch im Haushalt 2026 wieder.

Wir investieren nicht nur in Pflichtaufgaben. Wir investieren in Lebensqualität. In Begegnung. In Kultur. In Sport. In Jugend- und Seniorenarbeit. Denn eine Stadt lebt nicht allein von Verwaltung – sie lebt vom Miteinander.

Gleichzeitig behalten wir unsere Infrastruktur im Blick.

Wir treiben Planungsleistungen bewusst voran, um kurzfristig auf kommende Fördertöpfe reagieren zu können. Wer keine Planungen in der Schublade hat, bekommt am Ende auch keine Fördermittel oder eben erst später.

Beispielhaft seien hier genannt: die Planung zur Sanierung der Marienfelder Straße, die Sanierung der Straße Müritzpromenade, die Neugestaltung unserer Flaniermeile vom Hafen bis zum Seglerheim sowie die Planung zur Erweiterung unseres Feuerwehrgerätehauses.

Sicher werden wir nicht alles in den nächsten zwei Jahren umsetzen können. Das wäre weder realistisch, noch seriös. Aber wir haben im Blick, was wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren angehen müssen. Und wir bereiten diese Schritte heute vor.

Ich möchte nicht verheimlichen, dass die Diskussion rund um den Stellenplan 2026 leidenschaftlich war – aber aus meiner Sicht dennoch zielführend.

Wenn man sich die Vielzahl der Aufgaben anschaut, insbesondere die Aufgaben, die uns vom Bund, Land und Kreis übertragen wurden, dann wird deutlich, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als Personal entsprechend aufzubauen.

Doch nicht nur zusätzliche Aufgaben führen zu mehr Personal. Auch rechtliche Vorgaben haben sich massiv verändert. Dokumentationspflichten, Datenschutz, Vergaberecht, Fördermittelabrechnungen, Berichtspflichten – all das ist komplexer geworden. Was früher mit gesundem Menschenverstand und einem Aktenordner erledigt werden konnte, erfordert heute juristische Prüfung, digitale Nachweise und detaillierte Dokumentation. Wir können diese Anforderungen nicht ignorieren. Und wir können sie auch nicht nebenbei erledigen. Verwaltung muss leistungsfähig bleiben – gerade dann, wenn die Herausforderungen größer werden.

Bedanken möchte ich mich ausdrücklich bei denen, die dafür sorgen, dass unsere Einnahmenseite in den letzten Jahren dennoch relativ konstant geblieben ist - bei unseren Gewerbetreibenden.

Sie sorgen mit ihrer Gewerbesteuer dafür, dass wir handlungsfähig bleiben. Sie schaffen Arbeitsplätze, sie investieren, sie übernehmen Verantwortung. Ohne sie sähe unser Haushalt und vor allem unsere Stadt deutlich anders aus. Dafür gebührt ihnen unser aller Dank.

Wir dürfen uns aber nicht auf dem Bestand ausruhen. Wir müssen aktiv für Gewerbeansiedlungen sorgen.

Ich freue mich sehr, dass unsere Innenstadt bald mit dem „Müritzer Küchenheld“ ein neues Küchenstudio erhält. Das ist ein positives Signal.

Auch der geplante Neubau von REWE und Rossmann im Jahr 2027 wird unser Einkaufsangebot erweitern und stärken.

Zur Vermarktung von Erweiterungsflächen in unserem Gewerbegebiet stehen wir im engen Austausch mit der Wirtschaftsförderung Mecklenburgische Seenplatte, aber auch mit verschiedenen Investoren – unter anderem für Batteriespeicherprojekte und Rechenzentren. Diese Investoren sehen die erneuerbaren Energien in unserem Amtsbereich als klaren Standortvorteil. Und genau das ist ein Plus auf unserer Seite. Wir sind in der Verantwortung diese Potenziale positiv und selbstbewusst zu vermarkten, um auch künftig weiter wachsen zu können.

Verantwortung bedeutet aber nicht nur ein zukunftsorientiertes Handeln. Verantwortung heißt auch den Blick zurück zu wagen und zu erinnern.

Am 01. Februar fand in Grabow-Below eine würdevolle Gedenkveranstaltung zum Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz statt – und besonders wichtig war dabei die aktive Beteiligung unseres Schulcampus Röbel.

Im Rahmen einer vorgelagerten Projektwoche haben sich die Schülerinnen und Schüler mit der Frage „Wie erinnern wir heute?“ beschäftigt. Natürlich im Klassenzimmer über den Geschichtsbüchern, aber auch ganz pragmatisch auf Spurensuche in unserer Stadt. Aktiv, wissbegierig und engagiert begleitet fokussierten sie ihren Blick auf eine Zeit, die ihnen fremd und beklemmend vorkommen muss.

Umso wichtiger, dass sie hierbei auch über die bedeutungsvollen Steine gestolpert sind und schnell zu der Erkenntnis gekommen sind, dass die Gräueltaten des Nationalsozialismus auch hier in unserer Region stattgefunden haben.

Und genau diese Erkenntnis hat sich auch in der Gestaltung der Gedenkstunde widergespiegelt. Die Beiträge der Schülerinnen und Schüler waren reflektiert, emotional und zugleich sehr klar in ihrer Haltung.

Wenn sich Jugendliche mit der Geschichte beschäftigen, wenn sie Fragen stellen, wenn sie Verantwortung übernehmen – dann ist das keine abstrakte Gedenkkultur, sondern gelebte Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit. Und genau darin liegt ihre eigentliche Stärke.

Heute – 81 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und 77 Jahre nach Inkrafttreten unseres Grundgesetzes – wissen wir: Freiheit, Demokratie und Menschenwürde sind keine Selbstverständlichkeiten. Unser Grundgesetz ist das Fundament unseres Zusammenlebens. Aber dieses Fundament lebt durch Menschen. Durch Engagement. Durch Begegnung.

Und genau deshalb wollen wir den 23. Mai 2026 - also den 77. Geburtstag unserer Verfassung - bewusst als Ehrentag der Begegnung gestalten. Nicht als staatstragende Feierstunde, sondern als Tag des Austausches im Bürgergarten – bei Speis und Trank mit guten Gesprächen und ein bisschen Musik.

Im Mittelpunkt sollen die Menschenstehen, die sich mit Zeit, Kraft und Herzblut einbringen und unsere Stadtgesellschaft stärken. Fühlen Sie sich herzlich eingeladen diesen Tag und vor allem das Ehrenamt gemeinsam im Bürgergarten mit uns zu feiern!

Sehr wahrscheinlich werden wir uns dann auch unter der neuen Überdachung treffen können. Alle am Projekt Beteiligten sind in enger Abstimmung, um unseren ambitionierten Zeitplan zu halten. Die im Januar in die Erde gebrachten Mikrophäle haben unterdessen erfolgreich einer prüfenden Belastungsprobe standgehalten. Im nächsten Schritt stehen dann bei entsprechender Witterung unmittelbar die Betonarbeiten für die Fundamente an. Viel ist zugegebenermaßen noch nicht sichtbar, aber das wird sich in den kommenden zehn Wochen schnell ändern, nachdem wir die langen, frostigen Tage nun wohl überstanden haben…

Apropos frostig: Die vergangenen Wochen haben uns mit Schnee und Eis durchaus gefordert. Unser Bauhof war mit voller personeller und technischer Stärke im Einsatz und dennoch ist es nicht immer möglich, jeden Weg und jede Straße vollständig von Schnee und Eis zu befreien. Ich kann Ihnen aber versichern, dass unsere Kolleginnen und Kollegen vom Bauhof weitaus mehr als 100 Prozent geben. Dafür gilt ihnen unser ausdrücklicher Dank.

Danken möchte ich an dieser Stelle auch unserem kreislichen Verkehrsunternehmen, der MVVG. Am 16. Januar gab es eine gemeinsame Befahrung des Stadtgebietes mit dem Ziel, unseren „Kleinen Stadtverkehr“ sinnhaft im südlichen Bereich zwischen Busbahnhof, neuem Penny-Markt, dem Solzower Weg und Ludorfer Weg fortzuschreiben. Der Fahrplanentwurf hierfür steht und wird derzeit bei der genehmigenden Behörde des Landes geprüft. Gemeinsam sind wir äußerst zuversichtlich, hier einen enormen Mehrwert für den innerörtlichen Verkehr zu schaffen.

Zum Schluss noch eine besonders schöne Nachricht. Die erste Willkommensbox - ein Muster konnte man ja schon auf unserem gelungenen Jahresempfang begutachten - mit vielerlei nützlichen Dingen für einen guten Start ins Leben wurde an den kleinen Kasimir Fischer übergeben. Sowohl der in 2026 erstgeborene Röbeler, als auch seine Eltern waren höchst erfreut über unser Präsent. Es ist zumindest ein kleiner Anstoß, die Familienplanung fortzuschreiben… Unterstützt wird dieses Herzensprojekt von der Müritz-Sparkasse, der WOBAU Röbel sowie der RMT GmbH. Mein Dank gilt hier insbesondere Andrea Perlick, Sabine Meiritz und Daniel Behrndt.

Liebe Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter, die Herausforderungen bleiben groß – finanziell, strukturell und gesellschaftlich. Aber wenn wir weiterhin Brücken bauen – zwischen Pflicht und Freiwilligkeit, zwischen Wirtschaft und Ehrenamt, zwischen Vergangenheit und Zukunft – dann können wir zuversichtlich nach vorn schauen.

Gemeinsam können wir viel für unsere Stadt erreichen. Lassen Sie uns auch in 2026 gemeinsam an einem Strang ziehen.

Herzlichen Dank.

Ihr Bürgermeister Matthias Radtke